Er beschloß daher, nach einem billigeren Mittel zu suchen, das denselben Zweck zu erfüllen geeignet sei. So kam er auf den Gedanken, den Kapurthala-Hausorden zu stiften. Wenn man eine größere Menge davon einer leistungsfähigen Fabrik zur Anfertigung in Auftrag gab, mußte dies nicht unbedeutende Ersparnisse bringen. Und die Ehrung des Empfängers, von der erlauchten Hand eines leibhaftigen indischen Herrschers die Auszeichnung angeheftet oder um den Hals gehängt zu erhalten, war in Geldwerten überhaupt nicht auszudrücken.
Es wurde also eine Stufenfolge des Kapurthala-Hausordens in vier Klassen geschaffen:
Erstens das Großkreuz, für den Maharadscha und seine Nachfolger oder besonders erhabene Mitglieder seiner Familie;
dann das Offizierskreuz I. Klasse, für leibhaftige Prinzen und ähnliche hohe Standespersonen;
weiter dasselbe, aber II. Klasse, für höhere Beamte und Offiziere, und schließlich:
das Ritterkreuz, für Hoflieferanten, Hoteldirektoren, Oberkellner, Lakaien und für die Soldaten des Kapurthala-Regiments.
Und der Gedanke des Fürsten war wirklich ausgezeichnet. So lächerlich die menschliche Natur auch oft erscheint, sie bleibt sich überall gleich. Sobald bekannt wurde, daß Seine Hoheit der Maharadscha Orden verteile, nahm die Gewissenhaftigkeit in der Bedienung, von manchem Hoteldirektor an bis zum Liftjungen, zusehends zu. In ihren Augen war erst jetzt der Maharadscha ein wirklicher Fürst. Nach vier oder sechs Wochen Aufenthalt zog Dschagatdschit Singh jetzt eine Handvoll von Ritterkreuzen aus der Tasche, statt der früher notwendigen teuren Brillantnadeln, goldenen Uhren und Zigarettendosen. Es kam dies ganz bedeutend billiger und hatte außerdem noch den erwähnten Vorteil besserer Bedienung.
Nur den indischen Staatsbeamten in Kapurthala war der Orden weniger angenehm. Sie zogen solide, recht massive Geschenke bei weitem dem allerdings höchst dekorativ wirkenden Bande des Kapurthala-Hausordens, in den Staatsfarben blau-weiß, vor. Doch gerade für indische Verhältnisse schien dem Fürsten die Ordensauszeichnung ganz besonders praktisch.
Geschenke in Indien zu geben, ist ein recht undankbares Unternehmen. Wenn einem der Staatsminister ein Pferd als Zeichen der fürstlichen Huld und Anerkennung übersandt wird[11], so beeilt sich der Empfänger, seinen Dankesbesuch abzustatten und dabei dann recht klar und deutlich darauf hinzuweisen, daß zunächst ein solches Tier die unangenehme Eigenschaft habe, zu fressen, ja daß es ohne die entsprechende Nahrung überhaupt nicht zu viel nütze sei. Daher müsse er doch den Maharadscha bitten, auch seinen Gehalt entsprechend zu erhöhen, damit der Empfänger für den Unterhalt des herrlichen Tieres sorgen könne.
War nun dieses Anliegen zur Zufriedenheit des Beschenkten erledigt, wobei natürlich die Gehaltsaufbesserung ausreichend sein mußte, um wenigstens zehn Pferde bis zur Erreichung des Schlachtgewichtes eines Ochsen füttern zu können, so wurde die Frage aufgeworfen, wie es wohl möglich sei, das edle Roß ohne Sattel und Zaumzeug zu reiten? Der Empfänger sei der Annahme, daß der Maharadscha Wert darauf lege, durch die Vorführung des geschenkten Pferdes in den Straßen Kapurthalas die Bevölkerung seiner Haupt- und Residenzstadt von seiner Großmut in der Belohnung geleisteter Dienste zu überzeugen.