MauerPfahlbauhirschRecent
Metatarsus,volle Länge320370260
»obere Gelenkfläche quer38,8 38 30
»untere»» 45 45 34

Von Geweihen, die leider nur in Bruchstücken vorliegen, scheinen sich hauptsächlich die kräftigsten erhalten zu haben. Diese gleichen z. T. den von Pohlig[62] in seiner Abhandlung „Die Cerviden des thüringischen Diluvial-Travertines« als Cervus (elaphus) Antiqui abgebildeten von Taubach; doch ist der Umfang der Stange unmittelbar über der Rose bei zwei von Mauer vorliegenden Exemplaren beträchtlicher (20 und 24 cm!). Ich möchte mir daher in der Bestimmung der Geweihreste des Edelhirsches von Mauer dieselbe Vorsicht auferlegen, wie sie H. Schröder „in Ansehung der ganz außerordentlichen Variabilität der Geweihe und der noch größeren Meinungsverschiedenheiten der Autoren über die Beziehungen und gegenseitige Abgrenzung der Varietäten, namentlich fossiler Hirsche“ in seiner Revision der Mosbacher Säugetierfauna für geboten hält.

Cervus capreolus L. Reste vom Reh sind in den Mauerer Sanden nicht häufig. In der Heidelberger Sammlung befinden sich ein oberes und ein unteres Ende von zwei verschiedenen Geweihstangen, die von ausgewachsenen Tieren herrühren; ferner das Unterkieferfragment eines jugendlichen. Abweichungen von dem recenten Reh vermag ich nicht daran zu erkennen.

Bison sp. nov. ind. Ebenso wie in dem Mosbacher Sande ist ein Bison auch in Mauer häufig. Leider sind die seit Jahrzehnten hier aufgefundenen Reste in alle Himmelsrichtungen zerstreut, so daß ein Studium derselben sehr erschwert ist. Nach den Messungen, die ich an den in dem geologisch-paläontologischen Institut der Universität Heidelberg befindlichen zwei Schädelfragmenten, drei isolierten Hornzapfen und einem Unterkiefer vornehmen konnte, weicht der Bison von Mauer beträchtlich von dem in dem europäischen Diluvium weit verbreiteten Bison priscus Boj. ab. Er schließt sich, soweit sich dies nach den wenigen vorliegenden Resten beurteilen läßt, mehr an den recenten Bison europaeus Ow. an. Da eine erschöpfende Bearbeitung dieser Frage nicht in dem Rahmen dieser Abhandlung liegt, so beschränke ich mich darauf, den von mir genommenen Maßen einige von L. Rütimeyer[67], Die Fauna der Pfahlbauten S. 74 und H. v. Meyer[52], Nova Acta Acad. Leopold., 1835, S. 138 angeführte Vergleichszahlen beizufügen:

Masse des Unterkiefers[VI.]in MillimeternMauerBojanusNordmann
Paläontologie
Südrußlands
Robenhausen
Pfahlbau
nach Rütimeyer
Höhe hinter M 368,26568
Höhe vor P 14238
Länge der Backenzahnreiheetwa 153164147145
M 3Länge42,8454242
Breite19,617,5
M 2Länge27,9312727
Breite19,417,5
M 1Länge23,9312223
P 1–3Längeetwa 56565750

Bison von MauerBison europaeusBison priscus
Schädel-
fragment
1
Schädel-
fragment
2[VII.]
Isolierter Horn-
zapfen
201
Isolierter Horn-
zapfen
202
Isolierter Horn-
zapfen
211
BerlinParisPetersburgSchönbrunnDiluvium (Niederterrasse Kirchheim bei Heidelberg). Städt. Sammlungen Heidelberg. Eig. Messung.Aus dem Rhein bei Sandhofen Mannheim Mus. Frankfurt a. M.Aus dem Rhein Mus. DarmstadtAus dem Rhein Mus. DarmstadtAus dem Rhein Mus. Speyer
Breite der Stirn zwischen d. Einbiegungen über d. Augenhöhlen nach einer geraden Linie264275258220270231330301304345315
Breite der Stirn zwischen der Basis der Hornzapfen260234230280230325355437404379
Umfang der Hornzapfenbasis330290390380364382458
Länge der geraden Linie v. untern Teile der Hornzapfenbasis bis zur Spitze des Zapfens300295230285230460477448382351
Dieselbe Länge nach der Krümmung des Zapfens330330290
vordere Curvatur
385
hintere Curvatur
498320520
vordere
Curvatur
650
hintere
Curvatur
514546487465
Längendurchmesser des Hinterhauptsloches44,543,538304048475148
Entfernung vom Hinterhauptskamme bis zum oberen Rande des Hinterhauptsloches102101100110117107118110128
Größte Breite des Hinterhauptes nach einer geraden Grundlinie260260246200265240297291310
Entferng. v. ein. Hornzapfenbasis zur anderen am hintern Teil des Schädels nach ein. geraden Linie273300302320359400312358

