Mit dem Zustand dieses Mädchens ging unterdessen eine traurige Veränderung vor. Das einsame Leben in der Zelle und der Mangel an teilnehmenden Umgebungen waren Veranlassung, dass sie fortwährend an ihren Geliebten dachte, von welchem sie durch Mönchskniffe getrennt worden war. Die Phantasie verweilt so gern bei vergangenen Freuden, besonders in trauriger Einsamkeit. Diese Phantasien nahmen aber bald eine für ihre Gesundheit bedenkliche Richtung. Sie hatte vom Baum der Erkenntnis gegessen, und die veränderte Lebensweise trug sehr viel dazu bei, ihre Sinnlichkeit aufzuregen.

Die Karmeliternonnen dürfen kein Fleisch essen, und ihre Nahrung besteht größtenteils aus stark gewürzten Mehlspeisen und Fischen, welche das Blut erhitzen und der Keuschheit nichts weniger als zuträglich sind. Alberta suchte ihre rebellischen Sinne durch Mittel zu besänftigen, welche gerade das Gegenteil bewirkten, und wurde dadurch in einen solchen Zustand versetzt, dass sie sich endlich genötigt sah, sich dem Klosterarzt zu entdecken. Es war dazu fast zu spät, denn die Hysterie hatte sich beinahe zur Mannestollheit (Nymphomanie) ausgebildet.

Vielleicht wurden die Andeutungen des höchst achtbaren Arztes missverstanden; vielleicht reizte auch das Pikante der Sache den Vorstand des männlichen Karmeliterhospiziums, kurz, er und die Oberin kamen dahin überein, dass er versuchen solle, die Nonne zu kurieren. Er musste der Oberin aber bald gestehen, dass er dieser Kur nicht gewachsen sei und riet nun, es mit der Geißel und häufigem Fasten zu versuchen.

Aber das hieß Öl ins Feuer gießen. Die arme Nonne ging bei diesem Kampf mit ihren Sinnen fast unter, und die Oberin, anstatt aufs neue ärztliche Hilfe herbeizurufen, beschloss, sie von allen lebenden Wesen zu entfernen, damit der Ruf des Klosters nicht leide. Man brachte sie in den abscheulichen Verschlag unter der Treppe, gab ihr nicht einmal notdürftige Nahrung und Kleidung und ließ sie täglich von boshaften Nonnen geißeln; so dass durch die schlechte Behandlung, welche sie acht Jahre lang zu erdulden hatte, ihre Krankheit in Wahnsinn überging. - Alberta wurde nicht wieder gesund; sie endete ihr Leben in einem Irrenhaus.

Es ist eine ziemlich bekannte Erfahrung, dass die Weiber im Allgemeinen weit grausamer sind als Männer. Von der Grausamkeit der Nonnen will ich noch ein anderes, ebenfalls der neueren Zeit angehöriges Beispiel anführen.

Der Wundarzt Friedrich Baumann, der in dem Dörfchen Hornstein in der Nähe einer Prämonstratenserabtei wohnte, hatte eine große Vorliebe für die Klöster und dieselbe wurde von seiner Frau geteilt. Aus diesem Grunde beschlossen beide, ihre jüngste Tochter Magdalena "dem Himmel" zu weihen, da die älteste große Geschicklichkeit und Neigung für die Landwirtschaft zeigte.

Der Hausfreund Baumanns war der Abt der benachbarten Abtei, und er bestärkte die Eltern noch in ihrem Entschluss, ja verwendete sich selbst bei den Klarissinnen in der Hauptstadt für die künftige Aufnahme des Mädchens und bewirkte, dass man von ihr nur eine mäßige Aussteuer verlangte. Magdalena wurde nun in allen einer Nonne dienlichen Geschicklichkeiten und auch in der Wundarzneikunst unterrichtet und meldete sich nach vollendetem sechzehnten Jahr zur Aufnahme.

Sie war ein wunderschönes Mädchen geworden und bezauberte alle Herzen durch ihr anmutiges Wesen. Es fehlte ihr daher auch nicht an Freiern, unter denen der junge Rehling die redlichsten Absichten hatte und in keiner Hinsicht zu verwerfen war. Magdalena blieb aber fest bei ihrem Entschluss, ins Kloster zu gehen, in welchem sie durch ihre bigotte Mutter nur noch mehr bestärkt wurde.

Der Vater war wankend geworden, denn die seltsamen, schmunzelnden Mienen und die höchst besonderen Redensarten des Beichtvaters des Klosters wie auch das habgierige Benehmen der Nonnen erfüllten ihn mit bangen Besorgnissen, aber er hatte nicht die Energie genug, der Mutter und den Pfaffen gegenüber fest aufzutreten.

Magdalena wurde eingekleidet und vor allen Dingen in die Mysterie des Geißelns eingeweiht, für welches das arme Mädchen bald anfing zu schwärmen. Die kleine Disziplin bestand aus 36, die große aus 300 Hieben auf Rücken und Hintern. - Das Noviziat ging zur Zufriedenheit vorüber, und Magdalena tat Profeß zur Verzweiflung des jungen Rehling.