A. Andreae[5] hat nun in seiner für das Gebiet der Diluvialgeologie und der Malakozoologie gleich wichtigen Abhandlung über den Diluvialsand von Hangenbieten im Unterelsaß, Straßburg 1884, dieses Desiderat namentlich in bezug auf die Mollusken erfüllt, indem er in einer tabellarischen Übersicht der Fauna des Diluvialsandes von Hangenbieten, verglichen mit der Fauna des Diluvialsandes von Mosbach bei Biebrich und von Mauer bei Heidelberg, sowie mit der recenten Fauna des Elsaß und des Oberrheingebietes, von Mauer 35 Arten angibt, welche Zahl aber, wie er bemerkt, noch sehr der Vervollständigung bedarf; denn von Hangenbieten sind 79 und aus dem Diluvialsand von Mosbach 93 Molluskenarten bekannt geworden. Von Mauer werden folgende angeführt, die sämtlich auch in Mosbach vertreten sind:

Hyalinia(Polita)nitidula Drap. sp.
»»radiatula Ald. sp.
»(Vitrea) crystallina Müll. sp.
*Patula(Goniodiscus) solaria Menke sp.
»(Patulastra) pygmaea Drap. sp.
Helix(Vallonia)pulchella Müll.
»»costata Müll.
*»»tenuilabris Braun.
*»(Petasia) bidens Chemn. sp.
»(Trichia)hispida L.
»»rufescens Penn.
»(Eulota) fruticum Müll.
»(Arionta) arbustorum L.
Buliminus (Ena) montanus Drap.
Cochlicopa (Zua) lubrica Müll. sp.
Pupa(Pupilla) muscorum L. sp.
»(Vertigo) pygmaea Drap.
*Clausilia (Pirostoma) pumila (Ziegl.) C. Pfeiff.?
Succinea(Tapada)putris L. sp.?
»»Pfeifferi Rossm.
»»oblonga Drap.
Valvata(Concinna)antiqua Sow.
»»piscinalis Müll. sp.
*»»naticina Menke.
Bythinia tentaculata L. sp.
Limnaeus (Limnophysa) palustris Müll. sp.
Planorbis (Gyraulus) Rossmaessleri [II.] (Auersw.) S. Schm.
Ancylus fluviatilis Müll.
Uniopictorum L. sp.
»batavus Lam.
*Sphaeriumrivicola Leach sp.?
*»solidum Norm. sp.
Pisidiumamnicum Müll. sp.
*»supinum A. Schm.
»Henslowianum Shepp.

NB. Die mit ? bezeichneten Arten sind in Fragmenten oder angezweifeltem Vorkommen vorhanden.

Wie Andreae bemerkt, fehlen die mit einem Stern bezeichneten Mollusken jetzt in der Fauna des Oberrheingebietes. Um darüber Klarheit zu erhalten, ob dies auch auf das Neckargebiet zutrifft, wandte ich mich an den ausgezeichneten Kenner desselben, Herrn D. Geyer in Stuttgart, der so freundlich war, hierüber, sowie über die weitere Frage Auskunft zu geben, welche Schlüsse auf das derzeitige Klima die in den Sanden von Mauer abgelagerten Mollusken gestatten. Ich teile das Wesentlichste aus diesem Berichte hier mit: Es handelt sich bei den Ablagerungen von Mauer offenbar um fluviatile Bildungen, welche durch den Neckar zustande gekommen sind. Nun wäre es aber durchaus irrig, anzunehmen, daß die in den Sanden abgelagerten Schalen aus größeren Entfernungen bzw. aus einem weiten Gebiete hierher geführt und Vertreter der gesamten Fauna seien. Die große Masse stammt vielmehr aus der nächsten Nähe, da die zahlreichen scharfen Windungen bzw. Schleifen des Neckars ebenso viele Dämme bildeten, welche die auf den Fluten schwebenden leeren Schalen zur Ablagerung nötigten; denn nur um solche handelt es sich, da die mit lebenden Tieren gefüllten Schalen untersinken und im Sande und Geröll zerrieben werden. Felsen-, Berg-, Heide- und großenteils auch Waldbewohner sucht man vergeblich in Ausspülungen; diese setzen sich zusammen aus Wasser-, Ufer-, Wiesen- und Gebüschbewohnern, denen nur einzelne Waldschnecken sich zugesellen.

