Die andere Capitulation zwischen dem Hrn Administrator und der Stadt Magdeburg ist mehrentheils auf etliche, zwischen der Stadt und dem Stifte schwebenden streitigen Punkten Erlassung und dann einige Donativ bestanden, so der Hr Administrator der Stadt abtreten und sie damit begnaden wollen, dabei auch zugleich die königl. Maj. zu Schweden noch weitere Begnadigung auf Deroselbst Ankunft und Anwesenheit der Stadt in mehren vertröstet, und sowohl diese letztere als erste Capitulation nicht allein von dem königl. Ambassadeur Johann Stalmann und Ihro Fürstl. Gn., sondern auch — als der königl. Hofmarschall und zu diesem magdeburgischen Wesen Gevollmächtigter, Dietrich von Falckenberg, dazu kommen — von ihm gleichergestalt mit Hand und Siegel vollzogen und bekräftiget werden.
Unter solchen währenden Tractaten versammelte des Markgrafen Obristlieutenant Bock um Mansfeld und Querfurt ziemlich viel Volkes und wohl auf ein paar Tausend zu Roß und Fuß, mit denen er den 8. Octobris vor Halle gezogen, ein Thor eröffnet, 100 Kaiserliche niedergemacht und 300 gefangen genommen. Als aber indeß das Gerücht erschallet, daß der kaiserl. Obrist Marcus Corpes mit vielen Croaten im Anzuge, macht sich der Obristlieutenant Bock mit seinem Fußvolk und der von den Holckischen in Halle abgenommenen Beute geschwind ins chursächsische Land nach Merseburg, Schafstädt, Lauchstädt, und lässet die Reiterei auf Querfurt gehen, darauf die Kaiserlichen auch alsofort nachgesetzt. Da die in Querfurt aber solche Gewalt vernommen, ist keiner darinnen blieben, sondern haben sich alle fortgemacht und ihre Gefangenen laufen lassen; desgleichen hat sich auch das Fußvolk ganz zerstreuet, der Obristlieutenant und andere Officiere sind der Nauenburg zugeeilet und sehr viel Volk von ihnen unterwegens niedergehauen worden. Folgends haben sich die Kaiserlichen auch an die anderen und vom Markgrafen noch übrige besetzte Oerter und Städte gemacht, dieselben unter ihre Gewalt gebracht und das markgräfische Volk daraus zerschlagen und zerstreuet, welches sich dann alles nach Kloster Berge und in die Vorstädte von Magdeburg wenden und retiriren müssen. Weil nun denen Soldaten, wegen Mangel des Getreides, kein Commißbrot ertheilt, weniger (eben so wenig) monatlicher Sold oder Löhnung gereicht und daher nicht wohl gute Ordre (hat) gehalten werden können: haben sie die Bürger in den Vorstädten mit unziemlichen Banquetiren und andern Gewaltsamkeiten dergestalt mitgenommen, daß die Leute fast nichts behalten; und obgleich die am Neuen Markt Eingesessenen, vermittels Eides, Gold und Silber und was sie dergleichen in ihrer Verwahrung gehabt, zum Anlehn heraus geben müssen, man auch überdies den Ornat bei der Domkirche und wo sonst etwas vergraben zu vermuthen gewesen, gesucht, erhoben und zu Gelde gemacht, hat es doch nirgends zudecken oder reichen wollen; worüber das Kloster Berge von den daselbst liegenden Soldaten bis aufs Mauerwerk abgebrochen, das Holz verbrannt und theils in der Stadt herum zu verkaufen getragen worden; da (wenn) auch sonsten die Bauersleute mit großer Lebensgefahr wegen der Kaiserlichen etwas von Speisen und dergleichen auf ihrem Rücken bis an die Thore gebracht, haben ihnen die bergischen Soldaten alles abgenommen und die Stadt dadurch gleichsam selbst bloquiren helfen.
Bei sothanem Zustande und als auf des oftbenannten schwedischen Ambassadeurs beschehene Vertröstungen und Zusagen Keinerlei also erfolgen wollen, ist bei Vielen in der Stadt große Alteration, Furcht und Mißtrauen entstanden: dazu kommen (dazu kam noch), daß von andern Orten man Nachricht gekriegt, wie der König in Schweden noch weit zurück und viel starke Pässe annoch durch die Kaiserlichen besatzet wären, ingleichen, daß der Churfürst zu Sachsen und die Hansastädte dem Markgrafen keine Werbung verstatten, ja allerdings (sogar) das selbiger Oerter (daselbst) erkaufte Pulver und Gewehr anhalten lassen. Dannenhero, obgleich von Anfang dieses Wesens (an), Ein und ander, auch theils von den Predigern der Stadt hierzu wohl inclinirt gewesen und in den Predigten viel, zu diesem Vereinigungswerke dienliche, Worte angefügt: so begunnten (begannen) sie sich doch ziemlich zu verändern, und das Unwesen und widerwärtiges Glück auf die Obrigkeit zu verwälzen, gleich (weil) dieselbe den Herrn unsern Gott, oder, an dessen Statt, seine Diener, das Ministerium, dem Exempel des Königs David nach, nicht gefragt noch mit zu Rathe gezogen hätten, also daß dem Markgrafen nebst dem schwedischen Ambassadeur und dessen Helfern nicht allerdings wohl bei solchem Handel. Jedoch hat man durch gute Zeitungen, und daß Ihro Fürstl. Gn. etliche unterschiedlich zur Tafel nöthigen und sie mit Vieh und anderm, was von den Klöstern und Aemtern hinein gebracht gewesen, beschenken lassen, das Werk in etwas gestillet und diesen Widerspenstigen also das Maul gestopfet.
