Mir blieb nichts mehr zu tun übrig, als um Urlaub zu bitten für immer und zu fragen, welche Botschaft ich der Gräfin bringen solle.

Die Antwort war: »Sag meiner Gattin, daß sie mir willkommen ist, wenn sie sich stark genug fühlt, mit mir bei den Dämonen zu hausen. Niemand weiß ja über diese so gut Bescheid, wie Ihr. Wie ich sie kenne, wird sie es vorziehen, sich in den Schutz der anderen Madonna zu begeben. Und sagt ihr, wenn sie Euch dies kundgibt, von mir, daß sie recht daran tut und daß es mich beruhigen wird, sie in dem besten Schutze zu wissen, darin sich ein Mutterherz ausruhen kann. Ich weiß, sie wird für mich beten. Sagt Ihr auch das. Und fügt von mir noch dies hinzu: daß ich ihr ehrerbietig und mit dem ganzen Reste von Liebe dafür danke, den ich für Lebendiges noch fühlen kann.« Obwohl ich dank der Klarheit, die sich immer mehr in mir ausbreitete, sehr wohl begriff, daß das Gütige und Wahre in diesen Worten keineswegs ein Zeichen etwa aufdämmernder Vernunft, sondern nichts als spöttische Verstellung des Teufels war, der diesen Geist völlig verwirrt hatte, mußte ich mich doch, mehr unbewußt als mit Fleiße, gleichfalls auf die Hand des Unglückseligen beugen. Meine Lippen fühlten, daß sie ganz kalt war.

Ich ritt mit den Knechten im schnellsten Galopp zur Stadt. Der Nebel hatte sich gehoben. Als ich mich, wir mochten etwa zwei Bogenschüsse weit geritten sein, umwandte, sah ich das Schloß im hellsten Sonnenlichte über dem schwarzen Walde gleichsam höhnisch leuchten.

Morgen geleite ich die Gräfin nach Rom ins Kloster. Dort will ich auf bessere Zeiten warten, daß ich nach Toskana zurückkehren kann.

Zum Danke für meine Rettung aus der grausamen Gefahr, gleich meinem edlen alten Herrn in die Verstrickung des Teufels zu fallen, habe ich heute gelobt, nie wieder einen Pinsel zur Hand nehmen. Die Kunst ist die schlimmste Schlinge des Bösen.«


Annemargret und die drei Junggesellen.

Nebst einem Vorwort von den Raubrittern und dem Segen der Aufklärung.