Und nun die Geschichte.

Es waren einmal drei junge Junggesellen, recht adelige Burschen: nämlich Söhne eines alten Raubritters.

Der war aber tot und lag mit seiner Frau, der weiland Raubritterin, in seinem Erbbegräbnisse tief im Walde. Sein Wappen, ein behelmter Wolf, der eine dreigespaltene Zunge sehr rot und im zierlichsten heraldischen Schnörkelschwunge aus dem raffzähnigen Rachen bleckte, lag in Stein gehauen über ihm; und das war gut, denn damit war die Sicherheit gegeben, daß der alte Raubritter den Landfrieden, den er dem Tode hatte schwören müssen, auch wirklich hielt. Es wäre ihm schon zuzutrauen gewesen, daß er auch noch als Gerippe auf Krämer ausgeritten wäre.

Seine drei Söhne: Welf, Ralph und Rolf, besorgten das ja auch, aber doch nicht mit der ganzen väterlichen Leidenschaft. Sie taten es nur berufshalber und wenn die Münze ausging, nicht aus Sport und innerlichem Bedürfnis. Die Jagd war ihnen vergnüglicher, und sie hetzten den Bären lieber als den Juden.

So lebten sie recht angenehm bewegt in ihrem alten Schlosse am Walde, tranken sowohl roten als auch weißen Wein in beträchtlichen Mengen und aßen vielen saftigen Braten dazu, den ihnen ihre alte Haushälterin, die ehr- und tugendgeachtete Jungfrau Barbara, genannt das Reibeisen, gar vorzüglich am Spieße zu braten verstand.

Aber eines Tages, gerade, als sie einen Rehrücken am Spieße hatte und emsig drehte, sagte sie plötzlich ohne ersichtliche Ursache: Mein Jesus, Barmherzigkeit! fiel hin und war tot. Der Rehrücken verbrannte, der Brandgeruch, erst ganz angenehm, dann schon mehr unlieblich, stieg bis ins Turmgemach, wo Welf, Ralph und Rolf sich eben die Würfelknochen unter erklecklichen Flüchen ins Gesicht schmissen, und lockte die Brüder zur Küche.

Da wurden sie sehr traurig, als sie das Reibeisen tot auf dem Steinboden liegen sahen, schlugen hastige Kreuze und fluchten mörderlich.

»Wer soll uns nun kochen und braten!« rief Welf.

»Sie konnte es so schön knusperich!« klagte Ralph.

»Und dennoch blieb er innen saftig!« bemerkte Rolf.