Sie sah aber bald allerlei Dinge, die ihr teils gar nicht gefielen, teils sehr befremdlich vorkamen; allein sie durfte ihre Bemerkungen nicht laut werden lassen. - Endlich kam das Fest der Himmelfahrt Mariä und mit ihm die große Disziplin, die sie nur der Theorie nach und im Allgemeinen kennengelernt hatte. - Das Zimmer, in welchem die Geißelung vorgenommen wurde, war zwar verdunkelt; allein durch die Ritzen der Fensterläden fiel Licht genug herein, um alles, was vorging, ziemlich genau erkennen zu lassen. Nur mit großem Widerwillen löste die schamhafte Jungfrau den Gürtel und entblößte den untadelhaften, wunderschönen Körper, an welchem sich die lüsternen Blicke der alten Klosterkatzen und der Äbtissin weideten.

Magdalena geißelte sich mit allem Eifer, bemerkte aber, dass es die andern Nonnen mehr wie eine Spielerei betrieben. Nur eine Nonne, namens Griselda , übertrieb die Sache so sehr, dass das Blut über ihren Körper herabströmte und die Spitzen der Geißel an manchen Orten wohl einen Zoll tief in das Fleisch eingeschnitten hatten.

Magdalena, welche zur Klosterapothekerin ernannt worden war, eilte ihr zu Hilfe und stellte sie in kurzer Zeit gänzlich wieder her. Sie hatte es aber nicht unterlassen können, Griselda aufzufordern, sich in der Folge nicht wieder zu hart zu geißeln, und dies kam der Äbtissin zu Ohren, welche darüber sehr ungehalten wurde. Als sich Magdalena entschuldigen wollte, schrie sie dieselbe herrisch an und gebot ihr zu schweigen. Die Folge davon war ein erhöhter Bußeifer der Griselda. Diese fuhr nicht allein fort, sich so hart wie früher zu geißeln, sondern quälte sich auch dermaßen mit dem Cilicium - ein stachliger Drahtgürtel, der auf der bloßen Haut getragen wird -, dass die Stacheln tief in das Fleisch eingedrungen waren. Der herbeigerufene Wundarzt erklärte, dass nur die sorgfältigste Operation der Nonne das Leben retten könne, und nun erst verbot die Äbtissin mit Gutbefinden des Beichtvaters der Griselda auf das strengste, sich ferner so heftig zu geißeln.

Magdalena, der nun auch das Aderlassen und Schröpfen überlassen wurde, bemerkte bald, dass die erstere Operation mit der zweiundzwanzigjährigen Schwester Theodora fast jeden Monat vorgenommen werden musste. Sie bemerkte dem Mädchen, dass ein so großer Blutverlust notwendig die Wassersucht zur Folge habe, und die arme Nonne gestand ihr weinend, dass sie dies auf Befehl der Äbtissin tun müsse, um die Wallungen des Blutes und die damit verbundenen wollüstigen Träume und verbotenen Gelüste, welche Folgen des häufigen Geißelns wären, zu unterdrücken, was auch immer für kurze Zeit durch das Aderlassen gelinge. - Die Unterhaltung Magdalenas mit Theodora und andere ähnliche Dinge kamen der Äbtissin zu Ohren und erbitterten sowohl diese als die älteren Nonnen.

Der Pater Beichtvater hatte seine Pläne auf das schöne Mädchen nicht aufgegeben, sondern ging recht systematisch zu Werke, zum Ziele zu gelangen. Auf seine Veranlassung wurde sie zur Oberkrankenpflegerin des Klosters ernannt, welcher Posten sie in häufige Berührung mit dem Pater Olympius brachte, vor dem sie indessen von einer wohlmeinenden Schwester gewarnt wurde. Dieser scheinheilige Schurke machte ihr allerlei geistliche Geschenke und erwies ihr überhaupt so viel Aufmerksamkeit, dass die andern Nonnen neidisch wurden. Magdalena suchte sich von dem ihr übertragenen Amte loszumachen, nur um die Berührungen mit dem Pater Olympius zu vermeiden. Dieser erkannte sehr gut ihre Absicht und machte ihr im Beichtstuhl darüber heftige Vorwürfe, so dass sie genötigt war, denselben zu verlassen.

Magdalena war nun bereits drei Jahre im Kloster, und die Augen waren ihr vollständig geöffnet. Mit Schaudern erkannte sie nun zu spät, dass der Weg zur Rückkehr in die Welt für sie verschlossen sei und verfiel in tiefe Schwermut. Häufig fand man sie seufzend und in Tränen. Es fing ihr an alles gleichgültig zu werden, und in ihrer Betrübnis achtete sie nicht immer auf die vorgeschriebenen Formen und beging allerlei Fehler, die mit leichten Bußen bestraft wurden, welche sie bei ihrer gereizten Stimmung sehr erbitterten.

Zu dieser Zeit war die Tochter eines anderen Wundarztes Nonne geworden, und da sie einige Proben von Geschicklichkeit abgelegt hatte, so nahm man Magdalena ihre bisherige Stelle und fing an, sie mit großer Geringschätzung zu behandeln. Man warf ihr die Geringfügigkeit des von ihr ins Kloster gebrachten Geldes vor und nannte sie ein lästiges, durchaus unnützes Geschöpf.

Nun ging dem armen Mädchen die Geduld aus. Anstatt die Vorwürfe ruhig hinzunehmen, antwortete sie heftig und mit Spott und wollte nicht schweigen, wenn die parteiische Priorin ihr den Mund verbot. Alsbald wurde der Äbtissin dies widersetzliche Benehmen hinterbracht und ihr Magdalena als ein durchaus boshaftes, zänkisches und ungehorsames Geschöpf geschildert. Die Äbtissin fuhr zornig auf und schrie: "Ein solches Benehmen soll dieser Bauerndirne nicht ungestraft hingehen; man muss ihr den Nacken beugen und sie durch Zwang in die Schranken der Ordnung bringen." Damit ließ sie Magdalena zu sich bescheiden.

Diese erschien und sah, dass bereits zwei stämmige Laienschwestern bei der Äbtissin waren; eine der Mägde hatte eine große Kinderrute in der Hand. Die Äbtissin las Magdalena ordentlich den Text und kündigte ihr an, dass sie bestraft werden sollte. Die Arme weinte und bat; alles vergeblich. Endlich äußerte sie in ihrem Eifer, dass sie kein Kind und der Rute längst entwachsen, eine solche Züchtigung auch für eine Nonne unschicklich sei. Die Äbtissin wurde immer zorniger und gebot Magdalena, die Erde zu küssen.

Diese war sehr bereit, dem Befehl Folge zu leisten, denn sie hoffte, dass es mit dieser Strafe für diesmal abgetan sein werde. Kaum lag sie auf der Erde, als sogleich eine der Laienschwestern über sie herfiel und sich auf ihren Rücken setzte, während die andere ihr das Gewand aufhob und die Rute tüchtig gebrauchte. Als dies vorüber war, musste Magdalena der Äbtissin die Hände küssen und sich für die gnädige Strafe bedanken. Die Nonnen standen auf der Lauer und begleiteten sie mit Hohngelächter, als Magdalena wieder in ihre Zelle ging.