»Solche Ansichten stehen dir zu Gesicht, und bei schönen Frauen kommt alles darauf an, wie es ihnen steht. Es wäre schlimm, wenn unsere deutschen Hausmütter so dächten; es wäre entsetzlich. Aber diese Gefahr ist nicht vorhanden. Fest steht und treu die Wacht am Ehebett. Du aber darfst und sollst verruchte Maximen haben. Eine Schönheit wie die deine würde gegen den Stil sündigen, wollte sie moralisch sein. Auch die große Dame von Babylon hat ihre Existenzberechtigung, und wir Künstler verdanken ihr unsere besten Informationen. Ach, es sind in eurem herrlichen alten Buche wundervolle Stellen darüber! Heute darf man so etwas nur in Musik sagen, – und das wird jetzt in Triebschen von dem größten aller Propheten besorgt.«

Und nun sollte Madame Sara ein Kind bekommen, von dem sie nicht wußte: ist es von dem, dessen Seele in Asien wohnt, oder von dem, der das Heil der Zukunft von Bismarck und Richard Wagner erwartet.

Im Brennpunkte der Leidenschaft zweier Gegenpole stehend und sich jedem, dem einen wie dem anderen, mit gleicher Leidenschaft zuwendend, hatte sie zuweilen das Gefühl eines Verhängnisses über sich, das ihr manchmal grell, manchmal düster, kaum je einmal in einem ruhigen Lichte erschien.

Doch kam das nicht häufig über sie.

Klar war ihr das eine: das Kind durfte ihr nicht unbequem werden, und von ihrer Mutterschaft durfte niemand erfahren, schon wegen der Gesetze ihres Staates nicht, das für eine Witwe, welche außerehelich gebiert, sehr fatale vermögensrechtliche Folgen festsetzte.

In Lalas Tagebuch stand, als der Dresdner Aufenthalt zu sieben Monaten gediehen war, dieses: »Sprach die helle Schwester: Laß uns das Kind in einen Binsenkorb tun, wie Mose, und den Wellen eines Flusses übergeben. Und Geld dazu und von den Vätern Geschenke. Hat es Glück, so wird die Tochter Pharaos es finden und zu Ehren aufziehen. Wir aber wollen es nur von weitem verfolgen und ihm beistehen, wenn es nottut.«

So alttestamentlich ging es indessen nicht zu.

Als die Zeit herangekommen war, daß es für Sara nötig schien, sich zurückzuziehen, nahm sie freundlich und gelassen von ihren beiden Dresdner Freunden Abschied.

Rührendes ereignete sich dabei nicht.