Ich wußte sofort, daß ich vergiftet worden sei, doch womit? Welche Wirkungen würde das Gift noch auslösen? Würde ich sterben oder nur gelähmt bleiben? Was war schlimmer? Welche Schmerzen standen mir noch bevor? Vor der Hand spürte ich nur immer stärker werdende Krämpfe im Leibe. Doch ich vermochte mich weder zu rühren noch einen Laut hervorzubringen. Wie ein Klotz lag ich auf dem Boden, inmitten der Stühle und Tische, ebenso leblos wie sie. Aber in meinem Gehirn jagten sich die Gedanken.
Endlich kommt mein Kammerdiener, der zum Umkleiden auf mich gewartet hatte und über mein Ausbleiben erstaunt war. Man bringt mich zu Bett und flößt mir sofort eine halbe Flasche Kognak ein, was die Schmerzen linderte und mir einen betäubten Schlaf verschaffte. Endlich erscheint der Staats-Doktor von Kapurthala. Er diagnosierte sehr vorsichtig, daß wohl manches auf eine Vergiftung hindeute, aber ebensowenig sei eine Nierenerkrankung ausgeschlossen, da mein Fall gewisse, dem Schwarzwasserfieber ähnliche Erscheinungen zeigte. Die Brechmittel, die er trotzdem verschrieb, blieben ohne Wirkung.
Doch ich kam mit dem Schrecken davon. Meine außerordentlich kräftige Natur, der Kognak und — die übergroße Vorsicht meiner Feinde retteten mir das Leben.
Wie sich später herausstellte, mußte man mich mit Dastura[6] vergiftet, aber die Dosis so stark gewählt haben, daß sie als Gegengift zu wirken begann. Zehn Tage lag ich zwischen Tod und Leben. Der Maharadscha erkundigte sich täglich sehr bewegt um mein Befinden. Doch die Rani Umedi ließ sich nicht blicken, noch auch etwas von sich hören.
Als ich besser war, war meine Geduld zu Ende. Ich zögerte nicht länger und gab Dschagatdschit Singh die Erklärung der Unglücksfälle und des Anschlages auf mich. Obgleich er jetzt ganz in der Hand der Gitana war, mußte er mir doch recht geben, daß ich unmöglich länger in seinen Diensten bleiben könne. Er bewilligte meine Entlassung und setzte mir eine Pension aus seiner Privatschatulle aus.
Ich aber beeilte mich, Indien zu verlassen, wo ich zwanzig Jahre meines Lebens in engster Berührung mit zwei der bedeutendsten Fürsten dieses Landes verbracht hatte: der eine arbeitsam, wissensdurstig, allem Geistigen zugetan, der andere gutmütig, schwach allem Sinnlichen erliegend — und keiner von beiden Sproß eines alten Fürstengeschlechts, sondern Kind des niederen Volkes, hervorgegangen aus den wimmelnden Millionen Indiens —, durch eine sonderbare Laune des Schicksals über ihresgleichen zu ungeheurem Reichtum und fast unbeschränkter Macht emporgehoben.
VII.
Anglo-Indisches
Meine Stellung sowohl in Baroda als in Kapurthala als oberster Aufsichtsbeamter der fürstlichen Paläste brachte es mit sich, daß mir ebenfalls die Obhut der Marställe und Gestüte, sowie der für die vielen an den Höfen gehaltenen, zur Jagd abgerichteten Tiere oblag. Damit verbunden war es meine Aufgabe, die großen Jagdveranstaltungen der Fürsten vorzubereiten und zu leiten. Das gleiche galt für die Rennpferde, deren Ankauf oder Aufzucht und Pflege, sowie Training ich zu überwachen hatte.