Die heilige Passidea, eine Zisterziensernonne aus Siena, quälte sich, noch ehe sie ins Kloster ging, ärger als die Väter der Wüste. Sie geißelte sich mit Dornen und wusch dann die Wunden mit Essig, Salz und Pfeffer; sie schlief auf Kirschkernen und Erbsen, trug ein Panzerhemd von sechzig Pfund Schwere und stieg in gefrierende Teiche, um sich mit einfrieren zu lassen. Ja, sie trieb den Unsinn so weit, dass sie sich mit dein Kopf nach unten lange Zeit in den rauchenden Schornstein hängte! Als sie Nonne war, erschien ihr einst Christus und drückte ihr seine fünf Wundmale ein. Zwei Nonnen sahen durch das Schlüsselloch, wie Jesus sie drückte und verschwand und wie die Wunden bluteten!

Die heilige Klara war aus Assisi und schwärmte mit dem heiligen Franz. Sie lief zu ihm und bat, dass er sie zur Nonne machen und Söhne und Töchter mit ihr zeugen möchte, - natürlich geistlicherweise. Ihre Schwester Agnes wurde bald darauf von derselben Schwärmerei ergriffen, und die armen Eltern waren ganz unglücklich. Die Verwandten wollten die beiden Närrinnen mit Gewalt aus dem Kloster holen, aber da wurde - so erzählt die Legende - Agnes plötzlich so schwer, dass zwölf Männer sie nicht von der Stelle bringen konnten, und der Oheim, der sein Schwert gezogen hatte, blieb stehen, als höre er Hüons Zauberhorn.

Die heilige Klara lebte sehr streng. Als Hemd trug sie eine Schweinshaut oder auch eine Gewebe aus Rosshaaren, und aus Demut küsste sie der schmutzigsten Viehmagd die Füße, welche sie dann erst wusch, als wären sie durch ihren Kuss verunreinigt worden. Als sie starb, fanden sie in ihrem Herzen im kleinen alle Passionsinstrumente, wie in einem Hechtskopf, und in ihrer Blase drei geheimnisvolle Steinchen, sämtlich von gleichem Gewicht, aber wovon eines so schwer als alle drei, zwei nicht schwerer als eins und das kleinste davon so schwer als alle drei waren! - St. Klara war die Mutter der weiblichen Franziskaner, und ihr verdanken wohl 900 Klarissenklöster ihr Entstehen.

Die heilige Katharina von Siena war auch mit Jesus verlobt worden, der ihr einen kostbaren Diamantring an den Finger steckte, welchen aber niemand sah als sie allein. Sie pflegte die ekelhaftesten Kranken, wofür sie mit dem rosinfarbenen Blute aus seiner Seitenwunde getränkt wurde. Seitdem nahm sie von Aschermittwoch bis Himmelfahrt weiter keine Nahrung, sondern lebte bloß vom Abendmahl. Christus drückte ihr auch seine fünf Wunden ein, was der Orden pour le mérite Religionsklasse der Heiligen zu sein scheint. Über diese Auszeichnung kamen die Dominikaner mit den Franziskanern in einen Streit, der vierzig Jahre dauerte und welchen Papst Urban VIII. dahin entschied, dass Katharinas Wundmale nicht geblutet hätten wie die des heiligen Franz. Auch wurde den Malern befohlen, die Heilige nur mit fünf Strahlen vorzustellen.

Die heilige Agnes ließ der Stadtrichter, weil sie seinen Sohn nicht heiraten wollte, nackt in ein Bordell bringen; aber plötzlich bekam sie so lange Haare, dass sie sich darin einwickeln konnte wie in einen Mantel, und das ganze liederliche Haus verwandelte sie in ein Bethaus.

Die heilige Paula, die einst ein unheiliger Jüngling notzüchtigen wollte, erhielt auf ihr Gebet einen garstigen langen Bart, vor dem sich der Liebhaber entsetzte und floh.

Die heilige Brigitte befreite einst ein neapolitanisches Mädchen von einem in Gestalt eines Jünglings auf ihr liegenden Teufel.

Wir wollen die Reihe der Heiligen schließen mit der heiligen Rosa von Lima, einer Dominikanerin, die auf knotigem Holz und Glasscherben schlief und als Nachttrunk einen Schoppen Galle trank. Jesus war von ihrer Heiligkeit so entzückt, dass er an einem Palmsonntag als Steinmetzgeselle zu ihr kam und sich mit ihr verlobte, indem er sprach: "Rosa, Schatz meines Lebens, du sollst meine Braut sein." Maria war mit dabei und gratulierte ihr, indem sie sagte: "Siehe, was für eine große Ehre dir mein Sohn antut." Las die Heilige, so erschien Jesus auf dem Blatt und lächelte sie an; nähte sie, so setzte er sich auf ihr Nähkissen und scherzte mit ihr. Besuchte Jesus eine andere Nonne - denn er hatte gar zu viele Bräute -, so war Rosa vor Eifersucht außer sich, bis er wiederkam.

Ihre heilige Schwiegermutter, die Jungfrau Maria, diente ihr einundzwanzig Jahre lang als Kammerjungfer, und wenn die Frühmette kam, rief sie: "Stehe auf, liebe Tochter, es ist Zeit." Das Kloster wimmelte von Flöhen, aber keiner von diesen freigeisterischen Springern hatte die Dreistigkeit, die Braut Christi zu stechen. - So steht es in der päpstlichen Bulle, welche die Heiligsprechung enthält!

Außer den in diesem Kapitel genannten Heiligen und noch vielen hundert anderen, die ich nicht nannte, beten die römischen Katholiken noch zu einigen, die niemals lebten und die einer lächerlichen Fabel ihren Ursprung verdanken, wie St. Christophorus, St. Georgius, St. Mauritius und 6600 Gesellen, die sieben Schläfer, Ursula mit ihren 11.000 Jungfrauen und St. Guinefort, der ein vierbeiniger Hund war!