Birg bei der Nacht mich in ein Totenhaus
Voll rasselnder Gebeine, Moderknochen
Und gelber Schädel mit entzahnten Kiefern,
Heiß in ein frischgemachtes Grab mich gehn
Und in das Leichentuch des Toten hüllen.
Shakespeare.
c) Der Gegensatz (Antithese) stellt Begriffe, die sich logisch gegenüberstehen, in parallelen Satzgliedern einander entgegen, z. B.: Ein Gott bist du dem Volke worden, ein Feind kommst du zurück dem Orden. Schiller. — Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt. Goethe. — Durch glänzende Antithesen zeichnet sich namentlich Schillers Stil aus. — Unterarten des Gegensatzes sind das Oxymoron und das Paradoxon. Das Oxymoron (ὀξύμωρον, von ὀξύς gescheit und μωρός dumm) stellt zwei einander widersprechende Begriffe in einer Wortverbindung zusammen, z. B.: lebendige Leiche (Gottschall, Mazeppa), süßer Schmerz, bittre Freude, beredtes Schweigen, schmerzlicher Genuß, erquickender Verdruß usw. Das Paradoxon (d. i. das Unerwartete) ist ein Gedanke, der mit dem, was nach dem Vorhergehenden erwartet wird, oder mit dem, was die gewöhnliche Vorstellungsweise annimmt, in Widerspruch steht, z. B.: Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, und würd’ er in Ketten geboren. Schiller. — Den Kaiser will man zum Herrn, um keinen Herrn zu haben. Schiller.
d) Die Ironie (d. i. Verstellung) sagt das Gegenteil von dem, was sie meint, z. B.: Mit der Axt hab’ ich ihm’s Bad gesegnet. Schiller. Ein Muster der Ironie ist die Rede des Antonius in Shakespeares Julius Cäsar, 3. Akt. Als Meister der Ironie zeigen sich namentlich Rabener (in seinen Satiren) und Jean Paul. — Den mit Hohn verbundenen, bitteren und tief verletzenden Spott nennt man Sarkasmus (d. i. Zerfleischung).
e) Der Euphemismus setzt für etwas Anstößiges oder Gefürchtetes das entgegengesetzte Gute. So nannten die Griechen die Erinyen Eumeniden, d. h. die Gnädigen, die Römer nannten die Todesgöttinnen Parzen, d. i. die Schonenden. Euphemismen sind auch die Umänderungen heiliger und anderer Namen in Schwüren und Ausrufungen, wodurch der Mißbrauch derselben verhüllt werden soll, z. B.: Potz Blitz! (statt: Gottes Blitz!) Potz Wetter! (statt: Gottes Wetter!) Der Tausend! (statt: der Teufel!) Potztausend! (statt: Gottes Teufel!) usw.
f) Die Litotes (d. i. Kleinheit) oder Verkleinerung besteht darin, daß ein geringerer Ausdruck gesetzt wird, als der Gedanke in Wahrheit verlangt, z. B.: Du hast deine Aufgabe nicht übel (statt: ausgezeichnet) gelöst. Du wirst nicht eben erfreut sein (statt: du wirst in große Betrübnis versetzt werden) usw.