Innozenz V. war der erste Papst, der im Konklave gewählt wurde. Sein Vorgänger Gregor X. hatte nämlich befohlen, dass nach seinem Tod sämtliche Kardinäle in ein Zimmer geschlossen werden sollten, welches für jeden eine besondere Zelle und keinen anderen Ausgang hatte als zum Abtritt. Jeder Kardinal hatte nur einen Diener bei sich. Das Zimmer durfte nicht verlassen werden, bis ein neuer Papst gewählt war. War dies nach drei Tagen nicht geschehen, so erhielt jeder der Kardinäle in den folgenden vierzehn Tagen nur ein Gericht und nach dieser Zeit nur Brot, Wein und Wasser. Diese Hungerkur beförderte merklich den Verkehr mit dem Heiligen Geist!
Unter der Kirchenherrschaft von Nikolaus IV. (1288-1292) regierte über Tirol der wackere Graf Meinhard. Dieser hielt die liederlichen Pfaffen gehörig im Zaum und zog sich dadurch den Zorn des Papstes zu, der ihn in den Bann tat. Meinhard verteidigte sich wacker; er sagte: "Ich bin nicht der Angreifer, sondern meine Bischöfe, die keine Hirten, sondern Wölfe sind. Statt zu lehren, suchen sie sich nur zu bereichern, Bastarde in die Welt zu setzen, zu tafeln und zu zechen. Weidet man so die Schafe Christi? Sie nehmen gerade umgekehrt das Wort: 'Gebet ihnen den Rock'; sie nehmen auch noch den Mantel und sind schlimmer als Juden, Türken und Tataren. Sie blenden das Volk durch Zeremonien, und es genügt ihnen nicht, die Schafe zu melken und zu scheren; sie schlachten sie."
Coelestin V. wurde aus einem einfältigen Eremiten ein noch einfältigerer Papst, und als Kardinal Caetani eines Nachts durch ein versteckt angebrachtes Sprachrohr in sein Schlafzimmer schrie: "Coelestin, Coelestin, Coelestin! - lege dein Amt nieder, denn diese Last ist dir zu schwer", glaubte der Dummkopf, der liebe Gott würdige ihn einer persönlichen Unterredung, und dankte ab.
Kardinal Caetani trat als Bonifazius VIII. (1295-1303) an seine Stelle. Auf einem kostbar aufgezäumten Schimmel, der von den Königen von Apulien und von Ungarn geführt wurde, ritt er zur Krönung. Nach der Rückkehr aus der Kirche, bei welcher Gelegenheit vierzig Menschen im Gedränge selig gedrückt wurden, tafelte er öffentlich, und die beiden Könige standen als Bediente hinter seinem Stuhl und warteten ihm auf.
Den neuen Papst verdross es sehr, dass viele die Abdankung Coelestins als ungültig betrachteten, der überall als Heiliger angestaunt wurde. Um der Sache ein Ende zu machen, ließ ihn Bonifaz einfangen. Der arme heilige Waldesel bat fußfällig, ihn doch wieder in seine Höhle zurückkehren zu lassen; aber all sein Flehen war umsonst. Er wurde auf dem festen Schloss Fumone in ein enges Behältnis eingesperrt, wo er so wenig zu essen bekam, wie er nur immer wollte, so dass er kläglich verhungerte.
Dieser Bonifazius war ebenso stolz wie Gregor VII. und Innozenz III. In einer Bulle von 1294 sagte er: "Wir erklären, sagen, bestimmen und entscheiden hiermit, dass alle menschliche Kreatur dem Papst unterworfen sei und dass man nicht selig werden könne, ohne dies zu glauben."
Dieser ungemessene Stolz musste ihn sehr bald in feindselige Berührung mit stolzen weltlichen Monarchen bringen. Philipp IV. der Schöne, von Frankreich geriet mit Bonifaz auf das heftigste zusammen. Aber der König war kein Heinrich IV., seine Großen keine Deutschen und der Papst kein Hildebrand. Er schrieb zwar an Philipp: "Bischof Bonifaz an Philipp, König von Frankreich. Fürchte Gott und halte seine Gebote! Du sollst hiermit wissen, dass du uns im Geistlichen und Weltlichen unterworfen bist. - Wer anders glaubt, den halten wir für einen Ketzer."
Hierauf antwortete ihm der von seinem Parlament wacker unterstützte Philipp: "Philipp, von Gottes Gnaden, König von Frankreich an Bonifaz, der sich für den Papst ausgibt, wenig oder gar keinen Gruß! Du sollst wissen, Erzpinsel (maxima Tua Fatuitas), dass wir in weltlichen Dingen niemandem unterworfen sind. Andersdenkende halten wir für Pinsel und Wahnwitzige."
Wie jämmerlich erscheint dagegen König Erich von Dänemark, welcher, mit Bann und Interdikt bedroht, schreibt: "Erbarmen, Erbarmen! Was haben meine Schafe getan? Alles was Ew. Heiligkeit mir auferlegen, will ich tragen. - Rede, dein Knecht höret."
Der stolze "Erzpinsel" wurde aber bitter gedemütigt. Philipps Abgesandter, Nogaret, verbunden mit Sciarra Colonna, gegen dessen Familie der Papst die unerhörtesten Grausamkeiten begangen hatte, überfielen ihn in seinem Schloss Anagni und nahmen ihn gefangen. "Willst du die Tiara abtreten, die du gestohlen hast?" schnob ihn der wütende Colonna an. Bonifaz antwortete hochmütig. Da loderte der Zorn des schwer misshandelten römischen Edelmannes hoch auf, er schlug den Papst ins Gesicht und schrie: "Willst du das Maul halten, Höllensohn! alter Sünder!" Mit Mühe hielt Nogaret den Wütenden zurück, dass er seine Rache nicht vollends befriedigte und dem sechsundachtzig jährigen Bösewicht, der Seelenstärke genug hatte, Colonna zuzurufen: "Hier ist der Hals und hier das Haupt!"