2. Verben, die den Dativ regieren.

a) Den Dativ regieren die intransitiven Verben: einem ähneln, danken, dienen, drohen, fehlen, fluchen, folgen, frönen, frommen, gleichen, glücken, helfen, huldigen, mangeln, nahen, nützen, passen, schaden, scheinen, schmecken, schmeicheln, steuern, trauen, trotzen, wehren, weichen, winken, ziemen, zürnen u. a. Auch viele zusammengesetzte Intransitiva werden mit dem Dativ verbunden: einem abgehen, abhelfen, abraten, anhängen, anliegen, auffallen, auflauern, aufpassen, aufwarten, aushelfen, ausweichen, beifallen, beikommen, beipflichten, beispringen, beistehen, beistimmen, einfallen, einleuchten, entgegengehen, nachdenken, nacheifern, nachfolgen, nachgeben, nachgehen, nachsehen, nachstehen, nachstellen, vorarbeiten, vorbeugen, vorgehen, vorkommen, vorstehen, widerfahren, widersprechen, widerstehen, zufallen, zufließen, zugehören, zuhören, zukommen, zusehen, zustehen, zutrinken, zuwinken usw. Ferner: gebühren, gebrechen, gefallen, gehören, gehorchen, gelingen, gereichen, mißfallen, mißglücken, mißlingen, mißtrauen, begegnen, behagen, bekommen, erliegen, erscheinen, verfallen, entfahren, entfallen, entfliehen, entgehen, entkommen, entlaufen, entrinnen, entsagen, entsprechen, entspringen, entwachsen, entweichen, entwischen u. a.

b) Viele transitive Verben können neben dem Akkusativ der Sache einen Dativ der Person bei sich haben, z. B.: einem etwas borgen, bringen, geben, glauben, gönnen, klagen, weigern, weihen, widmen, zeigen u. a. (Vgl. S. 73.)

c) Einige unpersönliche und unpersönlich gebrauchte Verben nehmen den Dativ zu sich, z. B.: es graut mir, es fehlt, gebricht oder mangelt mir an etwas, mir ist daran gelegen oder liegt daran, es schaudert mir, es ahnt, scheint, beliebt, bangt, bekommt mir usw. Hierher gehören auch die Redewendungen wie: Mir geht es gut, mir ist übel zumute, mir wird bange, wohl, weh usw.

d) Einige zusammengesetzte Ausdrücke, welche an Stelle eines einfachen Verbums stehen, regieren den Dativ, z. B.: einem zu Hilfe kommen, einem Hohn sprechen, einem zuteil werden, einem kund tun, einem Schaden tun usw.

e) Einige reflexive Verben haben das Reflexivpronomen im Dativ[29] bei sich, z. B.: ich bilde mir ein, ich maße mir an, ich nehme mir vor, ich verbitte mir, ich bitte mir aus, ich getraue mir, ich stelle mir vor, wage mir, gebe mir Mühe usw.

f) Der Dativ vertritt oft die Stelle eines Possessivpronomens oder eines possessiven Genitivs, z. B.: Er lag ihm zu Füßen (statt: zu seinen Füßen). Er warf sich mir in die Arme (statt: in meine Arme). Das Wasser netzt ihm den (statt: seinen) nackten Fuß. Goethe. Dem Freunde zittert die Hand = Die Hand des Freundes zittert. (Vgl. S. 73.)

g) Zuweilen kann das Dativobjekt auch durch eine präpositionale Wendung umschrieben werden, z. B.: ich schreibe dir oder an dich, ich gebe dieser Familie oder an diese Familie Geld, ich zahle, schenke, gebe dieser Gesellschaft oder an diese Gesellschaft eine Summe, ich habe ihm oder an ihn Geld geliehen usw. Der Dativ hebt immer die unmittelbare persönliche Beziehung hervor, während die präpositionale Umschreibung nur ein Richtungsverhältnis angibt und eine entferntere, bloß mittelbare Beziehung andeutet. Zuweilen jedoch werden dadurch noch weiter gehende Unterschiede der Bedeutung bezeichnet, z. B.: ich verrate dir etwas oder: ich verrate an dich etwas. Die zweite Wendung schließt immer die bewußte Absicht des Auslieferns oder Überlieferns mit ein, während die erste Wendung auch dann gebraucht werden kann, wenn das Verraten unabsichtlich geschieht. Er hat mich an meine Feinde verraten. Durch seine Unbedachtsamkeit hat er meinen Feinden alles verraten.

Anmerkung 1. Um die persönliche Teilnahme an einem Ereignis mit besonderer Lebendigkeit hervorzuheben, fügt man oft den Dativ eines persönlichen Fürwortes in einen Satz ein, z. B.: Das war dir eine Pracht. — Das waren mir selige Tage! — Es sind Euch gar trotzige Kameraden. Schiller, u. ähnl. Man nennt diesen Dativ den ethischen Dativ. — Der Dativ steht ferner oft statt der Präposition für mit dem Akkusativ, z. B.: Wie herrlich leuchtet mir die Natur (d. i. für mich). Goethe. Die Uhr schlägt keinem Glücklichen. Was Thukydides für Hellas, Tacitus für Rom, das war er (Joh. v. Müller) seinem Vaterlande. König Ludwig von Bayern. Dieser Dativ heißt der Dativus commodi.

Anmerkung 2. In dichterischer Sprache steht der Dativ oft da, wo in Prosa eine präpositionale Wendung gebraucht wird, z. B.: Nie hab’ ich dem Tod gezittert (statt: vor dem Tod). Grillparzer. Ich will lachen seinem Wüten (statt: über sein Wüten). Derselbe.