Man vertraute endlich, mit Zustimmung des Nisam, die Prüfung der Angelegenheit einer Kommission an, die ihn mit 23 Lakh gut bezahlt fand, also etwas weniger als die Hälfte des dem gerissenen Jakob bewilligten Kaufpreises. Das englische Syndikat jedoch ließ sich nicht darauf ein, sondern brachte die Sache vor Gericht, wo es aber zum Schluß abgewiesen wurde.

Die Aussagen des Nisam mußten in seinem Palast angehört werden, da er sich weigerte, vor Gericht zu erscheinen. Er empfand es als Erniedrigung, daß er nun für weniger als die Hälfte des verlangten und von ihm selbst zugesagten Preises in den Besitz des Diamanten gelangen sollte, so daß er nichts mehr von ihm oder der ganzen Sache wissen wollte.

Der Stein blieb viele Jahre hindurch bis zum Tode des Nisam in der Bank von Kalkutta in Verwahrung.

Der Kammerdiener Abid wollte nach dieser unangenehmen Angelegenheit — hatte er doch seinen Stammesgenossen eingeführt — nicht länger im Dienste bleiben. Er kam um seine Entlassung ein, denn während der zehn Jahre, die er beim Nisam war, hatte er es zum Millionär gebracht. Er kaufte ein großes Landgut in England und lebte dort mit seiner Familie von seinen Renten und der reichlichen Pension des Nisam.

Ob durch das Vorgehen des Sirkar der Not in Haiderabad wirklich gesteuert wurde, ist mehr als fraglich, wenn man allein die Kosten des Riesenprozesses in Rechnung zieht. Für Jakob aber bedeutete der Prozeß-Ausgang den vollständigen Ruin. Nicht zum wenigsten hatte er aber sein Unglück eigener Unvorsichtigkeit und seinem Übermut zu verdanken.

Der Sirkar Abdul Hugh, der Minister des Innern in Haiderabad, wurde auf Drängen des britischen Residenten zur Demission gezwungen, weil er nachweislich seine Hände in dem unsauberen Geschäft gehabt hatte. Der Sturz kränkte ihn so sehr, daß er bald darauf in der Verbannung starb.

Jakob von Simla

Der Armenier Jakob, der in Indien als „Jacob of Simla“ allgemein bekannt wurde, war ein häßlicher Troll mit pockennarbigem Gesicht und alles andere als anziehend. Vielleicht hat seine mysteriöse und suggestive Art zu sprechen ihm seine allerdings nur kurzen Erfolge gebracht, obgleich ein einigermaßen normaler Mensch seinen Phantastereien keinen Glauben schenken konnte. Er war eben ein Armenier, Angehöriger einer Rasse, von der man in Indien sagt, daß ihr, wenn sie wegen Geschäften oder in Kriegen auf der Bildfläche erscheint, weder ein „Bania“ (indischer Wucherer) noch ein Jude, noch ein Grieche gewachsen sei. Leider hat sich dieses indische Wort bei Jakob nicht so recht bewährt, weder hinsichtlich des „Imperial Diamants“, noch in einem Geschäft mit dem Maharadscha von Kapurthala. In beiden Fällen erlitt das Prestige der Gerissenheit der armenischen Handelsleute einen schweren Stoß. Dort ohne „Bania“, Juden oder Griechen, einfach durch die kluge Diplomatie eines englischen Beamten, hier durch die Gewissenhaftigkeit eines Deutschen.

Das Geschäft, das Jakob in Kapurthala vorschlug, war, daß der Maharadscha ihm sein letztes Besitztum, ein Landhaus in Simla, abkaufen sollte. Jakob setzte alles auf diese Karte. Sonst hatte er kein Vermögen mehr, und selbst das Haus in Simla war nicht hypothekenfrei. Er kam zum Maharadscha, um eine neue Anleihe darauf aufzunehmen, und wußte ihm mit Worten so zuzusetzen und ihn sogleich so gut am rechten Fleck zu fassen, daß er — abergläubisch, wie nun indische Fürsten einmal sind — sich gleich für den Kauf des Hauses zu interessieren begann.

Schon glaubte Jakob sich gerettet, besonders wenn er unserem Finanzminister noch ein gehöriges Trinkgeld zukommen ließ. Bei Gelegenheit eines Besuches vergaß er daher eine Tausendrupiennote bei ihm, alles, was er eben flüssig machen konnte, und versprach außerdem eine weitere ansehnliche Provision nach Kaufabschluß.