Und wieder nieder

Zur Erde muß es,

Ewig wechselnd.

Goethe.

b) Die Metapher (d. i. Übertragung) setzt das Bild statt des Gegenstandes, ist also gleichsam eine abgekürzte Vergleichung. Die Vergleichung sagt: „Der Wein ist wie flüssiges Gold“, die Metapher: „Der Wein ist flüssiges Gold.“ Die Metapher gibt dem Ausdruck Adel, Würde und Neuheit, und die Sprachgewalt eines Dichters oder Schriftstellers offenbart sich am deutlichsten in der Fähigkeit, treffende Metaphern zu bilden. Beispiele: Hör’, es splittern die Säulen ewig grüner Paläste. Goethe. Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder. Schiller. Ein Tropfen Haß, der in dem Freudenbecher zurückbleibt, macht den Segenstrank zu Gift. Schiller. Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß. Goethe. — Man unterscheidet substantivische, adjektivische und verbale Metaphern. Substantivische Metaphern sind: Haupt des Staates, Schiff der Wüste, Segler der Lüfte (Wolke), Kinder im Walde verirrt und bedeckt mit Blättern im Schlummer (die Blumen), schlafendes Sonnenlicht (der Mond), Hefe des Volkes usw. Adjektivische Metaphern: eine schwarze Seele, der blasse Neid, der süße Schlaf, die goldenen Himmelsfrüchte, die goldene Sonne, ein hartes Herz usw. Verbale Metaphern: die Sonne blickt durch der Zweige Grün; die Woge bäumt sich am Gestade; die Täler singen und die Höhen schweigen, die Tannen schauern in der Felsenkluft usw.

Wie die Vergleichung kann auch die Metapher weiter ausgeführt werden, sie wird dann zur Allegorie (von ἀλληγορέω, d. h. etwas anders sagen, als der eigentliche Sinn verlangt). Der Satz: „Die Dichtung war zu Rom eine ausländische Blume“ enthält eine Metapher; fügt man hier zu dem Bilde Blume noch weitere sinnliche Beziehungen hinzu (z. B. Same, Garten, Wachstum, Blüte usw.), so erhält man eine Allegorie. So sagt Herder: „Die römische Dichtkunst war aus griechischem Samen in den Garten eines Kaisers verpflanzt, wo sie als schöne Blume dastand und blühte.“ Beispiele: Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen. Schiller. In den Ozean schifft mit tausend Masten der Jüngling, still, auf gerettetem Boot, treibt in den Hafen der Greis. Schiller.

c) Die Metonymie (d. i. Umnennung, Vertauschung des Namens) setzt wie die Metapher einen Gegenstand für den anderen, aber nicht wie die Metapher wegen der Ähnlichkeit, sondern wegen der natürlichen und nahen Verbindung, in der die Gegenstände miteinander stehen. Die Metonymie nimmt Rücksicht auf:

α) das Raum- oder Zeitverhältnis. Man setzt den Ort statt dessen, was sich an demselben befindet, oder den Zeitraum statt derer, die in demselben leben, z. B.: „Ganz Rom geriet in Erregung“ (statt: alle Römer); „bei Abendglockenläuten ging die Natur zur Ruh“ (statt: die Geschöpfe). „So fordr’ ich mein Jahrhundert in die Schranken“ (statt: die Menschen).