β) das Kausalitätsverhältnis. Man vertauscht Ursache und Wirkung, z. B.: „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ (statt: Kummer). „Aus der Wolke quillt der Segen“ (statt: Regen). „Hütten, um die der Landmann stille Schatten pflanzt“ (statt: Bäume). Oder man setzt für die Verrichtung das Werkzeug, z. B. Schwert (statt: Krieg), Pflug (statt: Ackerbau). „Der Degen hat den Kaiser arm gemacht, der Pflug ist’s, der ihn wieder stärken muß.“ Schiller.

γ) das Stoffverhältnis. Man setzt den Stoff statt der Sache, die daraus verfertigt ist, z. B. Eisen (statt: Schwert), Stahl (statt: Dolch), Blei (statt: Kugel), Eisen (statt: Fessel) usw. „Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeichten Lein.“ Schiller.

δ) das Symbolverhältnis.[9] Man setzt das sinnliche Zeichen statt des abstrakten Begriffes, der dadurch bezeichnet wird, z. B. Lorbeer (für Sieg, Ruhm), Zepter, Krone (statt: Herrschaft, Regierung), Ölzweig (statt: Frieden) usw. „Ist denn die Krone ein so einzig Gut?“ Schiller.

d) Die Synekdoche (eigentlich: das Mitverstehen) ist genau genommen nur eine Unterart der Metonymie. Sie setzt statt des Allgemeinen das Besondere, z. B. den Teil für das Ganze: Dach (für Haus), Mast oder Kiel (für Schiff), Welle (für Meer), Brot (für Nahrung) usw.; oder das einzelne statt der Vielheit: „Freiheit liebt das Tier der Wüste“ (Schiller); oder die bestimmte Zahl für die unbestimmte: „O daß ich tausend Zungen hätte“ usw.

e) Die Prosopopöie (d. i. Vermenschlichung) oder Personifikation stellt leblose Dinge oder abstrakte Begriffe als lebende Wesen dar. Viele Metaphern sind zugleich Prosopopöien, z. B.: Die Sonne verbirgt sich, der Winter kommt, die Natur schläft, der Himmel lacht herab, die Erde dürstet nach Regen, der Sturm heult oder brüllt, die Wolken fliehen, der Strom zürnt usw. Unter Prosopopöien im engeren Sinne versteht man aber weiter ausgeführte Darstellungen dieser Art, z. B.:

Da wacht die Erde grünend auf,

Weiß nicht, wie ihr geschehn,

Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf

Und möchte vor Lust vergehn.

Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar