Man hatte eingesehen, dass Pfaffenfleisch sich nicht ertöten lässt, und war weit diplomatischer geworden. Anstatt bei Keuschheitsvergehen an die große Glocke zu schlagen, vertuschte man sie und suchte den Glauben zu verbreiten, als stehe es mit der Keuschheit der Pfaffen sehr gut. Fand man eine Erinnerung nötig, so sorgte man auch dafür, dass keine Kunde davon unter die Leute kam, und in dem Ausschreiben Joseph Konrads, Bischof von Freisingen und Regensburg, an den Regensburger Klerus vom 7. Januar 1796 heißt es ausdrücklich: "Übrigens wollen wir, dass von diesen Statuten keine Nachricht unter das Volk komme, damit nicht der Klerus verachtet und verspottet werde. Wir haben uns auch deswegen der lateinischen Sprache bedient, damit für die Ehre des Klerus gesorgt und das Volk bei seiner guten Meinung erhalten werde, da einige in demselben glauben, es dürfte auch nicht der Verdacht eines schändlichen Verbrechens auf die Priester und seine Seelsorger fallen."

Ein Umlaufschreiben des Bischofs Ignaz Albert von Augsburg vom 1. April 1824 ist im Allgemeinen außerordentlich diplomatisch und umso mehr wird man darin von folgender Stelle frappiert: - "Ja, wir wissen es, dass es bei einigen Pfarrern schon zur Gewohnheit geworden ist, an Kirchfesten und Jahrmärkten mit den Köchinnen zu erscheinen und im Pfarrhaus oder in Wirtshäusern einzusprechen und in später Nacht vollgefressen und vollgesoffen nach Hause zurückzukehren."

In Spanien stand es mit der Sittlichkeit der Geistlichen in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts sehr schlecht, und der Großinquisitor Bertram erklärte: dass die ganze Strenge der Inquisition dazu nötig sei, um Kleriker und Mönche von Verbrechen zurückzuhalten und zu verhindern, dass der Beichtstuhl in ein Bordell umgewandelt werde. - Wie es mit der Moralität der Geistlichen in der Schweiz steht, werden wir im nächsten Kapitel an einigen Beispielen sehen. - In Südamerika überbieten die Pfaffen alle anderen Stände an Liederlichkeit, was dort etwas heißen will. In Peru besteht das Konkubinat in voller Blüte.

Wie es mit der Sittlichkeit der römischen Geistlichkeit in Deutschland steht, will ich hier nicht erörtern. Leser, die in katholischen Distrikten unseres Vaterlandes wohnen, wissen es. Das Zölibat besteht noch, und wenn auch die höhere Bildung unseres Zeitalters es nicht gestattet, dass die Liederlichkeit der Pfaffen mit derselben frechen Unverschämtheit auftritt wie früher, so bleiben die Folgen dieses Zölibats doch überall dieselben. Diese Folgen waren es fast ebenso sehr wie die Habsucht der Pfaffen, welche die Reformation herbeiführten; und wenn das jetzt zusammentretende Konzil über die Mittel beraten sollte, die katholische Religion in den schwankenden Ländern zu rehabilitieren, so sollte es nicht vergessen, dass die Aufhebung des Zölibats das wirksamste sein würde.

Die Möncherei

Im Weltgewühle wohnt
Der Sünde freche Fülle
In heil'gen Mauern thront
Unheiligkeit in Stille

Wie das Mönchswesen entstand, habe ich früher angedeutet. Klöster stiegen im Mittelalter wie Pilze aus der Erde hervor. Bis zur Reformation waren allein 14.993 Bettelmönchklöster errichtet worden! Durch die Reformation und die darauf folgenden Kriege gingen in Deutschland 800 Klöster zu Grunde, in Sachsen allein 130; aber dessen ungeachtet fand Kaiser Joseph II. bei seinem Regierungsantritt noch 1565 Mönchs- und 604 Nonnenklöster in seinen Staaten. Zur Zeit Luthers belief sich die Zahl der Mönche auf 2.465.000 und das stehende Heer der Bettelmönche allein auf eine Million!

Es ist fast unmöglich, alle Spielarten dieser Mönche und Nonnen aufzuzählen und ich unterlasse es daher, wie Marnix de St. Aldegonde in seinem berühmten "Bienenkorb deß heil. Röm. Immenschwarms etc." und bemerke nur mit seinen Worten: "Wie etliche in Schneeweis, etliche inn kohlschwarz, die anderen in Eselgraw, inn grasgrün, in feuerrodt, in himmelblaw, inn bund oder geschecket gekleyd gehn, die eynen eyn helle, die andern ein trübe kapp antragen, die eyn Rauchfarb vom Fegefeuer geräuchert, die andern von Requiem Todenpleych. Den einen Mönch graw wie ein Spatz, den andern hellgraw wie eyn Klosterkatz: Etliche vermengt mit schwarz und weis, wie Atzeln, Raupen vnd Läus, die andern Schwefelfarb und Wolffsfarb, die Dritten Eschenfarb vnd Holtzfarb, etliche inn vil Röcken vber einander, die andern in eyner blosen Kutt: Etliche mit dem hemd vberm Rock, die andern ohn ein hemd, oder mit eym pantzerhemd, oder härin hemd, oder Sanct Johannes Cameelshaut auf bloser haut: Etliche halb, etliche gantz beschoren; etliche bärtig, die andern Unbärtig und Ungeberdig: Etliche gehn barhaupt, vil Barfüßig, aber alle miteynander müßig: Etliche sind ganz Wüllin, etlich Leinin, etlich Schäfin, etlich Schweinin: Etlich füren Juden Ringlein auff der Brust, die andern zwey schwerter kreutzweis zum kreutzstreich darauff geschrenkt, die dritten ein Crucefix für die Bottenbüchs, die Vierten zwen schlüssel. Die fünfften Sternen, die sechsten kräntzlin: die siebenden Spiegel auß dem Eulenspiegel, die achten Bischofshut, die Neunten fligel, die Zehenden Tuchschären, die eylfften Kelch, die zwölfften Muscheln und Jacobsstäb, die Dreizehnden geysseln, die Viertzehenden schilt vnd andre sonst auff der Brust seltsam grillen, von Paternostre, Ringen vnd Prillen. Sehet da, die Feldzeychen sind schon ausgetheylt, es fälen nur die Federpusch, so ziehen sie hin inn Krig gerüst."

Es war dies eine ungeheure Macht, besonders durch ihren Reichtum, zu welchem sie durch die Schenkungen frommer Schwachköpfe und durch - Betrügereien gelangten. Hatte eine Kirche oder ein Kloster Lust nach einem schönen Landstrich, so fand sich bald im Klosterarchiv eine vergilbte Pergamenturkunde, ausgestellt von diesem oder jenem Fürsten der Vorzeit, welcher den ersehnten Landstrich dem Kloster schenkte. Im Kloster St. Medardi zu Soissons war eine förmliche Fabrik von falschen Dokumenten. Der Mönch Guernon beichtete auf dem Sterbelager, dass er ganz Frankreich durchzogen habe, um für Klöster und Kirchen falsche Dokumente zu machen. Da war es denn freilich kein Wunder, dass zur Zeit der Revolution das Vermögen der Geistlichkeit in Frankreich auf 3000 Millionen Franken angeschlagen werden konnte!

Die Pfaffen verschmähen kein Mittel, um reich zu werden, denn sie hatten längst erkannt, dass Geld Macht ist, und dann - sie wollten gut leben. Ihre Gelübde wussten sie damit trefflich zu vereinigen, und was die fanatischen Stifter der Klöster eingerichtet hatten, um dem Wohlleben zu steuern, wurde von ihren Nachkommen so gedreht und gewendet, dass es ihnen zu einer Quelle des Erwerbs und Wohllebens wurde.