Man kann nicht daran zweifeln, dass die Natur auf dieselbe Weise verfährt, weil es außer den Nierenblut-, Samen- und Fettadern (veines emulgentes, spermatiques et adipeuses) noch zwei andere gibt, welche man Lendenadern nennt und die sich zwischen dem Rückgrat, zu beiden Seiten des Rückenmarkes, befinden und vom Gehirn einen Teil der Samenbestandteile herführen, so dass diese durch die Heftigkeit der Peitschenhiebe erhitzte Materie sich in die Teile stürzt, welche zur Fortpflanzung dienen und durch den Kitzel und den Stoß des os pubis zur rohen fleischlichen Lust anreizen."

Diese hier erwähnten Folgen der untern Disziplin - die wir Müttern zur Beachtung empfehlen - waren entweder ihren Anhängern nicht bekannt oder wurden von ihnen nicht gefürchtet, indem sie es, so künstlich zu fleischlicher Lust aufgeregt, vielleicht für umso verdienstlicher hielten, ihr "Fleisch" zu besiegen. Wie die Herren Jesuiten auf diese Wirkung spekulierten, werden wir im letzten Kapitel sehen.

Die Kirche wollte lange Zeit hindurch das Geißeln nicht als eine Notwendigkeit anerkennen; allein die Gegner desselben unterlagen, und das Selbstgeißeln sowohl als das Geißeln als Strafe wurde allgemein und mit einem Fanatismus betrieben, der in unserer Zeit völlig unbegreiflich ist. Der heilige Antonius von Padua kann die Geißelmode nicht genug loben; aber der heilige Franziskus nennt ihn ein "Rindvieh", und ich will dem Heiligen umso weniger widersprechen, als dieses heilige Rindvieh der Urheber der Geißelprozessionen *) wurde, aus denen die Geißlerbrüderschaften hervorgingen, die Jahrzehnte hindurch eine große Rolle in der römischen Kirche spielten.

—— *) Wer sich über den römisch-katholischen Wahnsinn näher unterrichten will, lese "Die christlichen Geißlergesellschaften" von Dr. G. G. Förstemann, oder l'Histoire des Flagelans von Thiers, oder den zweiten Teil der Histr. Denkmale des christl. Fanatismus, die Geißler, von Corvin. ——

Das Geißeln fand unter den frommen Frauen besonders viele Anhänger und wurde in den Nonnenklöstern besonders mit Leidenschaft getrieben. Über den Grund will ich mir weiter keine Untersuchungen gestatten, sondern nur den Verdacht aussprechen, dass der triceps und das os pubis mehr mit dieser Leidenschaft zu tun hatten als die Religion und als die armen Frauen selbst ahnten.

Die Karmeliter hatten eine ziemlich vernünftige Regel, bis sie unter die
Herrschaft der heiligen Therese kamen; dieselbe, welche den Mönchen
buchstäblich die Hosen auszog und diese ihren Nonnen anzog. In den
Regeln, die sie gab, spielte die Selbstgeißelung eine Hauptrolle.
Während der Fasten besonders geißelten sich manche ihrer Mönche und
Nonnen drei- bis viermal täglich, ja sogar während der Nacht.

Das Kloster zu Pastrana war eine freiwillige Marteranstalt. Eine Zelle war gleichsam das Geißelzeughaus. Hier waren alle nur möglichen Geißelinstrumente angehäuft, und jeder Novize hatte das Recht, sich dasjenige Folterwerkzeug auszusuchen, welches ihm für seine Buße am passendsten schien. - Eine beliebte Art der Selbstquälerei war das sogenannte Ecce homo. Sie wurde gewöhnlich in Gesellschaft vorgenommen. Die bußbedürftigen Brüder stellten sich im Refektorium auf. Einer trat nun aus der Reihe heraus. Er war nackt bis zum Gürtel und sein Gesicht mit Asche bedeckt. Unter dem linken Arm schleppte er ein schweres hölzernes Kreuz und auf dem Kopf trug er eine Dornenkrone, in der rechten Hand hatte er eine Geißel. So ging er mehrmals im Refektorium auf und nieder, peitschte sich fortwährend und sagte mit kläglicher Stimme einige besonders zu dieser Gelegenheit verfasste Gebete her. - War er fertig, dann folgten die andern Brüder.

Der Karmeliterorden hat berühmte Geißelhelden und -heldinnen hervorgebracht, und ich erinnere nur an die heilige Therese und an die heilige Katharina von Cardone, von denen ich schon im Kapitel von den Heiligen weitläufiger gesprochen habe. Die Letztere brauchte zum Geißeln Ketten mit Häkchen oder eine gewöhnliche Geißel, in welche sie Nadeln und Nägel steckte oder sie mit Dornenzweigen durchflochten hatte. Mit solchen grässlichen Werkzeugen geißelte sie sich oft zwei bis drei Stunden lang.

Maria Magdalena von Pazzi, eine Karmeliternonne zu Florenz, erlangte durch ihre Selbstquälerei und mehr noch durch die Folgen derselben einen hohen Ruf. Sie war 1566 in Florenz geboren und die Tochter angesehener Eltern. Schon als Kind hatte sie eine Leidenschaft für das Geißeln, und als sie siebzehn Jahre alt war, nahm sie den Schleier. Es war ihre größte Freude, wenn die Priorin ihr die Hände auf den Rücken binden ließ und sie in Gegenwart sämtlicher Schwestern mit eigener Hand auf die bloßen Lenden geißelte.

Diese schon von Jugend auf vorgenommenen Geißelungen hatten ihr Nervensystem ganz und gar zerrüttet, und keine Heilige hat so häufig Entzückungen gehabt. Während derselben hatte sie es besonders mit der Liebe zu tun und schwatzte darüber das wunderlichste Zeug. Der himmlische Bräutigam erschien ihr sehr häufig, und sie sah ihn in allen möglichen Lagen. Einst blieb sie, das Kruzifix in der Hand, sechzehn Stunden lang in Betrachtungen über das Leiden Christi versunken und sah im Geiste eine der Martern nach der anderen, welche er erduldet hatte. Dieser Anblick rührte sie so sehr, dass sie Ströme von Tränen vergoss und ihr Bette davon so nass wurde, als ob es in Wasser getaucht worden wäre. Dann fiel sie in Ohnmacht, blass wie der Tod, und blieb eine lange Zeit ohne Bewegung liegen.