Zu Meran in Tirol musste 1747 an einem Fest ein Kapuziner-Noviz - er war der Sohn eines Grafen - drei Stunden lang gebunden an einem Kreuze hängen und fortwährend rufen: "Erbarmen mir großem Sünder!" - Er hatte einen Krug zerbrochen! Fischingen, in welchem der oben genannte ehemalige Guardian Ammann von seinem siebten bis vierzehnten Jahr war, stand in dem Rufe, eines der sittenreinsten und vorzüglichsten Klöster der Schweiz zu sein, und welche Nichtswürdigkeiten gingen hier vor!

(Öffnet die Augen, Ihr Klösterverteidiger u.s.w. von F. S. Ammann. 7.
Aufl. Bern, bei C. A. Jenni Sohn, 1841. Ein höchst lesenswertes
Schriftchen, welches nur wenige Groschen kostet)

Die liederlichen Patres lebten untereinander wie Hund und Katze und einer suchten den anderen auf jede Weise zu schaden. Ammann wurde von einem seiner Lehrer so lange mit einem schweren Lineal auf die Fingerspitzen geschlagen, bis Blut herausspritzte und die Hände ganz dick geschwollen waren. Dann musste er in einem offenen Gange mitten im Winter zwei Stunden lang auf dem Ziegelboden sitzen; und warum? - Weil er von einem andern Lehrer nichts Böses zu sagen wusste! - Mönche sind nur eins in ihrem Hass gegen die Weltgeistlichen, aber diese werden von ihnen gründlich gehasst.

Ein von dem ehemaligen Benediktiner zu Rom Raffaeli Cocci, 1846 (bei Pierer in Altenburg) veröffentlichtes Buch enthält über die Novizen und über die Klosterverhältnisse so entsetzliche Tatsachen, dass sich beim Lesen derselben die Haare sträuben. Der Unglückliche wurde durch seine von den Geistlichen ganz umgarnten Eltern gezwungen, ins Kloster zu gehen und hatte hier Schreckliches zu leiden, bis es ihm endlich 1842 gelang, nach England zu fliehen, wo er wohl noch lebt.

Interessant ist zu beobachten, wie den Knaben schon von Jugend auf unter dem Schleier der Religion der bitterste Hass gegen die Protestanten in das Herz gepflanzt wird. Diese, lehrte man, beteten den Mammon als Gott an und glaubten nicht an Christus; täglich kämen bei ihnen Fälle vor, wo einer den anderen totschlüge; die Römisch-Katholischen, die in ihre Länder kommen, würden zum Tode verurteilt; sie hätten keine Gesetze, sondern lebten fortwährend in einem anarchischen Zustand.

Wenn ein Novize Vernunft zeigte, dann war es um ihn getan: er hatte die entsetzlichsten Qualen zu erdulden. Man wandte die äußersten Mittel an, den rebellischen Geist des Knaben durch Einwirkungen auf die Sinne zu brechen, was bei vielen zum Wahnsinn führte. Cocci fand einst nach einer schrecklichen Predigt in seiner Zelle ein grinsendes Totengerippe und ein anderes Mal ein scheußliches Gemälde des Jüngsten Gerichts, welches mit vielen Lichtern beleuchtet war. Wenn solche Mittel nicht fruchten wollten, dann folgten die grausamsten Geißelungen.

Weiter unten, wenn ich von den Folgen des Zölibats in den Klöstern rede, wird sich zeigen, welchen schändlichen Verführungen die unter Leitung der Mönche stehenden Knaben ausgesetzt sind, und ein jeder Vater wird daraus erkennen können, wie höchst gefährlich es für seine Kinder ist, wenn er diese in Klosterschulen unterrichten lässt.

Welche Vorteile kann auch diesen Gefahren für die Sittlichkeit gegenüber die Erziehung durch Geistliche gewähren! Der größte Teil derselben, mögen sie nun Katholiken, Lutheraner oder Reformierte heißen, sind beschränkt und diejenigen, die es nicht sind, müssen so scheinen, da ihre Existenz davon abhängt. Die unter ihrer Leitung erzogenen Knaben saugen von Jugend auf eine Menge falscher Ansichten und Vorurteile ein, die sie dann ihr ganzes Leben lang wie eine Sklavenkette mit sich herumschleppen und die ihnen vielfach an ihrem Fortkommen hinderlich sind. Man nehme die Erziehung aus den Händen der Geistlichen und trenne die Kirche durchaus von der Schule; ehe das nicht geschieht, werden wir nicht Männer erziehen, welche den Anforderungen des gegenwärtigen Jahrhunderts entsprechen.

Ich erwähnte oben, dass die Novizen für geringe Vergehen grausam gegeißelt wurden, und muss einiges über das Geißeln überhaupt sagen, da es eine ganz außerordentlich große Rolle in der römischen Kirche und besonders in den Klöstern spielt. Ich habe einen ganzen Band über das Geißeln geschrieben, und andere haben es vor mir getan, aber dennoch den Gegenstand nur oberflächlich behandeln müssen, da er in der Tat zu reichhaltig ist, um in einem Band erschöpft werden zu können. Hier muss ich mich vollends nur auf wenige und fragmentarische Angaben beschränken.

Schon unter den Christen der ersten Jahrhunderte gewann der Gedanke Raum, dass es verdienstlich und zur Erlangung der Seligkeit förderlich sei, sich Entbehrungen und körperliche Qualen freiwillig aufzuerlegen. Der Gedanke lag nahe, sich diese durch selbst erteilte Schläge zu verursachen, und wir finden daher schon frühzeitig unter den Christen Selbstgeißler, besonders unter den Mönchen. In den Statuten vieler Klöster heißt es darüber: "Wenn die Mönche die Geißelung an sich selbst ausüben, so sollen sie sich an Christus, ihren liebenswürdigsten Herrn, erinnern, wie er an die Säule gebunden und gegeißelt ward, und sollen sich bemühen, wenigstens einige geringe von den unaussprechlichen Schmerzen und Leiden selbst zu erfahren, welche er erdulden musste." -