So wie der Schnee hinschmilzt auf hochgescheitelten Bergen,
Welchen der Ost hinschmelzte, nachdem ihn geschüttelt der Westwind,
Daß von geschmolzener Nässe gedrängt abfließen die Bäche:
Also schmolz in Tränen der Gattin liebliches Antlitz.[10]
Voß, Odyssee.
9. Annominatio, die Nebeneinanderstellung mehrerer Wörter, die zu demselben Stamm gehören, z. B.: Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir. Goethe. Schreibend schreibt er im Schreiben geschriebene Schriften der Schreiber. Voß. — 10. Antanaklasis, Wiederholung des Wortes in anderer Bedeutung, z. B.: Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, der ist gewiß nicht von den Besten.
II. Sinnfiguren.
a) Das schmückende Beiwort (Epitheton ornans) ist ein adjektivisches Attribut, das in sinnlich anschaulicher Weise eine Eigenschaft des substantivischen Begriffs hervorhebt, z. B.: Dich begrüß’ ich in Ehrfurcht, prangende Halle, dich, meiner Herrscher fürstliche Wiege, säulengetragenes herrliches Dach. Schiller. — Wir bewohnen ein glückliches Land, das die himmelumwandelnde Sonne ansieht mit immer freundlicher Helle. Schiller. — Sieh, die mondbestrahlte Fläche schlägt es mit den leichten Füßen! Freiligrath. — Die Epitheta müssen immer charakteristisch sein, sonst sinken sie zu müßigen Attributen herab, die, statt die Lebendigkeit der Darstellung zu erhöhen, den Stil unerträglich platt und weitschweifig machen. Nichtssagend und daher unschön sind namentlich die Beiwörter in den Alexandrinern der Dichter des siebzehnten und der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, z. B.:
Dort fliegt ein schwerer Stein nach dem gesteckten Ziele,