Auch der kräftige König Heinrich II. von England musste sich vor dem
Wort des mächtigen Papstes beugen. Heinrich hatte seinen Liebling,
Thomas Becket, mit Gnaden überschüttet und endlich zum Erzbischof von
Canterbury gemacht. Nun war der Schurke am Ziel. Er verband sich mit dem
Papst gegen seinen Herrn und Wohltäter, dem er durch pfäffische
Niederträchtigkeiten aller Art das Leben verbitterte. Im Unmut rief
einst der geplagte König aus: "Wie unglücklich bin ich, dass ich in
meinem Königreiche vor einem einzigen Priester nicht Frieden haben kann!
Ist denn niemand zu finden, der mich von dieser Plage befreit?"

Diese Worte hörten vier Ritter, welche dem König treu ergeben waren; sie eilten sogleich hinweg, fanden den Erzbischof vor dem von ihm geschändeten Altar, spalteten ihm den Kopf und machten ihn dadurch zum Heiligen, denn Wunder fanden sich. Einige Stallleute des Königs hatten einst dem Pferd des Erzbischofs den Schwanz abgehauen und für diesen Frevel zeugten sie forthin lauter Kinder - mit Schwänzen!

Die Pfaffen schnoben wegen dieses Mordes nach Rache. Alexander drohte mit dem Interdikt, und Heinrich, der sein Volk nicht leiden sehen wollte, unterwarf sich allen Strafen, die der Papst über ihn verhängte. Der König schwor feierlich, dass er den Mord des Erzbischofs nicht gewollt habe; es half ihm nichts. Er musste barfuß zum Grabe des neuen Heiligen wallen, sich hier andächtig nieder werfen und - von achtzig Geistlichen geißeln lassen! Jeder gab ihm drei Hiebe - macht zweihundertundvierzig.

Mit Kaisern und Königen gingen jetzt die Päpste oft wie mit Hunden um.
Als Coelestin III. (1191-1198) den Sohn des in Palästina gestorbenen
Friedrich I., Heinrich VI., gekrönt hatte und dieser ihm den Pantoffel
küsste, stieß er dem Kaiser mit dem Fuße die Krone vom Kopfe, zum
Zeichen, dass er sie ihm geben und nehmen könne.

Der mächtigste Papst aller Päpste war Innozenz III. (1198 bis 1215). Alle Rechte, die Gregor VII. zu haben behauptete, übte dieser mächtige Papst wirklich aus. Als er den Päpstlichen Stuhl bestieg, war er in seiner vollen Manneskraft, denn er war erst 37 Jahre alt. Die Könige zitterten vor ihm, wie Schulknaben vor dem strengen Schulmeister. Allen gab er seine Rute zu fühlen. Johann von England rief einst beim Anblick eines sehr feisten Hirsches aus: "Welches dicke und feiste Tier, und doch hat es nie Messen gelesen!" Aber auch dieser Spötter über das Pfaffentum kroch demütig zum Kreuz, als ihm das heilige Raubtier zu Rom die apostolischen Zähne wies.

Innozenz III. ist der Erfinder der wahnsinnigen Lehre von der
Transsubstantiation, das heißt von der Lehre: dass sich durch die
Weihung des Priesters das Brot und der Wein beim Abendmahl wirklich in
Fleisch und Blut Christi verwandeln.

Hierbei fällt mir die Antwort eines Indianers ein, welchen der Missionar, nachdem er ihm das Abendmahl gereicht hatte, fragte: "Wie viele Götter gibt es?" - "Gar keine", antwortete der Indianer, "denn du hast ihn mir ja soeben zu essen gegeben." Dem rohen Menschen war das Mysterium dieser sublimen Gottfleischfresserei nicht offenbart worden.

Ebenso materielle Vorstellung vom Abendmahl hatte ein lutherischer Bauer. Der Herr Pastor war ein großer Whistspieler, und durch Zufall war eine weiße, runde elfenbeinerne Whistmarke mit unter die runden Oblaten auf den Hostienteller geraten. "Nehmet und esset, denn dies ist mein Leib", sagte der Geistliche und steckte dem Bauer die unglückliche Marke in den Mund. Der Bauer biss herzhaft zu; als er aber das Ding gar nicht klein bekommen konnte, rief er: "Wies der Dübel, Herr Pastor, ick mut 'nen Knoken derwischt hebben!"

Innozenz III. führte auch die Ohrenbeichte ein, von der ich schon früher geredet habe und im letzten Kapitel dieses Buches noch weitläufiger reden werde; ferner das scheußlichste Tribunal, welches jemals die Menschheit schändete - die Inquisition.

Der gefährlichste Feind des Papsttums kam mit dem großen Hohenstaufen Friedrich II. auf den deutschen Kaiserthron. Er hatte in der Jugend unter der Vormundschaft von Innozenz gestanden, aber dennoch wurde er keineswegs ein Pfaffenknecht, vielmehr ein Mann, dessen religiöse Ansichten seiner Zeit bedeutend vorangeeilt waren. Hätte ihn das Volk unterstützt, dann wären vielleicht damals schon dem Papsttum die Flügel gestutzt worden. Sein Wahlspruch war: "Lass lärmen und dräuen und die Esel schreien." Sein Kanzler Petrus de Vinea unterstützte ihn wacker und schrieb unter anderem 1240 gegen die Jurisdiktion des Papstes.