Man kann es als Regel annehmen, dass es noch immer der bessere Teil der Geistlichen war, welcher mit ständigen Konkubinen in einem der Ehe ähnlichen Verhältnis lebte. Die echten Pfaffen betrachteten aber die Frauen und Töchter der Laien als Wild, auf welches sie Jagd machten und welches sie durch alle möglichen niederträchtigen Verführungskünste in ihre Netze zu locken trachteten.
Diese Künste mussten einen umso größeren Erfolg haben, als ihr Stand die
Pfaffen mit den Frauen in häufige Berührung brachte und die Dummheit der
Männer diesen Verkehr noch erleichterte. Trotz aller Beispiele und
täglich unter ihren Augen vorgehenden Niederträchtigkeiten wurden die
Männer nicht klug, denn die Pfaffen wussten sich einen solchen heiligen
Schein zu geben, dass die Ehetölpel es kaum wagten, auch nur einen
Verdacht zu haben.
Alle Erzählungen von ihrer Liederlichkeit erklärten die Pfaffen natürlich für schamlose Lügen, und war ein Fall einmal gar zu offenkundig geworden, dann verboten sie streng, davon zu reden, und verwiesen auf das Beispiel des Kaisers Konstantin, der einst einen Priester in flagranti ertappte, mit seinem kaiserlichen Mantel zudeckte, und prägten ihren Beichtkindern ein, was der fromme Rabanus Maurus sagt: "Wenn man einen Geistlichen sähe, die Hand auf dem Busen eines Weibes, so müsse man annehmen, dass er sie segne!" - Allerdings befanden sie sich nach solchem Segen gar häufig in "gesegneten Umständen"!
Einer derjenigen Schriftsteller früherer Zeit, welche die Schandtaten der Pfaffen mit der größten Rücksichtslosigkeit aufdeckten, war Poggio Bracciolini, den ich schon früher nannte. Die ganze Kuttenwelt geriet in Alarm, und sein berühmter Gönner Cosmo de Medici empfahl ihm die größte Vorsicht. Im siebten Kapitel, wo wir über den Missbrauch des Beichtstuhls reden, werden einige der von ihm erzählten Fälle mitgeteilt werden.
Felix Hemmerlin, gestorben 1457, Chorherr zu Zürich und Zofingen und Propst zu Solothurn, schildert besonders die Verdorbenheit der Mönche; aber auch von den Weltgeistlichen weiß er manche Dinge zu erzählen, die man für ganz unglaublich halten müsste, wenn sie nicht auch noch von anderen geachteten, ernsten und wahrheitsliebenden Männern jener Zeit bestätigt würden. - Die bestialische Rohheit mancher Pfaffen überstieg alle Begriffe. Selbst die Beschlüsse der Konzilien lieferten die Beweise davon. Bald wird ihnen durch dieselben verboten, barfuß oder in zerrissenen Jacken und Hosen den Gottesdienst zu halten; bald, keine obszönen Grimassen am Altar zu machen und keine schmutzigen Lieder zu singen.
Dies musste ich vorausschicken, um folgender Geschichte Glauben zu verschaffen, die Hemmerlin erzählt: Ein Priester lebte in einem unerlaubten Verhältnis mit einer sehr angesehenen Frau. Die Sache wurde bekannt, und er wurde gezwungen, von seiner Pfarre zu fliehen. Als er verzweiflungsvoll im Wald umherirrte, begegnete ihm ein Mönch, der ihn fragte, weshalb er so betrübt umherlaufe. Der Priester erzählte ganz treuherzig sein Leiden. Aber der vermeintliche Mönch war der Satan - vielleicht auch ein Schalk in einer Kutte - und erwiderte: "Nicht wahr, wenn du das böse Glied nicht hättest, dann könntest du in deiner Pfarrei sicher wohnen?" - "Allerdings, mein Herr", antwortete der Pfarrer. - "Nun, so hebe dein Gewand auf, damit ich es berühre, wie sie es ja auch berührt hat, dann kannst du dich ohne Scheu deiner Gemeinde zeigen, und es wird in dem Augenblick verschwunden sein." Der Geistliche tat, was der Mönch wollte, und rannte dann voller Freude in seine Pfarrei zurück, ließ die Glocken läuten, versammelte die Gemeinde und bestieg die Kanzel. Voll Zuversicht hob er seine Kleider auf - et mox membrum suum abundantius quam prius apparuit.
Sehr lesenswert sind die Schriften von Johann Busch, der Propst der regulierten Chorherrn zu Soltau, in der Nähe von Hildesheim, und Visitator des Erzbistums Magdeburg war. Er verfolgte mit großem Eifer die Priester, welche Konkubinen hielten, und bestrafte sie nicht mit Geld, wie sie es bis dahin gewohnt waren, sondern mit kanonischen Strafen.
Einst lud er einen Pfarrer samt seiner Konkubine zu sich. Ersteren ließ er in das Kloster kommen, aber die Dirne musste draußen bleiben. Auf das schärfste befragt, leugnete der Pfarrer standhaft und beteuerte mit einem heiligen Eid, dass er ganz keusch mit seiner Magd lebe. Nun ging Busch vor die Tür zu dem Mädchen und sagte: "Ich habe gehört, dass du bei deinem Herrn zu schlafen pflegst", aber sie leugnete und meinte, dass sie nur mit Kühen, Kälbern und Schweinen zu tun habe. Als aber Busch sagte, dass ihr Herr bereits gestanden habe, da gestand sie auch, und der geistliche Herr hatte falsch geschworen.
Von den Satirendichtern jener Zeit will ich gar nicht einmal reden, denn
es ist wahrscheinlich, dass sie hin und wieder etwas erfanden, um die
Pfaffen lächerlich zu machen. Ihre Schriften wurden indes überall mit
Beifall gelesen, denn alle Welt war über die freche Sittenlosigkeit der
Pfaffen empört.
Giovanni Francesco Pico, Prinz von Mirandola, der die seltsame Unterredung mit Papst Alexander VI. hatte, schilderte in einer Eingabe an Papst Leo X. (1513) den Verfall des Klerus und ist besonders darüber empört, dass solche Knaben, welche den höheren Geistlichen zur Befriedigung ihrer unnatürlichen Wollust gedient, zum Kirchendienste erzogen wurden.