„Bist du auch sicher?“ ulkte Wolfram von Eschenbach. „Ich dachte, du wärst für Sanskrit[235] und gotische Grammatik eingeschrieben?“

Tönnchen war selig. „Er ist Jurist!“ jubelte er. „Er hat auch bereits ‚juristische Medizin‘ gehört. Ich glaube, Mohrenfürst, du bist ein ‚Heimlicher‘! Du steigst am Ende übermorgen, wenn wir zurückkommen, vom Trittbrett direkt ins Examen, was?“

„Na Gott, ja, Tönnchen, du hast deinen witzigen Tag. Zugegeben,“ schmollte der Mohrenfürst. „Aber gut wär’s doch, wenn wir etwas von dem alten Meergreis wüßten, den wir feiern sollen.“

„Erlaube mal, das ist unlogisch[236]. Man feiert am besten, wenn man gar nichts weiß. Wissen ist schon Kritik[237]. Und alle Kritik ist der Gegensatz des Feierlichen.“

„Hand aufs Herz,“ bestätigte Wolfram von Eschenbach, „ich weiß von der ersten Liebe meiner Urgroßmutter väterlicherseits genau soviel wie von dem Jubelgreis.“

„Das heißt“ — Tönnchen zwinkerte listig mit den Augen — „bis auf die ‚Wacht am Rhein‘!“

„Ja, natürlich. Na, das weiß jeder.“ Und dann, zu dem begierig lauschenden Silen gewandt: „Es soll zuerst ein Roman gewesen sein — die ‚Wacht am Rhein‘ — nachher hat er ein Volkslied draus gemacht.“

„Ja, das ist gut,“ meinte der Weinwirt tiefsinnig. „Man merkt sich’s so besser. In Versen ist besser.“

„Richtig!“ billigte Tönnchen den weisen Ausspruch.

„Aber —“ Wolfram von Eschenbach hatte eine Idee. Er rückte näher zu der Tochter Silens und vollendete mit seelenvollem Augenaufschlag: „— aber vielleicht weiß das Fräulein besser Bescheid. Willst du genau erfahren, was alles in der Welt erdichtet wird, so frage nur bei edlen Frauen an, sagt Schiller...“