Im Jahr 1708 den 19 Julii erblickte ich zuerst das Licht dieser Welt, auf einer kleinen Insul Amrom genannt, so in der West-See liegt, und zum Stifte Ripen in Jütland gehöret. Wie meine Landes-Leute ihre Nahrung von der See haben, so bin ich auch in Zeiten, von meinem zwölfften Jahre an, beflissen gewesen, dereinst einen tüchtigen See-Mann abzugeben; Ich habe bis ins dritte Jahr eine und andere Reise gethan, da ich zugleich mit dreyen meiner Landes-Leute, Richard Flor, Jens Nikelsen und Hark Nikelsen, Jürgen Oksen von Föhr, und dreyen vom Elbstrom, mich bey der Stelle im Canal, so Sordels genannt wird, den 10 Martii 1724 von einem türckischen Caper muste gefangen nehmen und nach Algier schleppen lassen. Ich wurde auf dem Marckte für 1000 Cartuches, oder 1000 Marck Lüb. verkauft, den Tag aber hernach überließ mich mein Kauffmann an einen andern mit 100 Cartuchers Profit. Bey diesem Herrn war ich ohngefehr 14 Tage, und war meine Arbeit, eins und das andere im Garten zu bestellen, ingleichen Maulbeer-Blätter für meines Patrons Seiden-Würmer einzusammlen, und hiernächst Wasser zu tragen und das Hauß rein zu halten. Indem aber der Constantinische Bey, mit Nahmen Assin, seinen Commißionair zu Algier hatte, Sclaven einzukauffen, bekam er Lust zu mir, und mein Patron überließ mich ihm für 450 Stück von Achten. Dieser Bey Assin kan wie ein kleiner König angesehen werden, dessen Haupt-Stadt Constantine, eine ansehnliche Stadt und Vestung ist, und nach meiner Muthmaßung 12 Tage-Reisen oder 60 Meilen von Algier gegen Süden liegt. So viel ich weiß, stand er auf keine Weise unter dem Groß-Sultan, sondern er war Souverain in seinem Lande; er war, wie ich in seine Dienste trat, schon ein Herr von hohem Alter, hitzigen Kopfs und gesunder Complexion; er war beherzt und hatte eine gute Kriegs-Erfahrung, indem er vorher, und stets bey meiner Zeit, mit seiner Armee zu Felde lag, und zum öftern mit seinen Nachbaren Streitigkeiten hatte. Einen Monat hielte er sich zum wenigsten in jedem Jahr zu Constantine auf. Er hatte zwey Weiber, so von mehr als 40 Bedienten Männern und Weibern, unter welchen 4 Verschnittene zu Cammerdienern bestellet waren, aufgewartet wurden. Er selbst ließ sich, von 30 bis 40 Laquaien, wovon die Hälffte Renegaten, und hernach mit den besten Bedienungen im Lande abgefunden wurden, bedienen.

Ich muß hier, ehe ich weiter gehe, mit wenigen Worten etwas von den Eigenschaften des Landes, hiernächst der Nation und endlich von meinem eigenen Schicksal melden. Das Land ist voller Klippen, wovon einige so hoch, daß sie stets mit Schnee bedeckt sind, obschon das Land unten an denen Klippen so heiß ist, daß wann die Cameelen hievon im Anfang gantze Trachten herunter brachten, doch der Schnee meistens, bis auf kleine Klumpen zerschmoltzen, ehe sie am Fuß der Klippen gekommen. Sonst ist das Land sehr fruchtbar, und trägt allerley Korn, Trauben, Mandeln, Datteln, Feigen, Granat-Aepffel, Wasser-Limonien &c: doch mit dem Unterscheide, daß die eine Provintz besser in einem, und eine andere in anderen Dingen ist, und müssen beständig von allen Städten Lieferungen geschehen zum Lager, wo der König sich mit seinen Königinnen aufhält. Es wird sehr feine Wolle, wie auch Wachs und Honig aus dem Lande verführt, verschiedener Apothecker-Waaren, rarer Felle von Löwen, Tygern und dergleichen zu geschweigen. Ob andere Metallen als Bley ausgegraben werden, weiß ich nicht. Für diejenigen, so im Lande gebohren, muß die Luft sehr gesund seyn, indem es nichts ungewöhnliches, daselbst Leute zu sehen von 100 und 120 Jahren und darüber. Man bemercket dann und wann Erdbeben und viel Gewitter, sonderlich im Sommer. Ausser freßigen wilden Thieren, als Löwen, Tygern und dergleichen, welche oft Menschen angreiffen, haben die Einwohner viele Plage von unterschiedenen Arten giftiger Schlangen, doch am meisten von Scorpionen, so in gewissen Gegenden in solcher Menge gefunden werden, daß man kaum einen Stein von der Erde aufheben kan, worunter nicht ein oder zweene liegen sollten. Hiezu kommen auch die verdrießliche Mücken und Fliegen, welche die Schlafenden sehr verunruhigen.

Das Land wird von Türcken und Mohren, welche letztere beydes weiß und schwartz fallen, bewohnt: Ihre Sprache ist von der Türckischen unterschieden, und nennen sie solche Arabisch, aber beede Nationen, so unter der Herrschafft vorgemeldten Beys gehören, werden mit einem Nahmen Schirck genannt, welcher so viel sagen will, als das Volck, so gegen Süden wohnet. In der Religion, sind die Mohren nicht viel von den Türcken, ausgenommen etwas in den Ceremonien, unterschieden. Ich muß auch den Türcken überhaupt den Ruhm geben, daß sie aufrichtiger als die Mohren, also daß, was den Umgang betrifft, unter den Türcken insgemein eben so viele Ehrlichkeit, als unter uns Christen, angetroffen werde. In ihrer falschen Religion sind sie eifrig, und soll kaum jemand gefunden werden, der vorsetzlich wider die Dinge handeln sollte, welche sie für die Pflicht eines Mahometaners halten. Sobald der Tag grauet, wird von einem Thurm oder anderem erhabenen Orte, von dem der hierzu bestellet, wann er einen Finger in jedes Ohr gestecket, geruffen: Eschet velej elej lala. Eschet enne Mahammet arasu lala ella velun Zelleth, ala hoat warth, ala hoat warth. Hierauf steht jedermann auf, und nachdem sie die Hände bis an die Ellenbogen und die Füsse bis an die Enckel gewaschen, den Mund und die Nase gereiniget, und zugleich mit der verkehrten Hand das Angesicht und hinter den Ohren gestrichen, wird ihr gewöhnliches Gebet, so 5 mal des Tages, und zum ersten mal vor Aufgang der Sonne verrichtet wird, gehalten. Die Worte lauten in der Arabischen Sprache also: Al ham dilola Robbi laïro min rachmana rachim mänik jumidin, jäken abeddo, jäken estohiim tokino soratin lädino en en dalohiim al ham dilolah robbi läiro mìn. Sie stehn in den Gedancken, daß nicht leicht ein Türcke verdammt werde. Von Christo, den sie Eisa und die Jungfer Maria, so sie Lella Maria nennen, reden sie mit Ehrerbietigkeit, von dem Teufel aber, als von einem solchen, der böses thut. Ihre Beschneidung wird zuerst in dem vierten, fünften, ja sechsten Jahr vorgenommen. Schweinefleisch essen sie nicht, auch trinckt kein Mahometaner Wein oder anderes starckes Geträncke, sondern an deren Stelle entweder Wasser oder Schorbet, welches ein Wasser, das mit Rosinen gekocht ist, und auf unterschiedliche Art kan zubereitet werden. Ihre Fast-Tage, Ramadam genannt, werden jedes Jahr einen gantzen Monat gehalten, da man des Tages über nichts genießt, hingegen des Nachts ißt und trincket. In den letzten Jahren kunte mein Patron nicht vertragen zu fasten, sondern aß heimlich ein wenig. Ihre Todten werden in Leinewand gewickelt und also in die Erde gelegt. Die Mohren stimmen gemeiniglich ein Klage-Lied über ihre Todten an, da beedes Männer und Weiber sich mit ihren Nägeln auf das Kinn und vor der Stirne ritzen. Wann sie sich verheyrathen, bekommt der Bräutigam seine Braut nicht vorher zu sehen, sondern wann er mit seinen Gästen am Hochzeit-Tage gegessen und getruncken, wobey zuweilen auf einer Cither gespielet wird, wird er in das Frauenzimmer Gemach geführet, woselbst die Braut zugleich mit andern Weibern, so alle das Angesicht verhüllet, befindlich, ihm aber wird ein Zeichen gegeben, woran er die Braut erkennen kan. Zu ihr geht er dann hin und nimmt das Geld, so er zur Morgen-Gabe geben will und kan, in einem Schnupftuch, giebt ihr damit einen Streich, und geht hierauf in die Schlaf-Kammer. Sie folget nach, er fragt sie hierauf zweyenmal um ihren Nahmen? aber sie antwortet nicht, bis er zum drittenmal fragt; hierauf wirfft er das Schnupftuch mit dem Gelde auf die Tiele, und breitet einen kleinen Teppich auf den Boden, tritt darauf und verrichtet sein Gebet. Die Braut leget inzwischen die Kleider ab und geht zu Bette, und er folget nach. Die meisten Weiber sind sehr jung, wann sie sich verheyrathen. Im Essen und Trincken leben die Türcken, wie ich erfahren habe, sparsam; es werden nicht viele Gerichte aufgetragen, vielerley Arten Früchte aber bey der Mahlzeit aufgesetzet. Sie speisen des Morgens zuerst eine Art Gebackenes, hierauf trinckt man Caffe, (der Thee wird nicht geachtet) um 10 Uhr speißt man zu Mittage, hierauf ruhet man einige Stunden, und speißt wiederum des Nachmittags ohngefehr gegen 4 Uhr.