A. Andreae[5] führt unter der Fauna von Mauer auch Bos primigenius Boj. an. Ich konnte unter den im Heidelberger geologisch-paläontologischen Institut befindlichen Tierresten aus den Mauerer Sanden nur Bison priscus feststellen. Auch in den Mosbacher Sanden kommt nach F. Kinkelin[[31] u. [38]] und H. Schröder[[80] u. [81]] nur Bison vor. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß es sich bei den von Andreae erwähnten Resten um solche handelt, die aus der Lößstufe stammen.

Equus sp. Nach brieflicher Mitteilung des Herrn W. v. Reichenau, der mit der Bearbeitung der Equidenreste aus den Sanden von Mosbach und Mauer beschäftigt ist, stellen die aus letzterem Fundorte vorliegenden einzelnen Zähne von Equus in ihrem sehr variablen Verhalten eine Übergangsreihe dar, ausgehend von der Form Equus Stenonis Cocchi (mit kurzachsigem vorderen Innenpfeiler der Kaufläche), bis zur Taubacher Form hinüberleitend. Dasselbe ist bei dem großen Equus Mosbachensis der Fall. Equus germanicus Wüst = E. caballus var. germanica Nehring ist in Mauer nicht vertreten.

Rhinoceros etruscus Falc. ist häufig in den Sanden von Mauer. Namentlich vom Kopfskelet sind zahlreiche Reste aufgefunden; darunter Unterkieferfragmente mit Zahnreihen und isolierte Zähne. Das Gliedmaßenskelet ist u. a. durch ein leidlich gut erhaltenes Becken vertreten; von dem Rumpfskelet kommen häufig Rippen vor. Alles für die Bestimmung der Species wichtige Material, das sich in der Heidelberger Universitätssammlung vorfindet, ist zurzeit in Händen von Henry Schröder, dem ausgezeichneten Kenner der Rhinozeroten, der so freundlich war, mir folgendes vorläufige Ergebnis seiner Untersuchungen zur Verfügung zu stellen: „Betreffend die Rhinocerosreste von Mauer kann ich heute noch auf meiner vor 10 Jahren in der Revision der Mosbacher Säugetierfauna gegebenen Bestimmung des Rhinoceros etruscus Falc. beharren; mir ist bisher kein Stück unter die Hände gekommen, das man als Rhinoceros Merckii deuten könnte, wenn man als Typus dieser Art die Taubacher Form annimmt.“ Die von Schröder angezogene, Rhinoceros etrusc. Falc. betreffende Stelle lautet: „Diese aus dem oberen Pliocän des Arnotales und aus dem Forestbed Englands bekannte Rhinocerosart ist in Mosbach häufig. Die besterhaltenen Stücke besitzt das Museum der Landesanstalt und das Mainzer Museum, beide je einen Schädel mit Prämolaren und Molaren, letzteres einen vollständigen Unterkiefer und ersteres vollständig erhaltene Reihen des definitiven und des Milchgebisses. Rhinoceros etruscus unterscheidet sich durch nur sanft aufsteigende Parietalia, starke, fast horizontal verlaufende Cingula an der Innenseite der Prämolaren des Oberkiefers und größere Niedrigkeit der Zahnkronen von dem echten Rhinoceros Merckii, das zudem noch erheblich größer ist. Die Übereinstimmung der Mosbacher Zähne mit solchen aus dem italienischen Pliocän ist vollkommen. Übrigens vermutete bereits Sandberger Rhinoceros etruscus in Mosbach.“