Als man Magdalena ihre Freiheit ankündigte, weinte sie laut vor Freuden; allein die Ärmste war so elend, dass sie sich kaum bewegen konnte. Man übergab sie sogleich dem Leibarzt des Kurfürsten und dem Hofwundarzt zur sorgfältigsten Pflege.

Das von beiden über den Zustand des armen Mädchens abgegebene Gutachten sprach sich dahin aus, dass die unaufhörlichen Geißelungen ihr die heftigsten Schmerzen zugezogen hätten, an denen sie fortwährend leide, besonders bei verhärtetem Stuhlgange, ohne dass man dies als eine Wirkung der goldenen Ader betrachten könne. Durch die lange Einsperrung ohne alle Bewegung und durch die heftigen Schläge auf die muskulösen und tendinösen Teile der Schenkel und Füße seien diese so entzündet, und da man bei ihr keine verteilenden Mittel angewendet habe, so hätten sich diese Teile dermaßen verhärtet und zusammengezogen, dass sie gänzlich estorpiert und schwerlich Hoffnung vorhanden sei, sie wieder so weit zu heilen, dass sie ihre geraden Glieder wieder würde gebrauchen können.

Während ihrer ärztlichen Behandlung wurde Magdalena viermal verhört, und es kamen alle im Kloster verübten Schändlichkeiten an den Tag, sosehr sich auch das Pfaffengezücht schlangengleich drehte und wand.

Eine Nonne, namens Paschalia, die ebenso wie Magdalena gequält worden war, sollte wahnsinnig geworden und an einem Nervenschlage gestorben sein; aber einige von den fünf Nonnen, die den Mut hatten, die Wahrheit zu gestehen, behaupteten, sie habe sich in der Verzweiflung im Gefängnis an ihrem Busenschleier erhängt. Dass man auf einen solchen Selbstmord von Seiten Magdalenas ebenfalls gefasst war, ergab sich aus den Papieren der Abtei.

Obgleich alle Umstände gegen die Äbtissin und ihr Gelichter sprachen, obgleich sich über Magdalenas Bestrafung kein einziges Protokoll vorfand, - die Schuldigen wussten sich doch so durchzulügen, dass sie ohne Strafe davonkamen, und die einzige Folge dieser Entdeckungen war eine Einschränkung der Macht der Äbtissin und genauere Beaufsichtigung des Klosters.

Magdalena sollte zeitlebens im kurfürstlichen Hospital bleiben und, wenn sie genesen würde, Freiheit haben, auszugehen, anständige Gesellschaften zu besuchen und zu empfangen. Das Klarenkloster musste ihr die nötige Ausstattung und außerdem jährlich zweihundert Gulden geben.

Erst nach fünf bis sechs Jahren konnte Magdalena wieder gehen, und ihr geknickter Körper erholte sich allmählich. Im Klostergefängnis hatte sie im Fall der Befreiung eine Wallfahrt nach Loreto gelobt. Diese unternahm sie nun mit Erlaubnis der Behörde; allein sie kehrte nicht mehr in die Heimat zurück. Im August 1778 starb sie, fünfundvierzig Jahre alt, in einem Krankenhospital zu Narni in Italien.

Trotz solcher Erfahrungen gibt es doch noch heute Klöster! Und dass in denselben noch ähnliche Schandtaten verübt werden, beweisen die Schriften von Sebastian Ammann, Rafaello Ciocci und andern.

Von der Lieblosigkeit, mit welcher Kranke in den Klöstern behandelt werden, hat uns ebenfalls Ammann folgendes Beispiel erzählt: - "Im Kloster Solothurn litt P. Theophil an einem ungeheuren Leistenbruch so schmerzhaft, dass er verzweifelte. Man legte ihn in einem Zimmer neben der Küche auf einen Strohsack und ließ ihn da zappeln. Niemand besuchte ihn als der Klosterknecht, der ihm dreimal des Tages Essen zutrug. Ich habe in den letzten Tagen seines Lebens nie einen Arzt bei ihm gesehen. Seine Unterleibsbeschwerden, das erschreckliche Elend und die gänzliche Verlassenheit mögen ihm sein martervolles Leben unerträglich gemacht haben. - An einem Tag vor dem Mittagessen, um halb elf Uhr, war ich noch bei ihm und fand ihn äußerst schwermütig; es ist aber gewiss, dass er um elf Uhr noch lebte. Um halb zwölf Uhr wollte der Klosterknabe die Speisegeschirre bei P. Theophil abholen und fand ihn, an der Zimmerdecke aufgeknüpft, leblos. Als wir die Anzeige von diesem Unglück hörten, sprangen wir alle vom Tische auf; ich war der erste bei ihm und wollte mit einem Messer das Handtuch zerschneiden, an dem er hing; aber P. Guardian Raimund untersagte mir dies, weil es schade um das Handtuch sei. Man ging lieber langsam zu Werke, weil man keine Rettung versuchen wollte. Seine Hände und Füße waren noch ganz warm, und ich verlangte, dass man auf der Stelle einen Arzt herhole, damit man die möglichsten Anstalten zum Wiedererwecken des vielleicht noch nicht Entseelten treffe. Allein P. Raimund tobte und verbot die Herbeirufung eines Arztes auf das strengste, weil es ein erschreckliches Ärgernis absetze, wenn es unter die Weltlichen käme, es habe sich ein Kapuziner erhängt. Keine Bürste wurde zum Reiben seines Leibes angewandt, sondern man legte den Leichnam ohne weiteres auf einen Totensarg und machte bekannt, P. Theophil sei an einem Schlagfluss (Apoplexie) gestorben."

Ein anderes Beispiel, wie schnell die Pfaffen diejenigen zu expedieren wissen, die ihnen unbequem oder gefährlich werden, erzählt Rafaello Ciocci.