„Freund! Du hast dich gut bewährt. Du sollst dafür belohnt werden“, und wollte ihm seine Tochter zur Frau geben.
Er gab auch wirklich den Befehl, die Hochzeit zu richten. Die Maharani und die Mutter des Mädchens beschworen aber den britischen Residenten, einen solchen Übergriff des Holkar zu verhindern, und nur durch dessen Hilfe scheiterte das sonderbare Vorhaben, das erst im Lichte der indischen Kastenbegriffe seine ganze Tragik für das bedrohte Mädchen erkennen läßt.
Als ihm die Bevormundung durch den englischen Residenten zu arg wurde, wollte er sich kurzerhand bei der Königin Victoria beschweren. Mit seinem Gefolge schiffte er sich in Bombay ein. Aber bald nach dem Auslaufen überfiel ihn die Seekrankheit. Er verlor die Lust an der Reise und befahl dem Kapitän des Dampfers, umzukehren, damit er wieder in Bombay an Land käme.
Als er zur Antwort erhielt, daß das Schiff ein königlicher Postdampfer sei und nur die Königin allein die Berechtigung habe, seinen Kurs zu ändern, wurde er so aufgebracht, daß er in Aden die Reise abbrach, um mit dem nächsten Dampfer nach Indien zurückzukehren. Er hätte dem britischen Sirkar keinen größeren Gefallen erweisen können!
Der Vater dieses Maharadscha dagegen war ein sehr einsichtiger Mann gewesen, der für die Zeiten einer Hungersnot einen recht bedeutenden Betrag in den Gewölben eines Bergschlosses hatte verschließen lassen. Vor seinem Tode hatte er den Schlüssel dazu dem britischen Residenten ausgehändigt.
Der Holkar dachte nun, dieses Geld nützlicher für seine eigenen Zwecke verwenden zu können und ließ sich einen Nachschlüssel machen.
Als der Resident dies erfuhr, bemühte er sich weiter nicht, den Holkar von seinem Vorhaben abzubringen, sondern ließ in der Nacht vor dem kritischen Tage in das Gewölbe einen offenen Korb mit Kobraschlangen stellen. Er wußte, daß er damit für alle Zeit dem Maharadscha die Lust an dem Besuch verleiden würde. Kaum hatte der Holkar die gewaltige Tür der Schatzkammer geöffnet, als der Schein der Laternen auf den Knäuel Schlangen fiel, die sich zischend dem Eintretenden entgegenreckten. Erschreckt räumte der Holkar eiligst das Feld.
Es war eine große Erleichterung für den Sirkar, als nach erzwungener Abdankung der Holkar bald darauf starb und in Ermanglung eines Sohnes ein geeigneter Nachfolger aus der Verwandtschaft eingesetzt werden konnte.
Barbiere in Indien
Wenn der Maharadscha Holkar von Indore seine Tochter in einem plötzlichen Einfall einem Diener seines Haushaltes zur Frau geben wollte, so griff dies vor allem auch in die Obliegenheiten einer in Indien besonders wichtigen Klasse von Menschen ein, nämlich der der Barbiere.