Felis cfr catus. Hiervon liegt ein 3. oder 4. Rückenwirbel vor, den ich jüngst in dem unteren Horizonte der Mauerer Sande angetroffen habe. Derselbe stimmt gut überein mit dem im Heidelberger zoologischen Institut befindlichen Skelet einer recenten Wildkatze aus der Umgegend von Heidelberg, nur sind die Dimensionen bei dem Wirbel von Mauer beträchtlich größer. Herr H. G. Stehlin hatte die Freundlichkeit, unabhängig von mir eine Bestimmung des letzteren vorzunehmen, die mit der meinigen übereinstimmt. Er schreibt: „Sollte Felis catus ferus auch in den Mosbacher Sanden festgestellt sein, so würde ich den Wirbel auf diese Species beziehen; anderenfalls wäre er am passendsten als Felis cfr catus zu rubrizieren.“ In der Revision der Mosbacher Säugetierfauna von H. Schröder[80] ist Felis catus ferus nicht aufgeführt.

Canis Neschersensis (Croizet) de Blainville. W. v. Reichenau beschreibt in seinen Beiträgen S. 195–201 und Taf. X, Fig. 2–4 drei Unterkieferhälften aus den Mosbacher Sanden sowie zwei P 4 des Oberkiefers, einer ebendaher, der andere von Mauer — letzterer im Museum Hildesheim —, die er dem C. Neschersensis zuteilt, der, in Größe zwischen Wolf und Schakal stehend, fast genau mit dem lebenden Pyrenäenwolf (C. Lycaon Erxl.) übereinstimmt.

Ursus arvernensis Croizet. Von einem verhältnismäßig kleinen Bären wurden mehrfach Reste von Unterkiefern sowie auch einzelne Zähne in den Sanden von Mauer und Mosbach aufgefunden, die von W. v. Reichenau bestimmt, in den bereits erwähnten Beiträgen beschrieben und z. T. auch abgebildet sind. Die mannigfachen Abweichungen, die Ursus arvernensis von den von Ristori zu dem gleichen Formenkreise gestellten Ursus ruscinensis Depéret und Ursus etruscus Cuvier zeigt, sind in der v. Reichenauschen Schrift durch Maße belegt. Unter anderem geht daraus hervor, daß der Kiefer des Ursus arvernensis beträchtlich kleiner, bzw. kürzer ist, als die von Ristori veröffentlichten italienischen.

Die Reste des Ursus arvernensis von Mauer sind leider in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Es befinden sich: 1) Im K. Naturalienkabinett in Stuttgart: eine linke Unterkieferhälfte mit der Zahnreihe, abgebildet bei v. Reichenau Taf. VIII, Fig. 4. 2) Im Römermuseum zu Hildesheim: Bruchstück eines rechten Unterkiefers mit abgebrochenem Caninus, den Alveolen von P 1–3, mit P 4 und M 1 (v. Reichenau Taf. IX, Fig. 3); ferner isoliert: ein oberer Caninus und zwei untere (v. Reichenau Taf. IX, Fig. 11–13), sowie die Krone eines solchen. 3) Im geologisch-paläontologischen Institut der Universität Heidelberg: Ein oberer dritter Incisivus (v. Reichenau Taf. IX, Fig. 15), sowie die Krone eines an der Wurzel abgebrochenen Caninus, den ich jüngst noch in der Schicht des menschlichen Unterkiefers zu sammeln Gelegenheit fand.

Ursus Deningeri v. Reichenau. Dieser neue Formenkreis von großen Bären ist von W. v. Reichenau an Resten aus den altdiluvialen Sanden von Mauer und Mosbach erkannt, die bisher dem Ursus spelaeus Rosenmüller zugesprochen wurden. Allein der Ursus Deningeri weist im Vergleich mit den Höhlenbären beträchtliche Differenzen auf. So besitzt z. B. sein vierter unterer Prämolar „an der Innenseite des kräftigen Protoconids zwei bis drei Sekundärhöcker, die durch eine Furche vom Protoconid getrennt sind“, was ihn vom Höhlenbären auf den ersten Blick unterscheiden läßt. Ursus Deningeri hat Verwandtschaftsbeziehungen zu dem ihm voraufgegangenen Ursus etruscus Cuvier, an den er sich bezüglich der Formen- und Größenverhältnisse, namentlich auch hinsichtlich der starken Variation des Schädels und Kiefers anschließt. Insbesondere zwingt, wie v. Reichenau bemerkt, die Vergleichung des Unterkiefergebisses von Ursus etruscus und Deningeri geradezu zu der Annahme, daß letzterer aus ersterem hervorgegangen ist. Ursus Deningeri erreichte eine beträchtliche Größe, die derjenigen des Höhlenbären nicht nachsteht, wie der im Mainzer Museum aus dem Mosbacher Sande stammende Schädel erkennen läßt, dessen Schädelbasis vom Vorderrande des Foramen magnum bis zum Vorderrande der Alveole des mittleren Schneidezahnes 457 mm mißt. Das Profil des Ursus Deningeri-Schädels ähnelt am meisten dem recenten Ursus beringianus; nur sind die Nasalia des Ursus Deningeri mehr gewölbt und die Prämaxillaria mehr gestreckt. Die Schädelbasis des Ursus beringianus mißt übrigens nur 363 mm.

