Die deutschen Fürsten auf dem Reichstage nahmen diesmal kein Blatt vor den Mund, und in den "hundert Beschwerden der deutschen Nation" sprachen sie geradezu von den Betrügereien der Päpste, was sie nicht einmal heutzutage wagen würden. Überhaupt sagten die Verteidiger der Reformation damals vieles sogar mit dem Beifall der Fürsten, was selbst heute in anständiger Sprache nicht gewagt werden dürfte, aus Furcht vor endlosen Pressprozessen. Man ließ Luthers "Satyren" ungehindert passieren, obwohl sie eigentlich nichts als unflätige Schimpfereien waren.
Der "Gottesmann Lutherus" zeigte wenig Respekt vor Päpsten oder Fürsten, wenn es die Verteidigung seiner Sache galt. Er ging mit ihnen um, als ob sie Bettelbuben gewesen wären, und sagte sowohl dem König von England als dem Herzog Georg von Sachsen auf das allerderbste Bescheid. Den Herzog von Braunschweig nannte er nur den "Hansworst"; aber am schlimmsten kam der Papst weg.
In seinem Buch: "Das Papsttum, vom Teufel gestiftet" nennt er die Kirche "die Lerche" und den Papst "den Kuckuck, der die Eier fresse und dafür Kardinäle hineinscheiße". Er nennt Se. Heiligkeit "einen Gaukler, das Leckerlein von Rom, päpstliche Höllischkeit und Spitzbube, ein epikurisch Schwein, das vom Teufel hintenaus geboren, und will, dass man ihm den Hintern küsse, einen beschissenen und furzenden Papstesel, vor dessen Fürzen sich der Kaiser fürchtet und der alle Fürze der Esel binden und die selbsteigenen angebetet haben will, und dass man ihm dabei noch den Hintern lecke".
Wenn es heutzutage ein Schriftsteller wagen würde, so gegen den Papst zu
schreiben oder gegen den Kaiser Napoleon, dann fiele halb Europa in
Ohnmacht und dem Verfasser winkte ein Pressprozess mit darauf folgendem
Gefängnis, so lang wie das Fegefeuer.
Seine Gegner blieben Luther indes nichts schuldig, und Dr. Eck, den der Reformator stets Dreck nannte, zahlte ihm mit gleicher Münze. Die gewöhnlichen Titel, die man ihm gab, waren Doktor Dreck-Märte, Doktor Sauhund von Wittenberg und dergleichen. Der Jesuit Weislinger sagt von ihm in Bezug auf die Tischreden: "Luther ist Zeremonienmeister bei Hofe, wo man Mist ladet, Advokat zu Sauheim, wo nicht gar Stadtrichter zu Schweinfurt; - gäbe es ein Mistingen, Schmeisau oder Dreckberg, so gehöre der Sauluther dahin." Das war, wie bemerkt, im sechzehnten Jahrhundert "Satyre".
Clemens VII. war ein großer Freund der Mönche. Unter ihm entstanden die Kapuziner, eine Abart der Franziskaner, welche sich von den Letzteren nur durch ihre größere Dummheit und Schweinerei auszeichneten. Die spitzen Kapuzen, die sie tragen und einem Lichtauslöscher sehr ähnlich sehen, können zugleich als ihr Feldzeichen dienen, denn Clemens hoffte durch sie das Licht auszulöschen, welches durch Luther angezündet war.
Paul III. (1539-1549), der nach Clemens Papst wurde, war schon im 26. Jahr Kardinal geworden und zwar, weil er seine schöne Schwester Julia Farnese an Alexander VI. verkuppelt hatte. Er war einer der liederlichsten Päpste. Blutschande, Mord und ähnliche Verbrechen waren ihm geläufig. Er vergiftete sowohl seine eigene Mutter wie seine Schwester!
Doch das sind eigentlich Familienangelegenheiten, die uns weniger angehen. Weit wichtiger war es für die Welt, dass Paul am 27. September 1540 den Orden der Jesuiten bestätigte. Wir werden diese Fledermäuse noch näher kennen lernen und wollen ihnen dann sagen, was sie waren und was sie sind; denn sie selbst wollten und konnten darüber keine Auskunft geben und sagten, sie wären tales quales; das heißt: diejenigen, welche - - -
Julius III. war ein Papst, der noch weniger taugte als seine Vorgänger. Er hielt sich mit dem Kardinal Creszentius gemeinschaftlich Beischläferinnen, und die Kinder, welche dieselben bekamen, erzogen sie gemeinschaftlich, da keiner von beiden wusste, wer der Vater sei. Seinen Affenwärter, einen hässlichen Jungen von sechzehn Jahren, machte er zum Kardinal, und als ihm die andern Kardinäle deshalb Vorwürfe machten, rief er: "Potta di Dio! was habt Ihr denn an mir gefunden, dass Ihr mich zum Papst machtet?"
Der Heilige Vater ließ einst in Rom Musterung über alle Freudenmädchen halten und es fanden sich nicht weniger als 40.000 in der Stadt. Unter einem so liederlichen Papst wie Julius musste ihr Handwerk natürlich gedeihen. Sein Nuntius Johann a Casa, Erzbischof von Benevent, schrieb ein Buch über die Sodomiterei, worin er diese lebhaft in Schutz nimmt. Dies Buch ist 1552 in Venedig gedruckt und - dem Papst dediziert!