Bebel, den ich schon mehrmals nannte, ist sehr reich an spaßhaften
Anekdoten von Mönchen und Nonnen. Zwei mögen hier einen Platz finden.
Ein Mönch, der in einem Nonnenkloster einkehrte, wurde von den Nonnen
auf das freundlichste aufgenommen und bewirtet. Er sprach so viel von
Tugendsinn, Gottesfurcht und Züchtigung, dass ihn die Nonnen für ein
Muster der Enthaltsamkeit hielten und ihm sogar in ihrem eigenen
Schlafsaal ein Bett anwiesen.
Mitten in der Nacht fing der Mönch plötzlich an zu schreien: Ich mag nicht! Ich mag nicht! Man kann sich denken, wie die Nönnchen die Ohren spitzten und wie eifrig sie herbeiliefen, um sich nach der Ursache des sehr verdächtig klingenden Ausrufs zu erkundigen.
Der Schalk erzählte ihnen nun, dass ihm eine Stimme vom Himmel befohlen habe, sich zu der jüngsten Nonne ins Bett zu legen, denn sie beide wären dazu ausersehen, einen Bischof hervorzubringen; er aber wolle nicht.
Die frommen Nonnen waren hocherfreut, wussten ihn zum Gehorsam gegen Gottes Stimme zu bekehren und führten ihn endlich an das Bett der glücklichen Schwester. Als diese einiges Bedenken fand, erklärten sich sogleich alle übrigen bereit, ihre Stelle zu vertreten, so dass sie sich bestimmen ließ und den Mönch zu sich nahm. -
Das Resultat war aber - eine Tochter! Diese konnte freilich nicht Bischof werden; und als man den Mönch zur Rede stellte, schob er den missratenen Bischof darauf, dass die Nonne nicht freiwillig gekommen wäre.
Einen ähnlichen Streich spielte den Nonnen der Pförtner ihres Klosters, welcher den sonderbaren Namen Omnis mundus führte. Während einer Nacht kroch er in die Feueresse und brüllte durch ein großes Rohr in den Kamin ihres Schlafsaals: "O Ihr Nonnen, hört das Wort Gottes!" Die Nonnen zitterten und zagten; als sie aber in der nächsten Nacht wieder dieselbe Stimme hörten, fielen sie alle nieder, denn sie meinten, ein Engel spräche zu ihnen, und sangen: "O Engel Gottes, verkünde uns deinen Willen!"
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten; sie lautete: "Haec est voluntas Domini ut Omnis mundus inclinet vel suppont vos!" - Was bedeutet dieser Orakelspruch? fragten sich die Nonnen und kamen bald dahin überein, dass der Pförtner Omnis mundus bei ihnen schlafe, woraus wohl ein Bischof oder gar ein Papst entstehen sollte.
Der schlaue Pförtner wurde gerufen. Er fügte sich, und die Äbtissin, welche zuerst mit ihm allein blieb, sang beim Hinausgehen: "Wie freut mich das, was mir gesagt worden ist." - Nun kam die Priorin an die Reihe. Diese sang: "Herr Gott, dich loben wir!" Die dritte Schwester: "Der Gerechte wird sich im Herrn freuen", und die vierte: "Lasset uns alle fröhlich sein."
Aber nun hatte das Latein des Pförtners ein Ende, und als er davonlief,
schrien ihm die übrigen Nonnen nach: "Wann erhalten wir denn nun den
Ablass!" (Die Einführung der erzwungenen Priesterehelosigkeit usw. von
Theiner, Bd. 2, S. 108.)