In einem Nachtrage zu seinen Beiträgen führt W. v. Reichenau aus, daß in den ihm aus der Sammlung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zugegangenen oberen Molaren von Mosbach sich Ursus Deningeri so sehr dem echten Höhlenbären nähert, daß ihm in ersterem eine Ahnenform der Spelaearctos spelaeus-Gruppe vorzuliegen scheine. „Aus der Etruscus-Arvernensis-Reihe würde sich zunächst die noch mehr polymorphe Deningeri-Reihe entwickelt haben, aus welcher dann diejenigen Höhlenbären hervorgingen, denen die drei vorderen Prämolaren des Unterkiefers fehlen.“

Von Ursus Deningeri aus den Sanden von Mauer befinden sich: 1) Im geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg: Ein Oberkieferfragment mit Gaumenplatte und Gebiß (M 2, M 1, P 4 gut erhalten, C z. T. abgebrochen, Incisivi fehlend); ferner die Kronen eines Caninus des linken Unterkiefers und eines M 2 des rechten Oberkiefers. 2) Im Römermuseum Hildesheim: ein Caninus. — Die beiden letztgenannten Objekte sind abgebildet bei W. v. Reichenau Taf. IX, Fig. 5 u. 10.

Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres. Hiervon befinden sich im geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg zwei noch in den Alveolen steckende Molaren (M 3–M 2 inf. dext.), die nach einer Bestimmung des Hr. W. v. Reichenau als Sus priscus Serres bezeichnet sind. Auch Hr. H. G. Stehlin, der so freundlich war, sein Urteil über diese Zähne abzugeben, ist der Meinung, „daß sie ihren beträchtlichen Dimensionen nach ganz wohl zu Sus scrofa priscus Serres gehören können, obwohl sie in der relativen Breite ihren Äquivalenten an der Typusmandibel von Lunel-Vieil etwas nachzustehen scheinen. Die Frage, inwiefern Sus scrofa priscus für älteres Quartär charakteristisch ist, bedarf noch sehr der genaueren Prüfung. Tatsache scheint zu sein, daß S. scrofa des älteren Quartärs meist bedeutendere Körpergröße erreichte, als dasjenige der späteren Zeiten. Allein ich kenne neolithische Suszähne vom Rinnehügel am Burtnecksee, welche in Größe und Struktur auffallend mit der von Harlé im Altquartär von Montsaunés entdeckten übereinstimmen. Auch wird man gut tun, nicht zu übersehen, daß unter den vorderhand als S. scrofa priscus zusammengefaßten Materialien gewiß Differenzen bestehen, welche vielleicht noch einmal zur Unterscheidung mehrerer Varietäten führen könnten. Beim gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse ist das Tier von Mauer am passendsten als Sus scrofa var. cfr pricus Marcel de Serres zu rubrizieren.“ — Auch in den Mosbacher Sanden sind mehrfach einzelne Zähne von Sus scrofa aufgefunden. Nehring, ein ausgezeichneter Kenner der Quartärfaunen Mitteleuropas, gibt an, daß er selbst bei seinen Ausgrabungen in dem Diluvium von Thiede (unweit Braunschweig), Westeregeln (zwischen Magdeburg und Halberstadt), Oberfranken, am Rhein usw. niemals den geringsten Rest von Sus gefunden habe, nur aus präglacialen und aus altdiluvialen Ablagerungen seien ihm solche bekannt geworden. Es ist dies verständlich, wenn man in Betracht zieht, daß die Wildschweine durch anhaltenden Frost ganz besonders leiden; sie können in dem festgefrorenen Boden nicht wühlen und sind somit in der Aufsuchung ihrer Nahrung sehr behindert. Weiteres hierüber findet sich bei O. Schoetensack[79], Beiträge zur Kenntnis der neolithischen Fauna Mitteleuropas 1904 S. 13.

Cervus (Alces) latifrons Johns. Zu den häufigsten Resten gehören nach H. Schröder in den Mosbacher Sanden Skeletteile, Gebisse und Geweihe dieses riesenhaften Elches, dessen Schaufeln an einer sehr langen und kräftigen Stange sitzen. Auch mir fielen die überaus starken Molaren eines Cerviden in den Sanden von Mauer auf, die M. Schlosser zu bestimmen die Freundlichkeit hatte. Einzelne Zähne dieses Elches sind schon in den alten Beständen der Heidelberger Sammlung vorhanden. Es gelang mir, solche aber auch in mehreren Exemplaren in der Fundschicht des menschlichen Unterkiefers festzustellen. — So häufig wie in Mosbach scheint Cervus (Alces) latifrons in Mauer nicht gewesen zu sein. Von zwei zusammengehörigen Prämolaren des rechten Unterkiefers (Nr. 18 d. Heidelb. Sammlg.) mißt P 3 mesiodistal 24,7 mm und P 4 29 mm; der linguobuccale Durchmesser steigt bei ersterem bis zu 17,2 mm, bei letzterem bis zu 20,5 mm an; die Schmelzleisten sind ungemein kräftig ausgebildet.

Cervus elaphus L. var. Reste des Edelhirsches sind häufig in den Mauerer Sanden. Außer Skeletteilen der Extremitäten finden sich besonders oft isolierte Zähne sowie mehr oder weniger fragmentarische Unterkieferhälften. Eine solche (rechte) mit vollständig erhaltener Zahnreihe schließt sich in bezug auf die Länge dieser genau einem uns vorliegenden recenten Cervus elaphus aus der Schweiz an: Die Gesamtlänge von 3 P + 3 M beträgt bei beiden 118 mm; dagegen beträgt die Länge vom Angulus bis zum Incisivrand bei dem Mauerer Exemplar etwa 320 mm, bei unserem recenten aber nur 285 mm. Rütimeyer[67], Fauna der Pfahlbauten S. 59, gibt für den Unterkiefer des recenten Edelhirsches 300 mm und für den großen Pfahlbauhirsch sogar 345 mm an. — Von einem mitten durchgebrochenen, sonst aber — auch an beiden Gelenkflächen — vollkommen erhaltenen Metatarsus gebe ich nachstehend die Maße, verglichen mit den von Rütimeyer mitgeteilten: