Man disputierte mit allem Ernst, der so wichtigen Dingen gebührt, über den Rang der Abgeordneten, über Kleidung, Siegel und dergleichen. Dann fragte man, ob man vom Glauben oder von der Reformation anfangen wolle? Endlich entschied man sich dann für den Glauben, da einige Vorwitzige unverschämt genug waren, die Meinung zu äußern, dass die Reformation bei den Häuptern beginnen müsse!
Die Franzosen und selbst die so geduldigen Deutschen verloren die
Geduld. Ein kaiserlicher Gesandter behauptet gar, der Papst und seine
Legaten "hätten die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen, um sich den Schein
zu geben, vorwärts zu gehen, während sie doch rückwärts gingen".
Wenn das Volk, welches sich nach all den schönen Versprechungen auf die
Konziliumsbeschlüsse wie Kinder auf den Heiligen Christ freute, durch
seine Vertreter deshalb anfragen ließ, dann erhielt es immer zur
Antwort, dass der Bericht noch nicht fertig sei".
Als aber der Bericht endlich fertig war, da machte alle Welt ein langes Gesicht und "entsatzete" sich. Beim Schluss der Synode stand der Kardinal von Guise auf und rief: "Verflucht seien alle Ketzer!" "Verflucht! verflucht! verflucht!" brüllten die Herren Gesandten im Chor und der "Heilige Geist" in Rom lachte ins Fäustchen. Dies war freilich nicht der Weg, die Protestanten in den Schoß der Kirche zurückzuführen, welches eigentlich der Hauptzweck der langen Synode war.
Es bedarf in der Tat keiner großen Prophetengabe, um vorhersagen zu können, dass das in diesem Jahr abzuhaltende Konzil ganz denselben römischen Stuhlgang haben wird wie das Trienter. Der alte Mann, der jetzt die wurmstichige Tiara trägt, leidet an der Einbildung, dass wir 1368 schreiben, und handelt demgemäß. Es ist ein Glück, dass es ziemlich gleichgültig ist, was das Konzil beschließt, da sich niemand daran kehren wird, und dass die Tage des Landvogtes Gottes gezählt sind:
Mach' deine Rechnung mit dem Himmel, Landvogt,
Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen.
Das Trienter Konzil war das letzte, welches gehalten wurde, und seine Beschlüsse sind bis auf den heutigen Tag das Gesetz für die römische Kirche. Hume sagt bei der Geschichte der Königin Elisabeth von England: "Das Trienter Konzil ist das einzige, das in einem Jahrhundert beginnender Aufklärung und Forschung gehalten wurde; die Wissenschaften müssten tief sinken, wenn das Menschengeschlecht aufs neue zu einem solchen groben Betrug geschickt würde."
Der protestantische Schriftsteller Heidegger verglich das Papsttum mit einer Hure, die immer unverschämter wird, je länger sie mitmacht. Dieser Vergleich ist zwar nicht sehr höflich; aber wenn man die Beschlüsse des Trientiner Konzils durchliest, - muss man ihm beistimmen. Aller Unsinn, welcher sich allmählich in die christliche Kirche eingeschlichen hatte, wurde dadurch feierlich sanktioniert, und was von der Trientinischen Glaubensformel abwich, hatte "den Verlust der Seligkeit zu erwarten".
Dass aus der Synode nicht viel werden konnte, lag auf der Hand, denn die
Jesuiten nahmen sich ihrer an und soufflierten dem Heiligen Geist.
Dieses Konzil hatte große Folgen, und die allerschlimmste war wohl die, dass die Päpste, welche bisher beständig gegen die weltliche Macht Opposition gebildet hatten, von nun an gemeinschaftliche Sache mit ihr machten, um das sichtbare Streben nach einem besseren Zustande und nach politischer Freiheit zu lähmen.