Was nun insbesondere meine Schicksale angehet, so habe ich erstlich drittehalb Jahr bey diesem meinem Patron als Laquai gedienet, und wie ich in dieser Zeit Lingua Franca, wie auch die Türckische und Arabische Sprache erlernte, und nach und nach in denen Dingen, so vorfielen, geübet wurde, so erweckte mir GOtt Gnade bey meinem Patron, also daß er jederzeit große Gewogenheit gegen mich hegte. Er vertrauete mir das Amt an, welches von großer Wichtigkeit und Gassenadahl oder Gasnadi benannt wird, nach der Redens-Art aber unseres Landes Ober-Caßirer heißt. Ich bekleidete dieses Amt erstlich in 4 Jahren, und mein jährlicher Gehalt war 1700 Stück von Achten, ausser was mir an Lande, Cameelen, Schafen, und dergleichen gehörete. Zween Schreibern, so stets bey mir waren, gab mein Patron die Besoldung, zwantzig Bedienten aber und bisweilen darüber, reichte ich selbsten den Lohn. Dreymal im Jahr hatte ich eine reichlich mit Gold und Silber gestickte Montur. Ausser dieser meiner Bestallung, wurde mir annoch ein Commando von 500 Pferden anvertrauet, dann ich hatte annoch als Caßirer, bey unterschiedenen Gelegenheiten, gegebener Ordre nach, eine Art Bravoure, so meinem Patron gefallen, bewiesen, obschon meine Tapferkeit im Grunde eher eine Verwegenheit, als ein ordentlicher Muth und Hertzhaftigkeit zu nennen; dann ich war in meinem Sinn nicht vergnügt, und eben darum war es mir einerley, ob ich lebte oder todt wäre. Obgleich ich ein bey der Nation angesehener Mann war, und viele mir mein Glück mißgönneten; so sahe ich doch die Sache selbst besser ein, daß ich diesem allen ohnerachtet ein Sclave geworden, und daß ein kleines Versehen, bey einem barbarischen Herrn, der Macht hatte zu thun, was ihm selbst gelüstete, leicht verursachen konnte, daß ich eben so tief erniedriget würde, als ich war erhöhet worden, ja jeden Tag mein Leben in meinen Händen tragen müste. Diese bemeldte 500 Mann zu Pferde, waren stets um mich und konnten als meines Patrons Leib-Garde angesehen werden. Es trug sich zu, daß sich ein Krieg entspann, zwischen meinem Patron und einem andern, mit Nahmen Boâssâse von Thefés, welcher als ein kleiner Fürst konnte angesehen werden, und das Haupt einer vornehmen Familie war. Diesem Boâssâse kam im Sinn, daß er sich eines gewissen Stückes Landes, so meinem Patron gehörte, bemächtigen wollte. Ich gehe hier die verschiedentlich vorgefallene kleine Scharmützel mit Stillschweigen vorbey, indem täglich, so lange zwo Partheyen wider einander zu Felde lagen, gefochten wurde. Hie und dort geschahen beständige Attaquen. Man bedienete sich einer andern Kriegs-Art, als in unsern Ländern, ordentlich zu Wercke zu gehen. Das mehreste beruhete hauptsächlich auf einen hitzigen Angriff. Von diesen kleinen Scharmützeln waren folgende zwey die wichtigsten: In dem ersteren waren wir glücklich, in dem andern hingegen hatte der Feind einen Vortheil. Nachdem man auf beyden Seiten einige tausend Cameele, Pferde, Schafe und dergleichen geplündert, wurde ich einstens mit 500 Pferden commandiret zu recognosciren, und wie wir bey dieser Gelegenheit bemerckten, daß der Feind sich zur Ruhe begeben, resolvirten wir einen Einfall zu thun. Solcher glückte so wohl, daß der Feind, indem er vermuthlich gedachte, unsere gantze Macht, so gemeiniglich 9 bis 10000 Mann starck, wäre zur Stelle, die Flucht ergriffe. Zwey und funfzig Köpfe führten wir mit uns zurücke, wogegen wir nur fünf Mann verlohren. Wir fertigten einen Courier ab, meinem Patron Nachricht von unserem Siege zu bringen. Wie wir ankamen, befahl der König, daß jeder, so einen Kopf mit sich gebracht, hervor treten, und solchen im Gezelte zu seinen Füßen werffen sollte. Er regalirete alle durchgehends mit Gelde, mir aber wurden insonderheit unterschiedliche Ehren-Bezeugungen erwiesen, indem den vornehmsten Bedienten anbefohlen wurde, mir aufzuwarten, und von selbigem Tage an, wurde mir das Commando über die ganze Cavallerie, welche Bedienung Laga di Dejra, oder Obrister über die Cavallerie, benannt wird, anvertrauet, welcherhalben ich aber mir vieler Haß und Mißgunst auf den Halß lude. Es währete nicht lange, daß ich abermals sollte einen Versuch wider dieselben Feinde thun, es geschahe auch, aber zu meinem und derer, so bey mir waren, Nachtheil. Dann da der Feind flohe, und wir ihm nachsetzten, musten wir zwischen einigen Klippen defiliren. Der Feind hatte den Paß mit Fußvolck belegt, von welchem ein Theil unseres Volcks erschossen, dem andern Theil, so sich gefangen gabe, der Paß abgeschnitten wurde, der Ueberrest aber sich mit der Flucht salviren muste. Ich befand mich unter den Gefangenen, mein Pferd war unter mir erschossen, man nahm mein Leibgehänge und spannte damit meine Hände auf dem Rücken zusammen; Fünf und viertzig von unseren Leuten, so gefangen waren, wurden massacriret, und man hatte Anfangs im Sinn, auf gleiche Weise mit uns zu verfahren, indem man aber hoffte, eine gute Rantzion für uns zu bekommen, behielten ihrer funfzehn, worunter ich mich befand, das Leben; obschon einer von meinen Dienern, so ich bey mir hatte und sonderlich liebte, vor meinen Augen erstochen wurde. Wie wir nun in Verwahrsam gebracht waren, kam des vorgemeldten Boâssâses Gemahlin, mit Nahmen Elgia, ins Gefängniß, nach türckischer Manier also verhüllet, daß nichts an ihr bloß zu sehen, als ihre Augen und Hände, so nach ihrer Gewohnheit, mit verschiedenen tief einbeissenden Farben bunt gemahlet waren. Sie kam größtentheils aus Neu-Begierde ins Gefängniß mich zu sehen, sintemalen sie vernommen, daß ich ein Christ wäre. Sie fragte: welcher es von uns sey? und nach wiederhohlter Frage, warf ich mich zu ihren Füßen, da ich ohnehin unter den andern kenntlich genug, sintemalen die Augen der andern Gefangenen nicht alleine auf mich gerichtet, sondern auch ich von den andern, an der Farbe unterschieden war. Ihre Fragen an mich waren mancherley, unter andern: Ob man in unserm Lande an einen GOtt glaubte, der über Himmel und Erde regiere? Wie ich diese Frage mit Ja beantwortete, machte sie den Einwurf, daß sie in Europa Holtz und gemahlte Bilder anbeteten. Diese irrige Meynung mag vielleicht daher gekommen seyn, daß sie solches entweder von den Catholicken gehört oder gesehen. Ferner: Ob wir Pferde, Cameele, Milch, Oel, Brod und dergleichen hätten? Endlich ging sie weg, ich rieff ihr in einem beweglichen Ton und mit heller Stimme nach, für mich bey ihrem Herrn eine Fürbitte einzulegen, worauf sie antwortete, ich sollte nicht so ruffen; Welche Worte ich also aufnahm, als ob sie zornig geworden wäre, in wenigen Stunden aber kam der Schmidt, und machte mich loß. Ich hatte hierauf die Gnade, vor dem Schey, welcher so viel als ein Printz bedeutet, geführet zu werden, und mir wurde zu meiner Erquickung viel gutes erwiesen. Dieser Schey war ein Enckel des alten Boâssâse, bey welchem ich also in Gnade zu kommen, das Glück hatte, daß mir nicht alleine viele Gutthaten bewiesen und unterschiedliche Dinge zu meiner Erquickung präsentiret wurden, sondern auch, daß er seinen Aelter-Vater ersuchte, daß er mich mit auf die Jagd nehmen mögte. Wie man an einem Tage, einige Stunden nach Mittage, die Pferde ein wenig bey seite geführet, belustigte sich dieser Schey mit denen Herren, so bey ihm waren, nach dem Ziel zu schießen. Wie ich inzwischen in tieffen Gedancken über mein Schicksal stunde, und von ohngefehr meine Augen auf die Pferde gewandt, vermeynte der junge Herr ich besähe die Pferde, und fragte mich daher, ob diese Pferde wohl so gut wären, als diejenigen, so ich zu Constantine hinterlassen? Ich unterstunde mich nicht diese Frage zu beantworten, bis ich mir die Gnade ausgebeten, die Wahrheit sagen zu mögen; denn ich hätte allezeit gehört, sagte ich, es gezieme sich nicht etwas anders vor großen Herren, als die Wahrheit zu reden. Ich berichtete anbey, daß die Pferde, so ich zu Constantine oder im Lande meines Herrn gesehen, mir wohl so rasch und schöne vorkämen. Er befahl, daß ich auf einem von diesen reiten sollte; wie ich es aber nicht sonderlich rühmte, ließ er mich sein eigen Reit-Pferd probiren. Ich flanquirte hiemit in etwas herum, und wie ich an diesem Pferde eine besondere Munterkeit verspürte, kam mir gleich im Sinn, daß mir hier eine treffliche, obschon gefährliche Gelegenheit gegeben würde, zu entfliehen. Mein Hertz schlug in meinem Leibe. O! gedachte ich, dürfte ich nur! Ich faßte kurtze Resolution, folgte meinem Triebe, gab dem Pferde die volle Sporen und entrann. Ich war schon ein kleines Stück Weges fort, ehe man meinen Anschlag gewiß wissen kunnte, sie schrien hinter mir her, und alsobald setzten 20 bis 30 Mann zu Pferde mir nach, es geschahen auch einige Schüsse, so, daß etliche Kugeln zu meiner Seite im Sande staubeten. Vor Verlauff drey Stunden aber, war ich ihnen schon zu weit aus dem Gesichte gekommen. Des Nachts ritte ich, des Tages aber bekam das Pferd etwas in den Wäldern zu fressen. Meine Speise in dieser Zeit, waren einige Früchte und eine Art Salat, so im Lande wächset. Ich brachte auf diesem Wege in allen zwo Nächte und etwas über einen Tag zu, da ich zu meines Patrons größtem Vergnügen mich wiederum im Lager einfand. Nach einer und der andern Dispute, wurde endlich zwischen meinem Patron und dem ermeldten Boâssâse von Thefes Friede geschlossen. Dieser Friede wurde meines Erachtens um so vielmehr für rathsam angesehen, als mein Patron an dem Bey, der zu Tunis residirete, einige Bewegungen wahrgenommen. Es kam auch endlich zu einem Kriege zwischen ihnen, wobey zwischen Boâssâse und meinem Patron eine genaue Alliance geschlossen wurde. Das Glück war im Anfang fast auf beyden Seiten gleich, am Ende aber bekamen wir Gelegenheit, uns mit unserer Armee in des Feindes Lande aufzuhalten. Ein halb Jahr hatten wir gegen einander in Gewehr gestanden, da es uns endlich an Proviant gebrach; dann die Cameelen, so uns Oel und Brod zuführten, wurden von einem, so meines Patrons Freund nicht war und Murath hieß, und an den Gräntzen des Tunesischen Landes wohnte, geraubet. Dieser Mangel nöthigte uns eine kurtze Resolution zu fassen, und den Feind anzugreiffen, es glücke wie es wolle. Aber, wie die Macht des Feindes stärcker als unsere, obschon wir niemals zu meiner Zeit, eine so zahlreiche Armee gehabt, welche dießmal zum wenigsten 40000 Mann starck war; so war es nöthig, gute Vorsicht zu gebrauchen und die Umstände von der Postirung des Feindes einigermassen zu wissen. Mein Patron und Boâssâse beschlossen, einen abzusenden, diese Dinge nach Möglichkeit zu erforschen. Wie man aber hierüber Rath pflegte, wer hiezu am besten könne gebraucht werden, fiel des Boâssâse Wahl auf mich. Er sagte, der Christ, der Gassenadahl ist gut genug hiezu: er wußte auf welche Art ich mich zuvor von seinem Enckel fortgeschlichen, und wollte mir, wann er konnte, am liebsten wiederum einen Possen spielen. Mein Patron, so mich liebete und darum ungern mir eine so mißliche Verrichtung auflegen wollte, fragte mich, ob ich Lust hiezu hätte? Ich antwortete: Hier ist nicht die Frage, ob ich Lust habe? sondern was Afendi (das ist mein gnädiger Herr) befiehlet. Kurtz, ich bekam seine Ordre, mit dem Zusatz, daß, wann es glücklich ginge, ich, wann ich wollte, mit Ehren meinen Abschied nach meinem Vaterlande haben solle. Ich näherte mich des Nachts zu Fuße dem Lager, das nahe bey uns stunde, aber ehe ich dahin kam, begegneten mir einige Reuter. Ich wuste in dieser Eilfertigkeit nicht was ich thun sollte, doch fiel mir ein, meinen Säbel und meine Pistolen von mir zu werffen, und mich für einen Deserteur auszugeben, der zugleich etwas wichtiges mit dem König von Tunis zu reden hätte, wann ich die Gnade genießen könnte vor ihm geführet zu werden. Wie diese an meinen Kleidern abnahmen, daß ich einer von den vornehmsten Officirern seyn müsse, freueten sie sich hierüber und kamen meinem Begehren nach. Der Tunesische Bey kannte mich alsobald und fragte mich: warum ich als Gassenadahl und Laga di Dejra, der bey seinem Herrn in solchem Ansehen stünde, zu ihm käme? Ich küßte seine Hand, und bat mir unterthänigst seine Beschirmung aus, wo nicht, wäre es eben so viel, ob ich sollte mein Leben in seinen oder meines vorigen Patrons Händen lassen, der, wie ich vorgab, mich tödten wollte, weilen an einem und andern Mangel im Lager, welches mir zur Last gelegt würde, gleich als wenn solcher sich durch mein Versäumniß eingefunden, obschon es offenbar, daß Murath sich unsers Proviants bemächtiget. Mein Leben wäre mir lieb, wollte er es schonen, so versicherte ich, ihm treulich zu dienen, wann er mich hiezu wollte für tüchtig ansehen. Der Tunische Bey zeigte sich sehr vergnügt über meine Ankunfft, und forschte genau, ob es sich so verhielte, daß in unserem Lager Mangel an Proviant und Munition wäre, wie er von einigen Deserteurs erfahren? Ich sagte ja, doch verhielte sich letzteres nicht also, dann an Kraut und Loth fehlete es nicht. Ich wurde weiter gefragt: Ob ich gesonnen wider meinen vorigen Patron zu fechten? Ich antwortete: wann ich ein Pferd mit behöriger Rüstung bekäme, wollte ich mich hiezu willig finden lassen, und dieses um so viel ernstlicher, weil ich, als ein Ueberläuffer, niemalen bey ihm Pardon zu gewarten. Es geschahe, und ich kan nicht läugnen, daß, wie ich von diesem Herrn so wohl ausgerüstet und aufgenommen wurde, wider meinen ersten Entschluß, der Vorsatz bey mir aufstiege, bey ihm zu bleiben, vornemlich da es zu vermuthen stunde, daß die Tunische Armee das Feld behalten, und die Constantinische genöthiget werden würde, entweder mit dem fördersamsten eine desperate Attaque zu thun, oder auch, wegen des ermeldten Mangels, sich über Hals und Kopf zu retiriren. Ich fand bey diesem Tunischen Bey guten Glauben; mir wurde erlaubt, bey der Armee herum zu fahren und die Artillerie zu besehen, wobey ich zugleich von dem Zustande unserer Armee und denen Anstalten genau befraget wurde. Zu meinem Verdruß kamen am dritten Tage einige Ueberläuffer an, die gantz wohl wußten, daß ich mitnichten bey meinem Patron in Ungnade sey, sondern urtheilten, daß ich ausgesandt wäre, die Anstalten des Feindes auszuforschen. Es hatte ein Renegate gehört, daß dieses Gerüchte vor dem Tunischen Bey gekommen, und fragte mich also um die Beschaffenheit der Sache? Ich that böse und wollte wissen, wer so von mir gesprochen? Er antwortete, einige von euren eigenen Ueberläuffern. Inzwischen merckte ich schon was die Glocke geschlagen, und speculirte demnach, wie ich davon kommen mögte, und machte also Mine, als wann ich einen Gang mit dem Feinde wagen wollte. Dann dieses ist ihre Weise, bald mit 100, bald mit 200 Pferden und darüber, einen Einfall auf einander zu thun. Ich bekam 100 Mann mit mir und setzte mit ihnen an; wie ich aber den Meinigen so nahe kam, als mir gut dauchte, gab ich ein Zeichen, daß ich zu ihnen übergehen wollte, welche mich dann auch mit Freuden empfingen, und zu meines Patrons grosser Verwunderung, in mein voriges Lager escortirten. Nun war ich im Stande, von allen Dingen genaue Nachricht zu geben, und rieth, noch in derselbigen Nacht den Feind anzugreiffen, und auf der Ecke einzufallen, wo er es unmöglich, nemlich von hinten an ihn zu kommen, vermuthen konnte. Die Constantinische waren wohl so gute Soldaten als die Tunische, hiezu kam die Noth, so uns zwang auf der einen Seite, und noch mehr die Hoffnung zur Beute und überflüßigen Proviant auf der andern Seite. Mein Patron hatte gewisse Belohnungen auf gewisse Dinge gesetzet, welche man sich von dem Feinde bemächtigen würde, zum Exempel auf ein Stück 1000 Thaler und so weiter. Es kam, kurtz zu erzählen, zu einer Haupt-Bataille, die so wohl für uns ausfiel, daß unser Volck nach Verlauff einiger Stunden den Feind verjagte und das feindliche Lager erbeutete. In diesem Treffen aber kam mein Patron von seinem Pferde, und wie ich mich mehrentheils nahe bey ihm aufhielte, offerirte ich ihm mein Pferd, und stand in den Gedancken, wann er erstlich im Sattel, hinten aufspringen zu wollen; wir kamen aber in solches Gedränge, daß es mir nicht möglich war, doch hielt ich annoch beym Schwantze, in der Hoffnung, mich hindurch zu dringen; indem ich aber corpulent und schwer zu Fuße war, mußte ich loßlassen, und war kein anderer Rath für mich, als mich auf die Erde unter die Erschlagenen zu werffen. Die eine Hand ließ ich ausgestreckt liegen, die andere lag unter meinen beyden Messern, so die Türcken auf der Brust tragen. Wie ich nun einige Zeit in solcher Positur gelegen, hörte ich, daß einer zu dem andern sagte: Hier finde ich einen in proprer Montur, die muß ich gewiß haben. Er stieg vom Pferde, und fing an mich aufzuheben, und umzuwerffen; aber in selbigem Augenblick griff ich ihn mit der einen Hand an, und gab ihm mit der andern einen Messerstich in die Brust, also, daß er und ich nicht weniger ein starckes Geschrey machte, dann ich war so beklemmt ums Hertz, daß, wann ich nicht, meiner Meynung nach, zum Schreyen gekommen, ich Todes verfahren müssen. Des Getödteten Pferd diente mir also vom Wahl-Platze zu kommen, worauf ich abermal meinen alten Patron vorfand.

Diese Avanturen waren die vornehmsten von denen, so im Kriege vorfielen; was die übrige kleine Debatten betrifft, so ist es viel zu weitläufftig, solche anzuführen. Dann viele habe ich auf Ordre massacriret und viele ohne Ordre, indem mir in den letzten Jahren alles anvertrauet wurde, und ich vollkommene Macht über Leben und Tod hatte. Mein Patron wurde alt, und sahe am liebsten, daß die Sachen durch mich abgethan würden. Oefters, wann er sich des Mittags zur Ruhe legte, war schon eine oder andere Execution an den Straffälligen vollbracht, ehe er erwachte. Unter denen, so ich auf Befehl getödtet, liegen mir zweene Mauermeister am meisten im Sinn. Zu zweyenmalen fiel nemlich meinem Patron zu meiner Zeit ein, einen ansehnlichen Theil Ducaten in einen Thurm einzumauren. Wie der Mauermeister für seine Mühe war bezahlet worden, hatte ich den Befehl, ihm, wann er vor mir die Treppe nieder gienge, den Hals zu brechen, welches ich thun mußte, wo ich nicht meinen eigenen zu setzen wollte. Hiezu hatte mein Patron zwo Ursachen; die eine, daß die Stelle, wo das Geld lag, verborgen bliebe, die andere, weilen die Türcken in dem Aberglauben stehen, daß die Seele, dessen, so ermordet worden, gleichsam über den Schatz schwebe oder wache, daß Niemand solchen als der Eigenthümer bekommen könne. So kan der Satan sich des Hertzens eines Menschen bemächtigen, wenn er erst von einem oder andern Haupt-Laster eingenommen worden. Itzo will ich auch etwas von andern Merckwürdigkeiten melden.

Es trug sich während der Zeit, da ich ausserhalb dem Vaterlande war, zu, daß ich das Vergnügen hatte, 5 Europäer zu sehen, so vom Könige Augusto in Polen ausgesandt waren, sich nach der Beschaffenheit des Africanischen Landes zu erkundigen. Der Vornehmste unter ihnen war Doctor Johann Hebenstreit; auch befand sich in der Gesellschafft ein Gärtner, von der Insul Alsen gebürtig, der mir der Landsmannschafft wegen, desto angenehmer war; der sechste war, so viel ich weiß, auf der Reise gestorben. Mein Patron erzeigte sich sehr höflich gegen sie, und befahl, ich sollte Anstalt machen, daß nichts an ihrer Verpflegung gebrechen mögte. Es war mir eine Freude, dem Doctor einige silberne und güldene Münzen, die, so viel ich weiß, römische waren, zu verehren, obschon solche im Lande meines Patrons gefunden worden. Er bekam auch unterschiedliche Felle von Löwen, Tygern und dergleichen. Dem Gärtner war ich behülflich unterschiedliche Gewächse, Wurzeln und Blumen zu sammeln. Letztern verwahrte er in einem eigenen Buche zwischen grau Papier. Der Doctor war einige Meilen fortgereiset, ein altes verfallenes Gebäude, deren unterschiedliche im Lande gefunden werden, und woran annoch zu erkennen, daß sie zu ihren Zeiten kostbar gewesen, zu besehen. Bey diesem Gebäude wurden einige Steine gefunden, worinnen in alten Zeiten lateinische Buchstaben gehauen. Wie mein Patron durch mich fragen ließ, was rares der Doctor dorten vorgefunden, wurde ihm zur Antwort ertheilet, daß der Doctor sich bey diesen Inscriptionen so vergnügt bezeiget, als wann er einige 100 Ducaten gefunden. Hierüber lachte er hertzlich sagte: O! was sind die Christen für große Narren. Ich weiß gewiß, der gute Doctor würde mir gerne meine Dienste bezahlet haben, aber ich gebrauchte kein Geld, verlangte aber doch ein teutsches geistreiches Buch zu sehen, dann meine Eltern hatten die Vorsorge für mich gehabt, mich, ehe ich auf die See kam, im Lesen und Schreiben unterrichten zu lassen. Meines Wunsches wurde ich gewähret: dann sobald der Doctor Hebenstreit in Sachsen angekommen, sandte er Speners Reise-Postill, worinnen er forne seinen Nahmen mit dem Wunsche meiner Befreyung geschrieben, über Livorno und Algier nach Constantine. Selbiges Buch habe ich annoch in meiner Verwahrung, und zu seinem Gedächtniß mit mir nach Amrom gebracht. Er hatte auch ein Buch bey sich, worinnen verschiedene Freunde und Gönner ihren Nahmen geschrieben, dieses präsentirte er mir in der Absicht, in selbiges meinen Nahmen und Geburths-Ort einzuzeichnen.

Acht Jahr war ich in Africa gewesen, wie mein Patron beschloß, eine Caravane nach Mecca in Arabien anzustellen, welchen Ort die Türcken heilig halten, weilen ihr Prophet Mahomet daselbst gebohren. Diese Caravane oder Reise-Gesellschaft bestand ohngefehr aus 6000 Mann, von welchen 4000 auf eigene, aber 2000 auf Kosten meines Herrn reiseten. Das Beschwerlichste bey dieser Reise war, daß es an vielen Stellen an Wasser, welches auf Cameelen in großen ledernen Schläuchen mit uns mußte geführet werden, gebrechen wollte. Wir kamen unterwegens, auf dieser Seite von Mecca, zu der Stelle, wo Hagar vormals mit ihrem Sohn wegen Wasser-Mangels in Noth gewesen. Der Brunnen, so heilig gehalten und daselbst vorgezeiget wird, heisset auf ihrer Sprache Il me Sim Sim. Es gingen 13 Monathe vorüber, ehe wir diese Reise vollendeten. Mein Patron wurde, der, bey dieser Reise bewiesenen Andacht halber, mit dem Zunahmen Hatje das ist: der Heilige, beehret. Einige Zeit hernach, wurde eine Verbindung gestiftet, zwischen einer von meines Patrons Verwandtinnen und dem Könige zu Marocco. Ich wurde mit einigen andern erkohren, diese Prinzeßin dorthin zu führen, hatte aber eben so wenig die Ehre ihr Angesicht zu sehen, als der Gemahlinnen meines Patrons, obschon ich so viele Jahre in seinen Diensten gewesen. Sie wurde von einem Cameel getragen, worauf ein Verdeck, wie eine Portechaise, gebauet, und selbst war sie am gantzen Angesicht verhüllet. Der König zu Marocco, bey dem ich meine Aufwartung machte, war zur selbigen Zeit Sidim Mahomet, Mula Debbi, wovon die beeden letzte Worte zu seinem Titul gehören, und so viel, als ein Herr über das Gold, sagen wollen.

Einige von den merckwürdigsten Dingen im Lande, worinnen ich gefangen war, sind meines Erachtens folgende: Es wird zwischen Algier und Constantine ein Stein von ziemlicher Größe gefunden, so von aussen und innen grüner Farbe. Wann etwas von diesem Stein pulverisiret und eingenommen wird, sagt man, daß er das Fieber curire, und wird solcher auf ihre Sprache: Hedjar Sidna se Eisa, des Herrn Christi Stein genannt, dann man hat eine Tradition, daß der Herr Christus auf dieser Stelle mit seinen Jüngern geruhet habe.

In einem großen Land-Dorffe Omgaus genannt, sollen einige begraben liegen, welche sie die Sieben-Schläfer nennen. Wann etwas gestohlen ist, wird der Verdächtige dorthin über diese Gräber geführet, da er schweren muß, daß, wann er schuldig, er nicht davon gehen möge, ohne am Kopff, Arm, Bein oder anderem Gliede Schaden zu nehmen, wie es denn niemals (wie die Türcken sagen) fehl schlagen soll, daß der Schuldige nicht Schaden nehme.

Noch wunderbarer verhält es sich mit einigen Leuten, so sich hin und wieder im Lande aufhalten, und für die Geistliche der Türcken können angesehen werden und Maroboth heissen. Durch diese werden, dessen ich selbst Zeuge bin, wunderliche Dinge ausgerichtet, ob es durch des Teuffels Kunst geschehe, weiß ich nicht. Ich selbst habe gesehen, daß sie durch ihr blosses Hauchen Feuer angemacht, zum Exempel, durch Anhauchen, eine Pfeiffe Taback angestecket. Auch war ich gegenwärtig, wie folgende Historie sich zutrug: Die eine von meines Patrons Gemahlinnen, bekam eine Geschwulst über dem Magen, als von einer Wassersucht. Es wurde ein Maraboth gehohlet und um Rath gefraget. Dieser ließ eine von ihren Cammer-Mädgen hohlen, und wie er ein kupffernes Geschirr auf glüende Kohlen gesetzet und einen Theil Weyrauch darauf geworffen, nahm er die Hand des Cammer-Mädgens und befahl, daß sie, nachdem er in der Hand einen Kreiß von Baumwolle gemacht, und mitten drinnen etwas Oel gegossen, solche über den Rauch halten sollte. Hierauf fing der Maroboth an, vieles und mit großer Heftigkeit herzuplaudern, worbey es mir vorkam, daß viele fremde Wörter aus allerhand Sprachen zusammen gemischet waren. Gewiß genug war es, daß ich nichts von allem dem verstehen kunte, was er mit erhabner Stimme vorbrachte. Er fragte inzwischen: Ob sie etwas in ihrer Hand sähe? Sie antwortete: Nein. Hierauf fing er aufs neue mit eben der Heftigkeit an, da sie zuletzt rieff: Ich sehe viele Leute. Er fragte: Was für Leute? Sie antwortete: Vornehme Leute, welche Divan halten wollen? Er sagte: Frage Sie: Was der Frauen fehle? Sie: Sie sagen, daß sie auf einer bösen Stelle gewesen, wovon sie Schaden genommen. Er: Frage, welchen Rath man zu gebrauchen habe? Sie: Sie sagen, man solle die und die Kräuter nehmen und solche kochen, hievon solle sie trincken und mit diesen Dingen solle sie sich baden. Es geschahe, die Frau wurde gesund, das Cammer-Mädgen aber fiel in Ohnmacht, wurde als todt weggetragen und kam in den ersten 24 Stunden nicht wieder zu sich selber. Einige Zeit hernach fragte ich sie: Ob sie nicht etwas gehört und gesehen? Sie antwortete, daß sie von keinem Dinge zu sagen wüßte, ausser daß sie in meines Patrons, eines Maraboths und meiner Gegenwart, ihre Hand hätte in einem Rauch gehalten, den der Maraboth angemacht. Viele andere Dinge geschehen durch diese Leute, als zum Exempel, daß sie können den Arm in den Leib eines Pferdes jagen, also, daß er mit Blut gefärbet ist, wann sie solche wiederum herausziehen, hierauf sprechen sie einige Worte, lassen dem Pferde gleich darauf zu essen und zu trincken geben, worauf man an selbigem nicht das allergeringste wahrnehmen kan. Sie wissen dem gestohlnen nachzureisen, und was solcher Dinge mehr seyn können. Einige von diesen Leuten gehen in schönen grünen Kleidern, welches, wie sie sagen, Christo zu Ehren geschehen soll, weilen sie vermeinen, diese Farbe gefalle ihm, vorermeldten grünen Steins wegen. Einige hingegen gehen in gantz geringen Kleidern einher. Es wird auch in Lande ein Thier gefunden Dyx genannt, das sich mehrentheils von wildem Honig ernähret, und einige Aehnlichkeit mit einem Schweine hat. Von selbigem wunderlichen Thiere haben die Türcken die Meinung, daß es zuvor ein Maraboth gewesen, oder daß die Seele eines Maraboths in selbiges gefahren. Die Ursache ihrer Präsumtion ist diese, weilen das Thier, wann man ihme einen Brief oder ein Blat aus einem Buche giebt, das Papier in den fördersten Füßen nimmt und vor sich hält, hierauf beginnet vielfältig zu plaudern, gleich als wenn es lesen könnte, und wann man das Papier von ihm nehmen will, zornig wird und es in Stücken reißet.