Von den in obiger Liste angeführten 35 Arten sind 21 Land- und 14 Wassermollusken. Von ersteren sind nur 3 Baumtiere: Helix fruticum, eigentlich Buschtier; Helix arbustorum, die aber auch gern auf dem Boden am Wasser lebt, und Buliminus montanus, der sich am meisten von den dreien an Bäume hält. Helix rufescens lebt meist am Boden und steigt nur zuweilen an Krautpflanzen auf. Die übrigen Landschnecken sind alle ausschließlich Bodentiere. Die Busch- und Baumtiere leben heute noch in nächster Nähe von Mauer.

Die in obiger Liste mit einem Stern bezeichneten Arten fehlen heute auch im Neckargebiete bis auf Sphaerium rivicola, Sph. solidum und Pisidium supinum. Sie leben aber größtenteils noch im Osten, wie aus den in der Fußnote[III.] auszugsweise wiedergegebenen Mitteilungen des Herrn D. Geyer hervorgeht. Sein Resumé lautet: „Sollen Folgerungen in bezug auf das Klima aus den in den Sanden von Mauer zur Ablagerung gelangten Molluskenschalen gemacht werden, so kann man allenfalls auf ein mehr kontinentales Klima, als wir es heute haben, schließen.“

Die von Andreae a. a. O. mitgeteilte Liste der in den Mauerer Sanden festgestellten Säugetiere ist namentlich durch W. v. Reichenau[[64] u. [65]], Beiträge zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach, erweitert und berichtigt worden, auf welche wichtige Arbeit bei den Bemerkungen zu den einzelnen Species Bezug genommen werden soll. Hinzufügen konnte ich selbst noch Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres, Cervus (Alces) latifrons Johns. und Felis cfr catus. Zwei von Andreae angeführte Arten: Elephas primigenius Blumenb. und Bos primigenius Boj. mußten ausgeschieden werden, da deren Reste wahrscheinlich aus der die Mauerer Sande überlagernden Lößstufe stammen.

Da in letzter Zeit ausschließlich die im Profil der Sandgrube am Grafenrain mit 1-10 bezeichneten Sandschichten abgebaut wurden, so stammen die von mir selbst jüngst gesammelten Tierreste sämtlich aus diesem Horizonte, in welchem, und zwar in Schicht 4 0,87 m über der Sohle, der menschliche Unterkiefer gefunden wurde. Daß aber auch die oberen über der Lettenbank lagernden Sandschichten 12-23, die früher ausgebeutet wurden, ergiebig an Säugetierresten waren, kann ich aus eigner Erfahrung bestätigen. Auch A. Sauer[70] bekräftigt dies in bezug auf Elephas antiquus, der, einer Bemerkung in den Erläuterungen zu Blatt Neckargemünd S. 67 zufolge, „in der Sandschicht b wie d, also nicht bloß im Liegenden, sondern auch im Hangenden der Lehmbank c (vgl. das untenstehende Profil[IV.]) aufgefunden wurde“.

Ich lasse nun eine mit Erläuterungen versehene Aufzählung der in den Sanden von Mauer festgestellten Säugetiere folgen, wobei die in der Sammlung des Heidelberger geologisch-paläontologischen Instituts vorhandenen Fossilien besonders berücksichtigt sind. Um etwas Vollständiges zu bieten, wäre eine gründliche Bearbeitung des gesamten, in den verschiedenen Sammlungen vorhandenen Materials erforderlich — eine Aufgabe, der sich erfreulicherweise in letzter Zeit einige Spezialforscher zugewendet haben.

Felis leo fossilis = Felis spelaea Goldfuß? Von einer großen Katze aus den Mauerer Sanden befinden sich im geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg ein isolierter P 4 (Reißzahn) des Oberkiefers und das Bruchstück eines linken Unterkiefers mit M 1 (Reißzahn), von dem die vordere Zacke fehlt; von P 4 und P 3 ist außerdem die Krone abgebrochen, und von C steckt nur noch ein Teil der Wurzel in der Alveole[V.]. Nach W. v. Reichenau[65], der diese Objekte bestimmt, in seinen Beiträgen zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach S. 303/4 beschrieben und auf Taf. IX, Fig. 1 und Taf. X, Fig. 1 abgebildet hat, rühren sie von einem Individuum her, das, wie der stark abgenutzte P 4 sup. zeigt, in einem vorgeschrittenen Alter stand. Besagter Zahn weist relativ kleine Dimensionen auf: Seine Länge — Vorderrand des Innentuberkels mitgemessen — beträgt nämlich nur 36 mm, während sie sich sonst bei Felis spelaea zwischen 39–43 bewegt.