Übrigens ist der Gedanke kein Originalgedanke; es gab schon längst vor mir Leute, welche ihn praktisch ausführten. Der Ritter Bressant de la Rouveraye, empört über die skandalöse Prozession, welche zur Feier der Bluthochzeit in Rom veranstaltet wurde, gelobte, alle Mönche zu kombabisieren, die ihm in die Hände fielen. Wie ein Indianer die Skalpe seiner Feinde, so trug der grimmige Ritter die für die Erfüllung seines Gelübdes zeugenden Trophäen an seinem Wehrgehänge. - Iphauer Bauern, welche das Kloster Birkling in der Grafschaft Kastell zerstörten, nahmen an den erwischten Mönchen dieselbe Operation vor.
Die in den Klöstern herrschende Sittenlosigkeit übertrifft die kühnste Phantasie. Um die Folgen derselben zu verbergen, wurden sehr häufig die Mittelchen der Klosterapotheke in Anspruch genommen, und manches gefallene Mädchen blieb durch ihre Hilfe in den Augen der Welt eine reine Jungfer; aber auch mancher Ehemann verschwand durch sie.
Ammann kennt einen Pater, der einem Mädchen in Rapperswyl, das von ihm
schwanger gewesen sein soll, einen Trank zum Abtreiben gab. Der
Vorgesetzte war genau davon unterrichtet; aber er hielt es "zur Ehre der
Geistlichkeit" nicht für angemessen, davon viel Aufhebens zu machen.
Mönche und Nonnen lebten in der innigsten Vertraulichkeit und schienen der Ansicht, dass sie nur dazu geschaffen wären, sich einander zu ergänzen. Bebel wollte ein Nonnenkloster kennen, in welchem nur eine keusche Nonne gewesen, - die nämlich noch kein Kind gehabt hatte.
Das Kinderbekommen war die Schattenseite des Nonnenlebens, aber die frommen Vestalinnen wussten sich zu helfen. Das Mittel war sehr einfach, "zur Ehre der Geistlichkeit" wahrscheinlich brachten sie die Kinder um. Bei Abbrechung des Klosters Mariakron fand man "in den heimlichen Gemächern und sonst - Kinderköpfe, auch ganze Körperlein versteckt und vergraben", und der Bischof Ullrich von Augsburg erzählt, dass Gregor I., der auch sehr für das Zölibat eingenommen gewesen, davon zurückgekommen sei, als einst aus einem Klosterteiche sechstausend Kinderköpfe herausgefischt wurden. Das Wort des Bischofs mag für diese fast unglaublich klingende Tatsache bürgen.
Als Kaiser Joseph II. diese Wiedehopfnester ausnahm, fragte er einen
Prior: "Wie stark sind sie?" - "Zweihundert, Ew. Majestät." - "Wie?" -
"Ja, Ew. Majestät, wir haben aber auch vier Nonnenklöster zu versehen."
- Der Kaiser drehte dem offenherzigen Prior den Rücken zu, um sein
Lachen zu verbergen.
Die Äbtissinnen waren aber auch für ihre Freunde, die Mönche, auf das liebevollste besorgt. Kranke Nonnen wurden nicht aufgenommen, ja nicht einmal solche, welche einen übelriechenden Atem hatten. Was dieser der Heiligkeit für Hindernisse in den Weg legen soll, kann ich nicht wohl begreifen; allein für die Unheiligkeit ist er höchst unbequem und bei Eheleuten, wenn ich nicht irre, in manchen Ländern ein Grund zur Scheidung.
Nichts ist possierlicher - erzählt der Ex-Prior Ammann - als wenn sich
die Nonnen die körperlichen Gebrechen ihrer geliebten Patres vorwerfen.
Dies erinnert an andere keineswegs der Keuschheit geweihten Häuser, und
viele Geschichtsschreiber aus der Zeit der päpstlichen "babylonischen
Gefangenschaft" sagen auch wirklich geradezu: "Von Nonnen kann man aus
Scham gar nicht sprechen; ihre Klöster sind Hurenhäuser, und ein
Mädchen, das den Schleier nimmt, tut dasselbe, als ob sie sich für eine
Hure erkläre."
Schon die Synode zu Rouen (um 650) sah sich genötigt, das Gesetz zu erlassen: dass Nonnen, die mit Geistlichen oder Laien Unzucht getrieben, durchgeprügelt und ins Gefängnis geworfen werden sollten.
Robert von Abrissel, der Stifter des oben erwähnten Klosters von Fontevrauld, ein sehr heiliger Mann, brachte die Nächte bei Nonnen zu, um seine Stärke zu prüfen in der Tugend der Enthaltsamkeit. Sehr vernünftig war es von ihm, dass er sich zu dieser Probe nur die allerschönsten Nonnen aussuchte. Siegte er, dann war sein Sieg umso verdienstlicher, und unterlag er, nun, dann lohnte es doch auch der Mühe.