e) Die Darstellung darf nicht mit Bildern überladen werden. Durch eine solche Überladung wird der Stil schwülstig und unnatürlich. (Vgl. S. 13. 19.)
15. Die Bilder oder Tropen.
Die Alten unterschieden Tropen und Figuren, und es soll der Übersichtlichkeit wegen diese Einteilung hier beibehalten werden, obwohl die schaffende Phantasie des Dichters einen solchen Unterschied nicht kennt.
Der Tropus oder die Trope (d. i. Wendung, griech. τρόπος, lat. tropus, von griech. τρέπειν, wenden) bezeichnet die Wendung des Ausdrucks vom Gewöhnlichen und Eigentlichen zum Bildlichen und Uneigentlichen. Die Tropen verändern die Vorstellung und mit ihr den Ausdruck, die Figuren dagegen nur den Ausdruck, nicht die Vorstellung; die Tropen verleihen der Rede Anschaulichkeit, die Figuren erhöhen die Lebendigkeit derselben. Wenn Calderon den Bach eine silberne Schlange nennt, so wird die gewöhnliche Vorstellung mit einer anderen, ungewöhnlicheren vertauscht und mit der Vorstellung zugleich der Ausdruck; diese Bezeichnung ist daher ein Tropus. Wenn dagegen Rückert vom Wasserfall sagt: „Er rauscht und rauscht und rauscht, die Gegend hört ihn rauschen“, so bleibt die Vorstellung unverändert, es wird nur derselbe Begriff und derselbe Ausdruck mehrmals wiederholt, wir haben es hier also mit einer Figur zu tun.
Man unterscheidet folgende Tropen:
a) die Vergleichung veranschaulicht den Gegenstand durch ein Bild und stellt Bild und Gegenstand nebeneinander. Das Bild besteht entweder nur in einem Worte oder Satze, z. B. er kämpfte wie ein Löwe; „dem dürren Laube gleich verwehten meine Träume“ (Freiligrath); oder es ist weiter ausgeführt, z. B.:
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,