Kapuziner haben ihren Novizen Heu und Stroh vorgesetzt oder sie aus Sautrögen essen lassen. Ein Vergnügen, welches sie sich oftmals machten, war, dass sie auf dem Fußboden einen Strich mit Kreide zogen und nun den Novizen befahlen, diesen aufzulecken. Das war an und für sich schon arg genug; aber überdies zogen sie den Strich absichtlich über den Speichel, womit sie die Dielen zu verzieren pflegten.
Oft ließ man die armen Dulder auch exerzieren. Es wurde ihnen ein alter
Kessel über den Kopf gestülpt, ein Bratspieß oder ein Flederwisch an die
Seite gesteckt und eine Bratpfanne als Gewehr über die Schulter gelegt.
Wehe dem Unglücklichen, der es wagte, die Miene zu verziehen oder sich gar Worte des Widerspruchs zu erlauben; ihn erwarteten strenge Strafen. Wenn ein Novize vielleicht beim Gesang zu früh einfiel oder die Tür zu heftig zuwarf, etwas fallen ließ und dergleichen, so war dies eine culpa levis, und man strafte ihn damit, dass man ihn, auf den Knien liegend, mit ausgestreckten Armen ein langes Gebet sprechen ließ oder indem er einen Finger in die Erde steckte, was man Bohnenpflanzen nannte.
Eine culpa media war es, wenn es der Novize unterließ, dem Obern die Hand oder den Gürtel zu küssen, oder vergaß, sich vor dem Allerheiligsten, wenn es vorbeigetragen wurde, zu verneigen oder wenn er ohne Erlaubnis auslief. Für solche Vergehen musste er hungern oder mit seinem Gürtel um den Hals an der bloßen Erde essen.
Ging er "ohne geistliche Waffen", das heißt ohne Rock, Skapulier und Gürtel zu Bette; besaß er irgend etwas als Eigentum; schrieb er Briefe oder opponierte sich gar gegen Obere, dann beging er eine culpa gravis und wurde mit entsetzlichen Hieben, Fasten und Einsperrung bestraft.
Eine culpa gravissima aber war es, wenn er einen anderen geschlagen, verwundet oder gar getötet oder wenn man den Novizen auf wiederholter Unkeuschheit ertappt hatte oder wenn er den Versuch machte, aus dem Kloster zu entweichen. Diese Verbrechen wurden nach den Umständen oder nach der Laune der Obern mit einjähriger Einsperrung bei Wasser und Brot oder auch mit täglicher Geißelung und ewigem Gefängnis bestraft.
Und was für Gefängnisse waren es, in welchen die Ärmsten oft wegen geringer Vergehen jahrelang sitzen mussten. Pater Franz Sebastian Ammann, der Benediktinerstudent im Kloster Fischingen und dann Guardian (Vorsteher) mehrerer Klöster in der Schweiz gewesen war und dem wir die interessantesten und abschreckendsten Aufschlüsse über das jetzige Klosterleben verdanken, beschreibt auch den im Kapuzinerkloster auf dem Wesamlin bei Luzern befindlichen Kerker (Custodie). Er liegt an einem feuchten und grauenhaften Ort, ist von dicken Balken aufgeführt, mit zwei Türen und einem kleinen stark vergitterten Fenster versehen und inwendig ungefähr 12 Fuß lang, 6 breit und ebenso hoch. Da er nicht heizbar ist, so hat hier schon mancher durch Kälte und schlechte Nahrung sein Leben eingebüßt. Wie mögen nun erst dergleichen Löcher im Mittelalter beschaffen gewesen sein.
Die gewöhnliche Beschäftigung der Novizen war sehr dazu geeignet, den Menschen in ihnen zum Vieh herabzuwürdigen. Ihre wissenschaftlichen Studien bestanden darin, dass sie aszetische Schriften oder das Brevier lesen mussten, woraus allerdings sehr viel Weisheit zu holen war! - Dann mussten sie sich im Schweigen und im Niederschlagen der Augen, kurz, in der Heuchelei üben. Wer zu unrechter Zeit den Mund auftat, musste eine Zeitlang ein Pferdegebiss im Mund tragen, und wer seine Augen zu viel umherschweifen ließ, erhielt ein Brille oder Scheuklappen.
Ferner war es das Geschäft der Novizen, zu läuten, die Treppen, Gänge, ja selbst die Abtritte zu fegen. Wer verschlief, der musste mit der Matratze oder mit dem Nachttopf am Hals erscheinen oder im Sarg schlafen. - Holz, Licht und Wasser herbeizuholen, gehörte ebenfalls zu ihren Verrichtungen, und außerdem mussten sie noch im Chor singen bis zur äußersten körperlichen Erschöpfung.
Dabei fehlte es nicht an allerlei Kreuzigungen des Fleisches. Sie mussten in der größten Hitze dürsten, bis sie fast verschmachteten; den Abspülicht der Geschirre als Suppe essen oder, wenn sie hungrig waren, mit jedem Löffel voll Speise eine Leiter hinaufsteigen und durften ihn erst dann in den Mund stecken, wenn sie oben angelangt und noch etwas darin war.