Der Kampf gegen die Anmaßungen der in ihren Ansprüchen durchaus logischen römischen Kirche würde ohne besondere Schwierigkeiten zu Ende geführt werden können, wenn die Regierungen sich entschließen könnten, ehrlich mit dem Aberglauben zu brechen; allein sie wünschen von demselben zu behalten, was den despotischen Tendenzen ihrer Leiter nützt, welche freiere Institutionen meistens nicht deshalb bewilligen, weil sie von der Berechtigung des Volkes zur Freiheit und Selbstregierung überzeugt, sondern einfach, weil sie zu Konzessionen und Aufgabe eines Teils ihrer Macht gezwungen sind, um nicht alles zu verlieren. Sie fühlen, dass der religiöse und politische Aberglaube Zweige desselben Stammes sind, deshalb hüten sie sorgfältig die Wurzel.

Die Erfahrung lehrt, dass das Wissen den Aberglauben jeder Art zerstört und dass es unmöglich ist, seiner Verbreitung gänzlich Einhalt zu tun, denn wie Luft und Licht dringt das Wissen durch kaum wahrnehmbare Poren in den geistigen Körper des Volks und entwickelt in ihm die latenten, natürlichen Kräfte, welche den Aberglauben zersetzen und ausscheiden.

Es hat Zeiten gegeben, wo der dem Eindringen des Wissens entgegengesetzte Widerstand bedeutend stärker war, als es jetzt der Fall ist und wo die Männer, die sich seine Verbreitung zur Lebensaufgabe stellten, ihr Streben mit Leben und Freiheit zu bezahlen hatten; dennoch ließen sie nicht ab und das Wissen schritt fort. Es wäre törichte Feigheit, den Kampf nicht kräftiger fortzuführen, da der endliche Sieg des Wissens über den Aberglauben von keinem mit gesundem Sinne begabten Menschen mehr bezweifelt werden kann.

Obwohl jeder allgemein für die Verbreitung des Wissens wirken kann, so
ist es doch zweckmäßig, wenn die Kämpfer ihre Wirksamkeit auf besondere
Punkte in der feindlichen Schlachtlinie richten, welche andere
Situationen beherrschen.

Einer der Schlüsselpunkte der feindlichen Stellung ist der persönliche Einfluss der römischen Priester auf das Volk, denn der Aberglaube desselben wurzelt ursprünglich in Autoritätsglauben. Das Volk glaubt, dass die Männer, welche ihm die Lehre der römischen Kirche erklären, achtungswerte Männer sind, die nicht allein selbst glauben was sie sagen, sondern auch einzig und allein das Wohl der Menschen im Auge haben, wenn sie von ihnen unbedingten Glauben und ein Befolgen der von der römischen Kirche verlangten Handlungen fordern. Es wird daher ein verdienstliches Werk sein, dem Volk zu beweisen, soweit dies durch die Geschichte möglich ist, dass die ehrlichen Priester, das heißt diejenigen, die selbst glauben, von unehrlichen Priestern betrogen wurden; dass Aussagen und Fakten, die als wirklich geschehen berichtet werden, zu diesem oder jenem selbstsüchtigen Zwecke erfunden wurden, und dass das ganze Gebäude der Kirche auf einem Fundament von greifbaren Lügen erbaut wurde. Es wird daher verdienstlich sein, historisch nachzuweisen, dass die größte Zahl der Päpste und ihrer Priester bewusste Betrüger waren, welche nicht entfernt das Wohl des Menschen, sondern einzig und allein ihren eigenen Vorteil im Auge hatten und zur Erreichung dieses nichtswürdigen Zweckes die allernichtswürdigsten Mittel anwendeten.

Dies historisch nachzuweisen, ist der spezielle Zweck des nachfolgenden Buches. Mich treibt dazu kein eigennütziger Zweck, denn welcher persönliche Vorteil ließe sich dadurch erzielen? Mich treibt einzig die Liebe zur Wahrheit und der Wunsch, vielleicht einige Menschen, die sich von den Fesseln des Aberglaubens bedrückt fühlen, davon zu befreien, indem ich ihnen zeige, dass diese Fesseln Einbildungen sind; mit dieser Erkenntnis wird der Geist frei.

Da ich nun keinen eigennützigen Zweck mit der Verbreitung der Wahrheit verbinden kann, so dürfte ich gewiss ebenso viel Anspruch auf Glaubwürdigkeit machen, wie irgendein Priester, der, so ehrlich er auch sein mag, doch immer zu derjenigen Klasse gehört, welche von dem, was ich als Lüge bloßlege, Nutzen zieht; allein ich verlange gar keinen Glauben; es stehen ja jedem dieselben Quellen zu Gebot, aus denen ich diejenigen Tatsachen schöpfe, die mir als Beweise dienen und denen ich Glauben schenke, weil ich keinen vernünftigen Grund habe, ihnen zu misstrauen; wer meint, dass ich im Stande sei, irgendwelche Aussagen einem Heiligen oder hochgeachteten katholischen Kirchenlehrer unterzuschieben, kann sich ja leicht davon überzeugen, indem er die von der Kirche selbst anerkannten und veröffentlichten Werke dieser Männer nachliest.

Katholische Priester, welche von Leuten befragt werden, die dieses Buch lesen, werden höchstwahrscheinlich alle oder viele von mir gemachten Angaben als Lügen bezeichnen und viele werden ihnen glauben, wie sie ihnen andere Dinge glauben. Viele Priester werden meine Angaben wirklich für Lügen halten, weil sie eben unwissend sind. Wenn sie im Stande sind, ihre Faulheit zu überwinden und ihnen an der Wahrheit liegt, so mögen sie sich belehren. Dies Buch, welches unendliche Mühe und großen Fleiß erforderte, ist ebenso wohl für ehrlich strebende unwissende Priester, wie für diejenigen geschrieben, welche von ihnen ebenso betrogen werden, wie sie selbst es von Unwissenden oder von bewussten Lügnern wurden.

Das in Rom sich vorbereitende Konzil könnte den Glauben erwecken, als sei es die Absicht des Papstes, die römisch-katholische Religion den Erfordernissen der Gegenwart anzupassen. Es wird sich diese Ansicht jedoch sehr bald als eine irrtümliche herausstellen. Die ganze Handlungsweise sowohl des vorigen, wie des jetzigen Papstes liefert den klaren Beweis, dass beide im Gegenteil danach streben, die Glaubensherrlichkeit des Mittelalters wieder herzustellen, und dass sogar die Hoffnung gehegt wird, sämtliche Protestanten in den Schoß der "alleinseligmachenden" Kirche zurückzuführen. Es liegt dieser Zuversicht eine wunderbare Verblendung, ein gänzliches Verkennen des Zeitgeistes zu Grunde, und wir hegen die wohlbegründete Erwartung, dass diese Kirchenversammlung, welche die Aufmerksamkeit selbst der Gleichgültigen auf religiöse Gegenstände lenken muss, durch die von ihr zu Tage geförderten Glaubensdummheiten der römisch-katholischen Kirche einen härteren Stoß versetzen wird, als es in den letzten Jahren selbst durch die Wissenschaft geschehen ist.

Wie die Pfaffen entstanden sind