„Ich begann, auf meiner Veranda sitzend, die Affen mit Brot zu füttern.“
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GRÖSSERES BILD
Aus manchen Schilderungen in Kiplings Werken, der unstreitig der am meisten gelesene Schriftsteller über Indien in der angelsächsischen Welt ist und der jahrelang als Leiter der Zeitschrift „Pioneer“ dort gelebt hat, könnte man schließen, daß der Inder ein außergewöhnlich kluger Diplomat und Politiker sei. Ich kann jedoch nach meiner langen Erfahrung dies nicht unterschreiben, trotzdem ich den Inder vom Maharadscha bis zum Bauern kennengelernt habe, und in der Landessprache, wenigstens des Nordens, mit ihnen verkehrte. Statt der klugen und geschickten Politiker habe ich nie etwas anderes gefunden, als verschlagene und arglistige Schlauköpfe, denen jeder Weitblick fehlte.
Der Holkar von Indore
Einer der Fürsten, die in der rücksichtslosesten Ausbeutung ihrer Untertanen vorbildlich waren, ist der bis 1900 regierende Maharattenfürst, der Holkar von Indore, einer der bedeutendsten Staaten Zentralindiens, gewesen.
Bei einem persönlichen Besuch bei ihm habe ich sein exzentrisches Wesen selbst beobachten können, und von glaubwürdiger Seite habe ich manche seiner erstaunlichen Tollheiten zu hören bekommen. Er war von seiner eigenen Erhabenheit so eingenommen, daß es sehr schwer fiel, sich ihm überhaupt zu nähern. Nur weil ich aus einem anderen indischen Staate kam, ließ er sich zu einer Audienz von wenigen Minuten für mich herbei.
Indore war damals um vieler Dinge willen ein Schmerzenskind des britischen Sirkar. Das Mißtrauen kam schon darin zum Ausdruck, daß man in der Stadt Mhow, einige englische Meilen von Indore entfernt, stets ein sehr starkes Kontingent englischer Truppen hielt. Dies war auch nicht unnötig, da der britische Resident den Holkar hin und wieder sehr scharf zurechtweisen mußte.
Als einer seiner Leibköche einmal den Reis nicht genügend weich gekocht hatte, befahl er, ihn selbst abzubrühen, wobei der Unglückliche gänzlich abgekocht wurde. Anstatt nun den Leichnam im geheimen zu verbrennen, warfen ihn die Bediensteten, wahrscheinlich um das Geld für das Holz in die eigene Tasche stecken zu können, in den Fluß „Nerbuda“, der die Stadt durchfließt. Unterhalb Indore, in Dhar, einem anderen Maharattenstaate, dessen Fürst aber in Grenzstreitigkeiten mit dem Holkar lag, wurde die Leiche gelandet und nach der Herkunft geforscht. Der Fall kam der britischen Behörde zu einer Maßregelung des Holkar sehr gelegen, denn es war nicht schwer gewesen, den Zusammenhang festzustellen.
Ein anderes Mal geriet der Holkar über einen seiner Palastdiener so in Zorn, daß er ihn mit einem eisernen Ring an eine Hundehütte schmieden ließ. Der Diener fügte sich der fürstlichen Laune und benahm sich, wenn er des Holkar gewahr wurde, wie ein Hund.
Vielleicht hat dies den Holkar einen Schimmer von Reue empfinden lassen. Denn als er einige Tage später von dem Angeketteten mit heftigem Bellen begrüßt wurde, gab er den Befehl zu seiner Befreiung, ließ ihn vor sich kommen und sagte: