Profil der Sandgrube im Grafenrain (Grundstück Nr. 789), Gemarkung Mauer (Amtsbezirk Heidelberg), aufgenommen am 2. November 1907

(vgl. [Taf. III], Fig. 5).

Richtung der Grubenwand Nord 26 West. Fußpunkt 1,40 m nördlich von der Fundstelle des menschlichen Unterkiefers.

Ordnungszahl
der Schichten
Mächtigkeit
in Metern
Jüngerer Löß275,74Jüngerer Löß, unten mit kleinen Lößkindeln.
262,25Brauner Lehm ohne sandige Lagen.
Älterer Löß bzw. Sandlöß251,30Brauner Lehm, stellenweise etwas sandig, aber ohne ausgesprochene Sandschmitzchen.
241,63Letten, meist stark sandig, mit vereinzelten Sandschmitzchen und Lagen von Lößkindeln.
23etwa 1,80Grauer, mittelkörniger Sand, in abwechselnden Lagen ± verfestigt (etwa 15 Gesimse).
220,36Graue feste Sandbank, mittelkörnig, mit HCl ganz schwach brausend, gesimsbildend.
211,30Lockerer eisenschüssiger Sand, bald gröber, bald feiner, mit HCl ganz schwach brausend.
200,07Festere, sehr eisenschüssige mittelkörnige Sandbank.
190,40Eisenschüssiger Sand.
180,70Grauer mittelkörniger Sand, mit HCl nicht brausend, unmittelbar über dem Letten stark eisenschüssig.
170,70Brauner sandiger Letten und lettiger Sand; oben reiner, unten ziemlich reiner Letten; gesimsbildend.
160,22–0,25Sandschicht mit dünnen eisenschüssigen Lagen nach S. anschwellend, nach N. auskeilend.
15etwa 0,20–0,23Geröllschicht mit Eistransportblöcken und Unioresten.
14etwa 0,34Grauer bis gelbbrauner Sand mit Andeutung von Schrägschichtung und Neigung zur Windpfeilerbildung.
13etwa 0,50Sand, reich an kleinen Geröllen, z. T. eisenschüssig.
Mauerer Sande.12etwa 0,50Grauer mittelkörniger Sand mit einer schwach eisenschüssigen Schicht.
Lettenbank. 112,25Sehr fester Letten, mit HCl schwach brausend.
101,65Abwechselnde Schichten von schwach eisenschüssigem Sand und grauem, manchmal auch braunem Letten. Die jüngste der nach oben an Mächtigkeit zunehmenden etwa 9 Lettenschichten enthält nur sehr wenig Sand.
9etwa 0,55Reiner Sand mit unregelmäßig verteilten eisenschüssigen Stellen.
8etwa 0,25Mittelkörniger, grauer Sand mit vereinzelten kleinen Geröllen und vielen Lettenbrocken.
71,35Mittelkörniger Sand mit vereinzelten kleinen Geröllen und Lettenbröckchen.
60,60–0,65Grauer, mittelkörniger Sand mit vereinzelten Geröllen und kleinen Geröllschmitzchen. (Die Lage mit den vereinzelten Geröllen tritt nur stellenweise auf.)
5etwa 0,23Grobkörniger, mit HCl nicht brausender Sand mit eisenschüssigen Bändern.
4etwa 0,10Geröllschicht, durch kohlensauren Kalk etwas verkittet, mit ganz dünnen Lagen von Letten, der mit HCl schwach braust. (Fundschicht des menschlichen Unterkiefers.)
30,22Gröberer Sand, mit HCl nicht brausend.
2etwa 0,20Geröllschicht, z. T. deutlich zu einem Conglomerat verkittet. Der verkittende Sand ist stark eisenschüssig, mit HCl nicht brausend. Weiß-Juragerölle und Reste von Unio sind häufig.
1etwa 0,45Mittelkörniger, mit HCl nicht brausender Sand.
Grubensohle.

Hiernach wurde der menschliche Unterkiefer etwa 0,87 m über der Sohle und etwa 24,10 m unter der Oberkante der Sandgrube aufgefunden, welch letztere Zahl der vom Geometer festgestellten 24,63 m (vgl. [Taf. II], Fig. 3) bis auf 0,53 m nahekommt. Um diesen Punkt für die Zukunft festzulegen, ließ ich auf dieser Stelle einen kubischen Sandstein mit der eingemeißelten Inschrift „Fundstelle des menschlichen Unterkiefers 21. Oktober 1907“ errichten. Dieser Stein soll liegen bleiben, auch wenn die Grube wieder zugeworfen wird. Es soll dann oben ein neuer Stein mit entsprechender Inschrift gesetzt werden.

Die in dem vorstehenden Profil mit No. 23-1 bezeichneten, von 5,18 m älterem Löß und 5,74 m jüngerem Löß überlagerten Mauerer Sande haben wegen ihres Reichtums an Tierresten seit langer Zeit die Aufmerksamkeit der Geologen auf sich gelenkt. So führt A. Braun[13] in der auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Mainz 1842 gegebenen vergleichenden Zusammenstellung der lebenden und diluvialen Molluskenfauna des Rheintals mit der tertiären des Mainzer Beckens unter der Rubrik „Ältere Diluvialbildung“ die Sande bei Bruchsal, bei Mauer im Elsenztal und bei Mosbach zwischen Mainz und Wiesbaden an. Während er von Mosbach auf Grund der Untersuchungen des Bergsekretärs Raht 66 Conchylienarten zu verzeichnen in der Lage ist, muß er sich für Mauer auf folgende Bemerkung beschränken: „Der dortige, durch seine interessanten Säugetierknochen bekannte, hoch von Löß bedeckte Sand enthält eine Menge von Unionen und größeren Helices, jedoch sämtlich so weich und mürbe, daß eine vollständige Herauslösung und genaue Bestimmung bis jetzt nicht möglich war.“

Fr. Sandberger[69] bemerkt sodann in seinem 1870/75 erschienenen Werke „Die Land- und Süßwasserconchylien der Vorwelt“, in dem über die Binnenmollusken der Mittelpleistocänschichten handelnden Kapitel folgendes: „Im Neckartale selbst sind in keiner sonstigen unter dem Tallöß gelagerten Ablagerung Binnenmollusken nachgewiesen, wohl aber in dem bei Neckargemünd in dasselbe einmündenden Elsenztale. Hier finden sich bei Mauer etwa 100' über dem Spiegel der Elsenz Sand- und Geröllbänke, welche schon A. Braun als Lagerstätte fossiler Wirbeltiere und Binnenmollusken bekannt waren. Im Jahre 1868 beobachtete ich hier von oben nach unten in einer Sandgrube:

1.Tallöß mit zahlreichen Conchylien20Fuß.
2.Rötlichen Sand mit diagonaler Schichtung und einzelnen Stücken von Helix rufescens, Helix hispida und Succinea oblonga, an der Grenze gegen 3 auch mit zerbrochenen Unionen36»
3.Groben Kies, bestehend aus Geröllen von Buntsandstein, Wellenkalk, Muschelkalk, Hornstein und Feldspatbrocken mit Equus caballus und Elephas primigenius (?)40»

Da von Binnenmollusken nur die oben genannten Arten, von Säugetieren aber nur noch Rhinoceros Merckii Jaeg. und Ursus spelaeus gefunden worden sind, so läßt sich das Alter der Sande noch nicht genauer feststellen, doch deutet das Fehlen von Rhinoceros tichorhinus, Felis spelaea und Hyaena spelaea auf ein höheres Alter, als das des Cannstatter Tuffes, und vielleicht hat A. Braun recht, wenn er den Sand von Mauer mit jenem von Mosbach bei Wiesbaden parallelisiert.“

Benecke und Cohen[9] erwähnen bereits 12 Conchylienarten von Mauer, die auf einigen Exkursionen gesammelt wurden, und weisen darauf hin, daß man hier eine reiche Fauna zusammenbringen könne, welche wahrscheinlich für die schon mehrfach gemachte Annahme, daß der Sand von Mauer mit dem Sande von Mosbach bei Wiesbaden gleichalterig sei, sichere Anhaltspunkte ergeben würde.