g) Die Hyperbel (d. i. eig. Überschwang, Übertreibung) vergrößert die Dinge über die sinnliche Wahrheit hinaus, z. B.: Mein Herz ist heiß, es könnt’ ein Dolch drin schmelzen, wenn ich ihn jetzt ins Herz mir stieße. Hamerling. — Denn alle Fürstenthrone, aufeinandergestellt, bis zu den Sternen fortgebaut, erreichten nicht die Höhe, wo sie steht in ihrer Engelsmajestät. Schiller. Jungfr. v. Orl.

h) Die Onomatopöie. (Vgl. S. 18.)

17. Bedeutung der Tropen und Figuren für den Stil.

Hinsichtlich der Tropen und Figuren pflegt noch jetzt ein doppelter Irrtum zu herrschen, der nicht entschieden genug bekämpft werden kann. Einmal meint man nämlich, unsere deutsche Sprache habe die Tropen und Figuren erst der griechischen und römischen Sprache entlehnt und habe die Fähigkeit, Tropen und Figuren zu bilden, erst durch diese Sprachen erhalten. Man verwechselt hier, wie so oft, die Namen mit der Sache. Nur die Namen, die gelehrten Bezeichnungen haben wir zum Teil der griechischen und römischen Sprache entlehnt; die Sache selbst, der Drang, die Rede sinnlich anschaulich und lebendig zu gestalten, war unserem Volke von jeher eigen und ist nicht erst von außen in dasselbe verpflanzt worden. Man kann noch heute im Volke täglich Tropen und Figuren hören, von denen niemand behaupten wird, daß sie erst von den Alten entlehnt seien. Wenn eine Mutter zu dem Kinde sagt: „Du hast den Wein halb verschüttet“ (wo doch nur einige Tropfen verschüttet worden sind), oder: „Ich habe es dir schon hundertmal gesagt, aber du hörst nicht“ (wo sie es vielleicht zwei- oder dreimal gesagt hat) usw., so sind das Hyperbeln im eigentlichsten Sinne des Wortes, oder wenn jemand sagt: „Diese Frau ist die leibhaftige Güte, die reine Güte; dieser Mann ist die verkörperte Ehrlichkeit“ u. ähnl., so bedient er sich der Form der Prosopopöie ebensogut wie der, welcher sagt: „Sie ist die personifizierte Güte.“[11]

Das andere Mal ist man der Meinung, daß die Tropen und Figuren zur Ausschmückung der Rede dienten. Auch das ist nicht richtig. Sie dienen vielmehr dazu, der Rede sinnliche Kraft und Lebendigkeit zu geben, und sie dürfen daher nicht äußerlich, wie Schmuckstücke, zusammengesucht werden, sondern sie müssen mit Notwendigkeit aus der Darstellung selbst erwachsen. Man mache es sich daher zum Gesetz, niemals Tropen und Figuren anzuwenden, wo nicht innere Notwendigkeit dazu drängt. Ebenso vermeide man die Nachbildung römischer und griechischer Tropen und Figuren, vielmehr nehme man sie immer möglichst aus seiner eigenen Beobachtung und Erfahrung oder entlehne sie deutschen Vorbildern. Wer diese Vorschriften streng befolgt, der wird bald bemerken, daß sein Stil an natürlicher Kraft und Schönheit gewinnt, während er im entgegengesetzten Falle in widerwärtige Künstelei und stelzbeinige Hohlheit verfällt.

[9] Ich entnehme diesen Ausdruck Wackernagel, der zuerst die Metonymie mit größerer Klarheit dargestellt hat, als es gewöhnlich geschieht.

[10] Eine gute Nachbildung des griechischen Originals, in dem der Begriff τήκειν, schmelzen, in den Formen τήκειο, κατατήκετο, κατέτηξεν, τηκόμενος, τήκετο wiederkehrt.

[11] Es sei hier auf Rudolf Hildebrands ausgezeichnete Schrift: „Vom deutschen Sprachunterricht in der Schule und von deutscher Erziehung und Bildung überhaupt“, 7. Aufl., S. 103 flgg., 122 verwiesen, die zahlreiche Beispiele dieser Art behandelt.

C. Stilistik des einfachen Satzes.

18. Wortbildung.