Mädchen, wenn du dienen musst,
So diene nur den Pfaffen,
Kannst den Lohn im Bett verdienen
Und darfst nicht viel schaffen.
Viele verdorbene Geistliche waren froh, dass die Ehe sie nicht an eine Frau fesselte; sie konnten ihre Lüsternheit nach Abwechslung befriedigen, indem sie die Dirne, die ihnen nicht mehr gefiel, wegjagten und eine neue nahmen. Solche Konkubinate, die leider sehr häufig vorkamen, waren gemeine Hurerei, und dadurch wurde bei den Pfaffen eine Gemeinheit und Rohheit erzeugt, die sich besonders in ihrer Denkungsart über geschlechtliche Dinge äußerte, wie sie in der Ehe wohl nur selten entstehen können.
Solche Pfaffen machten aus ihrer Liederlichkeit gar kein Geheimnis; ja, sie rühmten sich derselben, und gleichzeitige, sehr glaubwürdige Schriftsteller erzählen, dass bei Fress- und Saufgelagen diese "Pfarrfarren" und "Kuttenhengste", wie sie Fischart nennt, mit den Bauern Wetten machten, deren Gegenstand so obszön war, dass ich sie gar nicht einmal näher andeuten mag, obwohl mir alle Prüderie sehr fernliegt.
Ja, diese Pfaffen scheuten sich nicht, ihre unzüchtigen Verhältnisse auf der Kanzel zu erwähnen, und oft machten sie diese Ungeschicklichkeit dadurch noch schlimmer, dass sie dieselbe mit irgendwelchen rohen Späßen würzten.
An den Kirchenweihen wurden von ihnen die wildesten und liederlichsten Gelage gefeiert. Alle benachbarten Pfarrer mit ihren Köchinnen besuchten den Geistlichen, der sein Kirchweihfest feierte, und dann wurde gefressen, gesoffen und andere Liederlichkeiten getrieben.
Als der Bischof von Mainz den Bischof von Merseburg einst besuchte und unterwegs bei einem Pfarrer einkehrte, wo eben das Kirchweihfest gehalten wurde, begleitete ihn sein Leibarzt, der davon folgende ergötzliche Erzählung liefert:
"Der Bischof steigt abe, und nahet zu der Pfarrhe zu, zu seinem Handwerk. Nun hatte der Pfarrher zehn ander Pfarren geladen zur kirchweyhe, und ein yeglicher hatte eine köchin mit sich gebracht. Do sie aber leutte kommen sahen, lauffen die Pfaffen mit den huren alle in einen stalle, sich zu verbergen. Indes gehet ein Grafe, der an des Bischoffs hofe war, in den Hofe, seinen gefug zu thun, und da er in den stall will, darin die hüren und büben geflohen waren, schreyt des pfarrers köchin, Nicht Junker, nicht. Es seind böse hunde darinnen, sie möchten euch beissen. Er leßt nicht nach, gehet hinein vnd findet einen großen hauffen hüren und büben im stalle.
Da der Grafe in die stuben kumpt, hatt man dem Bischoff eyn feyste Ganß fürgesetzt zu essen, hebt der Graf an, vnd sag diß geschicht dem Bischoff zum Tischmerlein, gen abend, kamen sie gen Merßburg, daselbs sagt der Bischoff von Mentz, dies geschicht dem Bischoff von Merßburg. Da das der heylig vatter hörete, betrübet er sich nicht vmb das, das die Plaffen hüren haben, sondern darumb, daß die Köchin die büben im stalle hunde geheißen hätte, vnd spricht, Ach Herre Gott, vergebe es Gott dem weibe, das die gesalbten deß Herren hunde geheißen hat. Das hab ich darumb erzelet das man sehe, wie wir Deutschen das Sprichwort so festhalten, Es ist kein Dörflein so klein, es wird des jars einmal kirmeß darinne. Das aber geschrieben stehet, Es kumpt kein hurer im Himmel, des achten wir nit."
"Da wir uns nun genug mit der Hurerei beschäftigt haben", heißt es in der Predigt, "so wollen wir zum Ehebruch übergehen."
Das Konkubinat war noch am Ende das allerunschuldigste Ergebnis des Zölibatsgesetzes. Einen weit verderblicheren Einfluss auf die Moralität des Volkes hatten die sonstigen aus demselben entstehenden Folgen.