Gregor wollte Kaiser und Könige zu seinen Untergebenen machen und keine andere Herrschaft als die seinige auf der Erde dulden. Darum schrieb er an Heriman, Bischof von Metz: "Der Teufel hat die Monarchie erfunden."

Um die christliche Kirche leichter zu regieren, ordnete Gregor an, dass beim Gottesdienst überall die römischen Gebräuche befolgt und die lateinische Sprache gebraucht werden sollten. In den meisten deutschen Kirchen hatte das schon der Römerknecht Bonifazius eingeführt.

In einem seiner hinterlassenen Briefe hat Gregor seine Grundsätze
niedergelegt. (Anm.d.A. Man hat hin und wieder an der Echtheit dieses
Briefes gezweifelt, doch wie mir scheint, ohne besonders gute Gründe.)
Es sind 27, aber ich will nur einige anführen:

Der Papst allein kann den kaiserlichen Schmuck tragen. - Alle Fürsten müssen dem Papst den Fuß küssen und dürfen dieses Zeichen der Ehre außer ihm keinem anderen erweisen. - Es ist dem Papst erlaubt, Kaiser abzusetzen. - Sein Urteil kann von keinem Menschen umgestoßen werden, er aber kann aller Menschen Urteil umstoßen. - Die römische Kirche hat nie geirrt und wird auch nach der Schrift niemals irren. - Derjenige ist kein Katholik, der es nicht mit der römischen Kirche hält. - Der Papst kann die Untertanen vom Eid der Treue lossprechen, den sie einem bösen Fürsten geleistet haben. -

Es scheint mir nicht nötig, noch einige Bemerkungen über Gregor hinzuzufügen. Bischof Thierry von Verdun sagt von ihm: "Sein Leben klagt ihn an, seine Verkehrtheit verdammt, seine hartnäckige Bosheit verflucht ihn."

Ich habe nun das Papsttum bis zum Gipfel seiner Macht begleitet. Der Raum gestattet mir nicht, in derselben Weise fortzufahren und ich muss mich darauf beschränken, aus jedem Jahrhundert einige Päpste biographisch zu skizzieren und an ihnen zu zeigen, wie sie alle danach strebten, Gregor nachzueifern und das von ihnen aufgestellte System der Universalmonarchie zur Ausführung zu bringen und fest zu begründen. Alle gefielen sich in der Vorstellung: "Sich als Christus, die weltlichen Regenten als die Eselin, die er ritt, und das Volk als das Eselsfüllen zu betrachten." - Die Eselin ist unterdessen gestorben, aber das Eselsfüllen ist seitdem ein alter Esel geworden, der geduldig auf sich reiten lässt.

Im elften Jahrhundert trennt sich die griechische Kirche vollends von der abendländischen, indem die griechische behauptete, dass weder die Lehren noch die Disziplin der Letzteren mit der Heiligen Schrift und den heiligen Überlieferungen übereinstimmten, also ketzerisch seien. Die Oberherrschaft des Päpstlichen Stuhls verwarf sie als eine antichristliche Einrichtung.

Unter Hadrian IV., der 1153 den "Apostolischen Stuhl" bestieg, begann der Kampf der Päpste mit den deutschen Kaisern aus dem Geschlecht der Hohenstaufen. Friedrich I., der Rotbart, trat den Anmaßungen des Papstes kräftig entgegen, und die Ehrenbezeugungen, welche derselbe von ihm verlangte, machte er lächerlich, selbst indem er sie gewährte. Friedrich hielt dem Papst den Steigbügel - so weit war es bereits mit den Kaisern gekommen -, aber er hielt ihn auf der rechten Seite, auf welcher der Schinder zu Pferde steigt, und antwortete auf die Bemerkung Hadrians darüber: "Ich war nie Stallknecht, Ew. Heiligkeit werden verzeihen."

Den schwersten Stand hatte Friedrich mit Alexander III. (1159-1181). Es war dies einer der mutigsten und klügsten Päpste, der niemals im Unglück verzagte oder im Glück übermütig wurde; aber stets darauf bedacht war, die Errungenschaften seiner Vorgänger zu behaupten. Der große Kaiser Friedrich kam 1177 zum ersten Mal mit ihm in Venedig zusammen und - küsste ihm den Pantoffel.

Die Pfaffenlegende erzählt, dass der Papst bei diesem Kuss den Fuß auf des Kaisers Nacken gesetzt und gesagt habe: "Auf Schlangen und Ottern mögest du gehen und treten auf junge Löwen und Drachen." Aber Alexander war gewiss viel zu klug, um den ihm an Geist ebenbürtigen Kaiser durch solche unnütze Worte zu reizen, und Friedrich viel zu stolz, um sich dergleichen gefallen zu lassen. Glaublicher ist die Version, dass der Kaiser beim Pantoffelkuss sagte: "Nicht dir gilt es, sondern Petrus", und Alexander antwortete: "Mir und Petrus."