Da unsere Erfahrung keinen aus dem Nichts entstandenen Körper kennt und ebenso wenig von der absoluten Vernichtung eines solchen weiß, so kommen wir zu dem Schluss, dass der Stoff, das Körperliche, die Materie weder geschaffen wurde noch vernichtet werden kann, also vorwärts und rückwärts ewig ist.
Der Begriff der Ewigkeit ist für uns unfassbar, weil wir zu ihrer Beurteilung nur die Zeit haben, welche ein endlicher Begriff ist. Ob wir zu der Ewigkeit eine Minute oder eine Million Jahrhunderte hinzutun oder davon hinwegtun, ist gleichgültig, denn es bleibt immer Ewigkeit.
Noch unfassbarer, weil wir dafür auch nicht den Schein eines Anhaltspunktes haben, ist für uns ein absoluter Geist oder absolute geistige Kraft; denn jeder Geist und jede geistige Äußerung, die wir kennen, steht in Verbindung mit der Körperwelt, und ebenso ist uns ein Körper undenkbar ohne geistige Beeinflussung, denn selbst der Stein ist gewissen Gesetzen unterworfen.
Wir kommen daher zu dem Schluss, dass der Stoff und der ihn belebende Geist ewig verbunden waren, und dass ein von der Welt abgesonderter Gott undenkbar und unmöglich ist.
Da Gott die höchste Potenz der Vernunft und der zur Welt zusammengesetzte Stoff das Werk derselben ist, so ist alles, was ist, vernünftig, vollkommen und keiner Verbesserung fähig, wie auch keiner Änderung, die nicht nach den ewigen, absolut vollkommenen Gesetzen vor sich geht. Da nun ein Wunder nach der früher gegebenen Erklärung eine Handlung oder ein Ereignis ist, welches den Naturgesetzen widerspricht, so ist ein solches selbst Gott unmöglich, denn die höchste Vernunft kann nicht irren.
Gott kann also kein Wunder tun und kann keinen Stoff aus dem Nichts erschaffen, ist also nicht allmächtig, und die Vorstellung von einem wundertuenden, allmächtigen Gott ist eine in sich selbst zerfallende. Diejenigen, welche damit ihrer Verehrung vor dem höchsten Wesen den höchstmöglichen Ausdruck gegeben zu haben meinen, sind im Irrtum, da, wie eben gezeigt wurde, diese Vorstellung von Gott eine zu geringe ist.
Sie würde für die Welt im Allgemeinen keine größere Bedeutung haben, wie irgendwelche andere, wenn sie nicht einer Religion zu Grunde läge, welche als Hauptstütze des Despotismus gilt und seit Jahrhunderten zu diesem Zwecke benutzt wurde.
Die Regierungen selbst der als aufgeklärt geltenden Staaten gehen noch immer von der Idee aus, welche ursprünglich Priester und Despoten verband, dass nur Furcht vor der unsichtbaren Macht, welche doch der Hauptfaktor der Religion der Religiösen ist, im Stande sei, die Achtung vor dem Gesetz und dem Fürsten zu erhalten. Aus diesem Grunde wird die Erziehung der Jugend auf das strengste vom Staat überwacht und der Kontrolle der Priester überlassen, damit diese die Kinderseele bereits mit dem Glauben vergiften, welcher zur Erhaltung der Religion absolut nötig ist.
Der Grund dieser Religionspflege, dieser Sorge für den religiösen Sinn von Seiten der Regierungen ist eine mehr oder weniger bewusste Maßregel despotischer Gelüste und Tendenzen und das Vorgeben, dass der religiöse Sinn zum individuellen Wohl der Untertanen mit solcher Strenge aufrechterhalten werde, eine offenbare Heuchelei und handgreifliche Lüge.
Königin Christina von Schweden, die Tochter Gustav Adolfs, war katholisch geworden und hielt sich viel in Rom auf. Als sie den alten Oxenstierna einlud, dorthin zu kommen, entsetzte sich der orthodoxe Protestant bei dem Gedanken, dass der Papst es auf seine Seele abgesehen habe. Christina, die den Papst und seine Absichten besser kannte, antwortete lachend: "Glaubt mir, der Papst gibt nicht vier Taler für eure Seele". Ich glaube kaum, dass irgendeine Regierung aus bloßer väterlicher Teilnahme für das Schicksal einer Seele, nachdem deren Inhaber durch den Tod aus dem Untertanenverband ausgeschieden ist, - vier Silbergroschen geben würde.