In diese Entzückungen verfiel sie gewöhnlich, nachdem sie das Abendmahl genommen hatte oder wenn sie sich in die Betrachtung eines heiligen Ausspruchs vertiefte. Besonders geschah das, wenn sie über ihren Lieblingstext nachdachte; dieser war: Und das Wort ward Fleisch. Einst geriet sie dabei in eine Verzückung, welche von abends fünf Uhr bis zum anderen Morgen dauerte. Während derselben rief sie plötzlich aus: "Das ewige Wort ist in dem Schoße des Vaters unermesslich groß; aber in Mariens Schoß ist es nur ein Pünktchen. - Deine Größe ist unergründlich und Deine Weisheit unerforschlich, mein süßer, liebenswürdiger Jesus!"

Das innere Feuer drohte- sie zu verzehren, und häufig schrie sie: "Es ist genug, mein Jesus! Entflamme nicht stärker diese Flamme, die mich verzehrt! - Nicht diese Todesart ist es, die sich die Braut des gekreuzigten Gottes wünscht; sie ist mit allzu vielen Vergnügungen und Seligkeiten verbunden!"

So steigerte sich ihr Zustand von einer Stufe des Wahnsinns zur anderen, und endlich bildete sie sich ein, förmlich mit Christus vermählt zu sein und sowohl von ihm wie von ihrem Schwiegervater und dessen Adjutanten, dem Heiligen Geist, Visiten zu erhalten. Die Hysterie erreichte den höchsten Grad, und "der Geist der Unreinheit" blies ihr die wollüstigsten und üppigsten Phantasien ein, so dass sie mehrmals nahe daran war, ihre Keuschheit zu verlieren. Aber die Qualen, denen sie sich nach solchen Versuchungen unterzog, waren entsetzlich. Sie ging in den Holzstall, band einen Haufen Dornengesträuch los und wälzte sich so lange darauf, bis sie am ganzen Körper blutete und der Teufel der Unzucht sie verlassen hatte. So ging es fort, bis endlich der barmherzige Tod ihren Qualen ein Ende machte. Die arme Wahnsinnige wurde natürlich heilig gesprochen.

Die unendlich vielen Abarten des Zisterzienserordens haben sich im Punkte des Selbstgeißelns sehr ausgezeichnet, allein von ihnen keine so sehr wie die Trappisten. Sogar Mönche nannten den Stifter dieses Klosters zu La Trappe den "Scharfrichter der Religiösen". Der Orden war durch die Revolution sehr herabgekommen, aber Karl X. nahm ihn unter seinen besonderen Schutz, und von 1814-1827 zählte man in Frankreich nicht weniger als 600 Nonnenklöster dieses Ordens. Die Geißel war hier an der Tagesordnung, und Mademoiselle Adelaide de Bourbon, die Beschützerin dieser Klöster, wie auch die alternde Frau von Genslis, geißelten sich von Zeit zu Zeit mit den Nonnen in frommer Andacht.

Die Krone der Zisterzienser ist aber die hochgepriesene Mutter Passidea von Siena, von der ich schon früher erzählte, dass sie es für verdienstlich hielt, sich wie einen Schinken in den Rauch zu hängen. Im Geißeln leistete sie Dinge, welche selbst Dominikus den Gepanzerten mit Neid erfüllt haben würden. Die natürliche Folge des unmäßigen Geißelns war ebenfalls ein dem Wahnsinn nahekommender Zustand, in welchem ihr Christus erschien. Das Blut floss aus seinen Wunden, er streckte ihr die Arme entgegen und rief mit zärtlicher Stimme: "Schmecke, meine Tochter, schmecke!" -

Elisabeth von Genton geriet durch das Geißeln förmlich in bacchantische Wut, was aber die Pfaffen heilige Verzückung nannten. Am meisten raste sie, wenn sie, durch ungewöhnliche Geißelung aufgeregt, mit Gott vereinigt zu sein glaubte, den sie sich als einen schönen nackten Mann und in beständigem Bräutigamstaumel mit seiner irdischen Geliebten dachte. Dieser Zustand des Entzückens war so überschwänglich beglückend, dass sie häufig in den Ausruf ausbrach: "O Gott! o Liebe, o unendliche Liebe! o Liebe! o Ihr Kreaturen, rufet doch alle mit mir: Liebe! Liebe!" -

Ich könnte die Zahl solcher Beispiele unendlich vermehren: allein, ich halte es für überflüssig, da die Wirkungen so ziemlich überall dieselben waren.

Dass das Geißeln unter den Strafen die Hauptrolle spielte, kann man sich nach dem Gesagten wohl denken. Die Klosterregel der Heiligen Therese ist so reichlich mit Geißelverordnungen gespickt, dass manches Kloster, welches derselben folgte, ein eigenes Magazin für Ruten haben musste.

Die beschuhten oder graduierten Karmeliter, die sich viel mit dem Studieren beschäftigten und deshalb einige Vorrechte genossen, erhielten dennoch trotz ihrer Gelehrsamkeit bei den kleinsten Vergehen Prügel. Am allerhärtesten wurden aber die Vergehen mit hübschen Klosterfrauen bestraft, besonders ein mit denselben begangenes Verbrechen, welches zwar nicht genannt, aber in dem Orden sehr häufig vorgekommen sein muss. Schon auf den bloßen Verdacht hin, dasselbe begangen zu haben, wurde ein Mönch, ohne Hoffnung auf Milderung oder Barmherzigkeit zu haben, mit ewigem Gefängnis bestraft, und zwar: um dort erbärmlich gequält zu werden, wie der Beisatz in den Statuten lautet.

Nicht so streng scheint man indessen dergleichen Vergehen genommen zu haben, wenn sie mit nichtgeistlichen Frauen begangen wurden, und die Mönche trugen Sorge, dass solche in der Nähe waren. Besonders scheinen die Weiber der Klosterdiener, die in den Wirtschaftsgebäuden, der sogenannten Vorstadt, wohnten, eine große Anziehungskraft für die heiligen Väter gehabt zu haben, und einen besonderen Wert hatten diejenigen Weiber, welche keine Kinder bekamen oder in der Klostersprache "steriles" (Unfruchtbare) waren. - Der bekannte Schriftsteller Karl Julius Weber wohnte einst einer Unterhaltung bei, welche ein Domherr mit seiner Köchin hatte, die von ihm einen höheren Lohn forderte. Der Domherr wollte nicht einsehen, warum sie mehr verlange als eine andere; allein sie machte ihre Vorzüge geltend und rief mit Selbstgefühl: "Ja, ich bin aber auch eine Sterelise!"