b) Einige unpersönliche oder unpersönlich gebrauchte Verben haben einen Akkusativ der Person (zuweilen auch einen Akkusativ der Sache) bei sich, z. B.: es hungert mich, oder mich hungert, dürstet, friert, verlangt, gelüstet u. a. Hierher gehören Wendungen wie: es gibt einen schweren Kampf, es gilt schnellen Rat, es hagelt todbringende Geschosse, es regnet Steine u. a. — Verwandt sind Konstruktionen, in denen irgendeine Sache, die auch durch die Pronomina das oder es ausgedrückt sein kann, Subjekt ist, während die Person in den Akkusativ tritt, z. B.: Diese Angelegenheit verdrießt mich, oder: das verdrießt mich, es wundert, ärgert, freut, betrübt, jammert mich usw. Wie jammert mich das edle Herz! Goethe.
c) Das Reflexivpronomen steht bei den meisten reflexiven Verben im Akkusativ, z. B.: ich wundere mich, schäme mich, erinnere mich, sehne mich, erbarme mich, fürchte mich usw.
d) Einige Verben werden mit einem doppelten Akkusativ verbunden, und zwar 1. mit zwei Objektsakkusativen:
lehren[27], z. B.: Wer lehrte dich diese gewaltigen Worte? Lessing. — Und lehr’ du mich mit Fleiß und Acht, wie man die guten Schwerter macht. Uhland. — Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen. Luther. — Du willst Wahres mich lehren. Schiller. — Statt der passiven Form von lehren gebraucht man in den Fällen, in welchen die Person mit genannt wird, die in einer Sache unterwiesen wird, am besten andere entsprechende Wendungen, wie: „Ich werde in einer Sache unterrichtet, unterwiesen, ich lerne eine Sache.“ Will man aber doch die passive Form von lehren anwenden, so ist der Ausdrucksweise: „Ich werde etwas gelehrt“[28] der Vorzug zu geben vor der Wendung: „Mir wird etwas gelehrt.“ Das Schlimmste, was uns widerfährt, das werden wir vom Tag gelehrt. Goethe. — Zu tadeln ist die Konstruktion: „Mich wird etwas gelehrt“ (statt: Ich werde etwas gelehrt), die sich auch bei einzelnen Schriftstellern findet.
fragen: Der doppelte Akkusativ steht nur dann, wenn die Sache, nach der jemand fragt, durch ein Pronomen oder unbestimmtes Zahlwort ausgedrückt wird, sonst wird das sachliche Objekt durch die Präposition nach angeknüpft, z. B.: er fragte mich etwas, das fragst du mich? er fragte mich vieles, eins frage ich dich. Ihr habt mich nichts zu fragen, Thekla? Schiller. Dagegen: Er fragte mich nach meinem Berufe, er fragte ihn nach seiner Herkunft. — Bei der passiven Form gebraucht man die Konstruktion: Er wurde etwas oder nach etwas gefragt. Er wurde nach seiner Herkunft gefragt. Das bin ich nicht gefragt worden. — Auch bei bitten kann ein doppelter Akkusativ stehen, wenn die Sache, um die man bittet, durch ein Pronomen oder unbestimmtes Zahlwort ausgedrückt ist, z. B.: Das bitte ich dich, eins bitte ich dich u. ähnl. Sonst aber bedient man sich bei bitten der Präposition um, z. B.: Die Feinde baten ihn um Frieden.
2. mit einem Objektsakkusativ und einem prädikativen Akkusativ:
nennen, heißen, schelten, schimpfen, taufen, z. B.: Man nannte, hieß ihn den Wohltäter des Volkes; man schimpfte, schalt ihn einen Verräter; man taufte den Knaben Karl. Man nennt mich hier Don Philipps Sohn. Schiller. — Bei der Umwandlung in die passive Form treten beide Akkusative in den Nominativ, z. B.: Er wurde der Wohltäter des Volkes genannt usw.
Anmerkung 1. Bei den Verben lehren, nennen, heißen steht an Stelle des zweiten objektiven oder prädikativen Akkusativs oft auch ein Infinitiv, z. B.: Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen. Goethe. Das nennst du Wort halten. Er lehrt mich schreiben. — Ebenso werden die Verben machen, hören, sehen, finden, fühlen oft mit einem Akkusativ oder einem Infinitiv verbunden, z. B.: Der Kasus macht mich lachen. Goethe. Noch keinen sah ich fröhlich enden. Schiller. Ich hörte ihn kommen, ich fand ihn vor der Tür sitzen, er fühlte die Gefahr herannahen usw. Bei den letztgenannten fünf Verben steht der Infinitiv an Stelle des ersten Partizips, das daher zuweilen mit dem Infinitiv wechselt, z. B.: Ich fand ihn schlafend u. ähnl. — Die Stelle des zweiten (prädikativen) Akkusativs nimmt oft auch ein Adjektiv ein, z. B.: Man schalt ihn töricht, man nannte ihn weise, wir preisen dich glücklich u. a. — Häufig wird auch der prädikative Akkusativ durch eine Konstruktion mit als ersetzt, z. B.: Sie priesen ihn als ihren Befreier. Man bezeichnete ihn als den Wohltäter des Volkes. Ich achte ihn als treuen Ratgeber usw.
Anmerkung 2. Über lassen, heißen, sehen, hören usw. in Verbindung mit transitiven Verben s. Teil I, S. 186 Anm. 1. — Wenn der Akkusativ von dem Infinitiv regiert wird, erhält dieser passive Bedeutung. Der Satz: „Er ließ mich tragen“ kann einen doppelten Sinn haben, entweder bedeutet er: „Er befahl, daß ich etwas trage“ oder: „Er befahl, daß ich getragen werde.“ Im letzten Falle hängt der Akkusativ mich von dem Infinitiv tragen ab, und der Infinitiv hat daher passive Bedeutung. Er ließ ein Glas Wasser holen, d. i. er befahl, daß ein Glas Wasser geholt werde; ich hörte dich preisen, d. i. ich hörte, daß du gepriesen wurdest usw.
Anmerkung 3. Seit dem vorigen Jahrhundert findet sich in unserer Sprache das Verbum heißen nicht selten mit dem Dativ und Infinitiv (in aktiver Bedeutung) verbunden. Diese Konstruktion ist als fehlerhaft zu vermeiden, man muß also sagen: „Wer hat dich das tun heißen?“ nicht: „Wer hat dir das tun heißen?“ — Der Dativ ist nur gestattet, wenn er von dem Infinitiv abhängig ist, und der Infinitiv hat dann immer passive Bedeutung, z. B.: Er hieß mir ein Glas Wasser bringen, d. h.: Er befahl, daß mir ein Glas Wasser gebracht werde. Dagegen: Er hieß mich ein Glas Wasser bringen = Er befahl, daß ich ein Glas Wasser bringe. — In derselben Weise unterscheidet man bei lassen: „Er ließ mir ein Glas Wasser bringen“, und: „Er ließ mich ein Glas Wasser bringen.“ Oder: „Laß ihn nichts merken!“ heißt: „Bewirke, daß er nichts merkt.“ „Laß dir nichts merken!“ dagegen heißt: Bewirke, daß dir nichts angemerkt wird.