Unsere Begierde, die Bank von Monte Carlo zu sprengen, wurde zur wilden Leidenschaft. Kaum, daß ich noch Blicke für die eleganten Ambassadricen der Venus von Paris hatte; kaum, daß meine Frau noch Andachtskraft für die Auslagen der großen Schneider aufzubringen vermochte: das Gold läutete uns in seinen Tempel; wir folgten der großen Glocke. (Ich rühre die Pauke des Pathos. Wenn sie ledern klingt – ist es meine Schuld?)

Das Leben in den Spielsälen der Monaco-Aktien-Gesellschaft, deren Dividenden so gewaltig sind, wie es unsere Hoffnung war, sie durch einen phänomenalen Gewinn zu schmälern, ist zum Glück schon so oft und mit so glühenden Farben geschildert worden, daß ich mir die Mühe ersparen kann, ein Gemälde davon zu entwerfen. Ich lasse es um so lieber bleiben, als ich weder die flackernden Augen der verzweiflungsvoll ihr Letztes auf eine Karte setzenden Spieler, noch das müde Lächeln der Verspieler von Riesenvermögen, noch die grausame Verkniffenheit in den erbarmungslosen Augen des Croupiers bemerkt habe. Ich sah nicht, weil ich lediglich auf die dicken Fünffrankenstücke guckte, die ich, gänzlich unbekannt mit den Regeln des Spieles, irgendwohin setzte, wo gerade Platz war. Ich hörte »Faites votre jeu, messieurs« und »rien ne va plus«; und die Kugeln tanzten; und es roch wie in einem Parfümerieladen. Und das ging eine Weile so hin, bis ich fünfzig Franken verloren hatte und die Stimme meiner Frau vernahm, die da lautete: »Du hast gar keine Ahnung von der Sache. Laß mich machen!«

Sie hatte nämlich, während ich im Interesse unserer Finanzen rastlos tätig gewesen war, versucht, den Sinn der Figuren und Nummern zu ergründen, die auf dem grünen Tuche zu sehen waren. Und nun fing sie an, mit Überlegung zu tun, was ich unüberlegt getan hatte. Mit anderen Worten: ich hatte gespielt – sie: berechnete.

Wenn Fortuna nicht ein ganz albernes Frauenzimmer wäre, das keine Idee davon hat, worin ihr Wesen eigentlich beruht: nämlich im Unberechenbaren, das ich mit dem Instinkte des Schicksalskundigen kühn und groß herausgefordert hatte, so hätte sie meine Frau sofort durch andauerndes Einziehen ihrer Fünffrankenstücke bestrafen müssen. Statt dessen bereitete sie ihr den Triumph, sie die fünfzig Franken wiedergewinnen zu lassen, die ich verloren hatte.

Ich wußte nicht, ob ich mich darüber freuen oder ärgern sollte. Denn, wenn es zwar erfreulich war, den Spielfonds wieder beisammen zu haben, so war es doch auch ärgerlich, dies mit einer Einbuße an Autorität zu bezahlen.

Indessen: würdelos, wie man nun einmal wird, wenn man, wie ich, den Sinn auf das Materielle zu richten gewöhnt ist, freute ich mich schließlich doch, indem ich im geheimen hoffte, die verlorene Autorität auf anderem Wege wieder zu gewinnen.

Meine Frau aber setzte mit Überlegung weiter. Einmal sogar zehn Franken. Und gewann immerzu. Es kam der Augenblick, wo unser Spielfonds verdoppelt war.

»Siehst du?« sagte sie und lächelte so infam, wie ich es ihr niemals zugetraut hätte.

»Was denn?« entgegnete ich kühl.