Paul IV. war ein vor Stolz halb wahnsinniger, achtzigjähriger Narr und nebenbei ein mordlustiger Pfaffe. Unter ihm konnte die Inquisition nicht genug Opfer erwürgen. Hören wir, was Pasquino über ihn sagte. Aber vorher noch einige Worte über Pasquino.
Nach der Sage war dieser ein lustiger Schneider in Rom, dessen Schwänke viele Leute nach seiner Bude lockten. Dieser gegenüber stand eine verstümmelte Statue, an welcher man häufig Satiren angeklebt fand, die man dem Schneider Pasquino zuschrieb. Daher das Wort Pasquill. Es gibt indessen noch andere Traditionen darüber. Bald wurde nun eine andere Statue am Kapitol dazu ausersehen, Antworten auf die Fragen aufzunehmen, die man an der ersten Statue fand, und so entstand das Frage- und Antwortspiel, welches nicht nur sehr ergötzlich, sondern auch von großem Nutzen war. Es war der römische Kladderadatsch in primitiver Gestalt.
Als Paul IV. 1559 gestorben war, schlug Pasquino folgende Grabschrift vor.- "Hier liegt Caraffa (aus dieser Familie stammte der Papst), verflucht im Himmel und auf Erden, dessen Seele in der Hölle, dessen Aas im Boden ist. Der Erde missgönnte er den Frieden, dem Himmel Gebet und Gelübde; ruchlos richtete er Klerus und Volk zu Grunde; vor den Feinden kroch er, gegen Freunde war er treulos; wollt Ihr alles auf einmal wissen? - er war Papst!"
Der Name Papst war damals in Rom zum Schimpfwort herabgesunken. Pasquino erwiderte einem Fragenden: "Warum jammerst du?" - "Ach, der Schimpf bricht mir das Herz!" - "Nun, was ist's?" - "Du errätst es nicht? - Sie haben mich", ruft er unter Schluchzen, "sie haben mich - einen Papst genannt."
Paul war Kaiser Karls V. erbitterter Feind gewesen und wollte nach dessen Abdankung Kaiser Ferdinands Wahl nicht anerkennen, weil dessen Sohn und Thronfolger, Maximilian, meist unter Lutheranern aufgewachsen sei.
Der Kaiser kehrte sich wenig an den Papst, dazu angeregt durch den Reichs- Vizekanzler Dr. Seld, den Beust Ferdinands I. Dieser Minister sagte in einem Gutachten: "Man lacht jetzt über den Bann, vor dem man sonst zitterte; man hielt sonst alles, was von Rom kam, für heilig und göttlich, jetzt speiet männiglich, er sei alter oder neuer Religion, darüber aus. Die alten Kaiser haben die Päpste beim Kopfe genommen, gestöcket, gepflöcket und abgesetzt; wir haben selbst erlebt, wie Karl mit Clemens umgegangen; solchen Ernstes sind Ew. Majestät nicht einmal benötigt. Übrigens weiß man, dass Se. Heiligkeit die Kardinäle, welche Wahrheiten sagen, Bestien und Narren gescholten, solche mit Stecken geschlagen, woraus anzunehmen, dass dieselben Alters oder anderer Zufälle wegen nicht wohl bei Vernunft und Sinnen seien."
Unter Pius IV. wurde das berühmte Trientiner Konzil geschlossen (im
Dezember 1563), welches achtzehn Jahre versammelt gewesen war, um die
schon längst als notwendig erkannte Reformation der Kirche an "Haupt und
Gliedern" vorzunehmen.
Das Konzilium stand unter der unmittelbaren Beaufsichtigung des Papstes. Kardinal del Monte stand mit ihm durch eine ununterbrochene Kurierlinie zwischen Trient und Rom in fortwährender Verbindung und des Papstes Instruktionen hatten auf alle Beschlüsse den entschiedensten Einfluss. Alle Welt schrie, das Konzil sei nicht bei Trost, aber niemand konnte das ändern.
Der Bischof Dudith von Tina in Dalmatien und mehrere andere sagten: "Der Heilige Geist, der die versammelten Väter in Trient belehrte, kam im römischen Felleisen."
Die Heiligen Väter strengten sich nicht übermäßig an. Alle Monate einmal eine Sitzung, wenn nicht Ferien oder Festlichkeiten die Zeit wegnahmen, und hielt man einmal eine Sitzung, so verging dieselbe meistens mit sehr viel unnützen Redereien.