Der König in Schweden aber, nachdem ihm dieser Zustand wissend worden, hat darauf dem Rathe gar freundlich zugeschrieben und insonderheit des Entsatzes und Succurses halber über die Maaße gute Vertröstung gethan, auch, damit unterdessen das Werk in bessern Stand käme, wollten I. Maj. der Stadt einen erfahrenen Cavalier senden, welcher der Stadt bei solchem Kriegeswesen wohl anständig sein und denen vorfallenden Mängeln Rath und Hilfe verschaffen würde etc.
Zur selbigen Zeit haben die röm. kaiserl. Maj. unterm Dato Wien, den 1424 September Ao. 1630 an den Rath des Inhalts geschrieben, daß I. kaiserl. Maj. mit Befremdung vernommen, welchergestalt als Christian Wilhelm, Markgraf zu Brandenburg, anfänglich in geheim eingeschlichen, sich auch endlich als einen Administratorn des Erzstiftes öffentlich angegeben, der Rath demselben, zu schädlicher Vollführung seines boshaften Intents, Unterschleif und Vorschub gegeben, welches dann desto mehr unverantwortlich, daß solche Factiones allein von etlichen ihres Mittels getrieben, der Gutherzigen und mehr Verständigen Rath aber durch den tumultuirenden Haufen gänzlich untergedrückt und zurückgestellet worden. Ihro kaiserl. Maj. aber wollten Sämmtliche hiermit ermahnen und (ihnen) ernstlich gebieten, daß sie sich obgedachten Markgrafens ferner nicht annehmen, sondern denselben, als des Reiches Feind, aus der Stadt schaffen sollten. Auf erfolgende, gehorsamste Erklärung und wirkliche Parition (Gehorsam) wollten Ihro kaiserl. Maj. der Stadt mit Gnaden gewogen bleiben.
Welches Schreiben der Rath aus des Hrn Administratoris Händen — dessen Officiere den Boten vor dem Thore aufgefangen — bekommen, und wiewohl zur selben Zeit der Rath ihm (seiner) selbst nicht mehr mächtig gewesen, sichs daher auch mit der Beantwortung etwas verzogen, so hat man dennoch endlich allerhöchst gedachter Ihro kaiserl. Maj. auf nachfolgende Gestalt allerunterthänigst geantwortet:
1) Daß der Hr Administrator unversehens, und ohne des Raths Wissenschaft, sich auf die Freiheit oder Neuen Markt gewendet, und weil S. F. Gn. von kaiserl. Maj. nicht per sententiam aliquam condemnirt (durch einen Rechtsspruch verurtheilt), sondern sich bishero in den Städten Lübeck und Hamburg enthalten (aufgehalten), man auch verspüret hätte, daß die neuen Domherren hierzu Ursach gegeben, indem dieselben mit dem Hrn Administrator wegen deroselben Interesse am Erzstifte Tractaten zu pflegen angefangen, weil aber dieselben ihren Fortgang nicht erreicht, das Werk also ausgeschlagen. 2) Wäre, wie in solchen Fällen zu geschehen pflegt, der gemeine Haufe mit zugetreten und I. F. Gn. zur Convoye von der Stadt etlich Fußvolk gelehnet, dasselbe aber wieder abgefordert, auch denen Bürgern alle Ausfälle verboten worden. 3) Weil I. F. Gn. sich in geschwinder Eil mit Kriegesvolk gefaßt gemacht, dasselbe in die Vorstädte und Kloster Berge einquartirt, dahero in der Stadt Mächten nicht, dieselbe abzuschaffen, sondern müßten, was vorgenommen, zu I. F. Gn. Verantwortung stellen. Dabei aber 4) die Stadt Ihrer kaiserl. Maj. allerunterthänigst zu klagen nicht umgehen könne, wie dieselbe ins sechste Jahr hero mit allerhand unerträglichen Beschwerungen und Drangsalen gedrückt worden; denn obwohl die Stadt bald bei Antretung Ihrer kaiserl. Maj. Regierung Ihro (sich) nichts Höheres angelegen sein lassen, als in Deroselben allerunterthänigsten Devotion zu verbleiben, auch ihre Stadt und Brücke, als einen vornehmen Paß vor I. kaiserl. Maj. und Deroselben Armee, zum Besten in Haltung einer starken Anzahl Kriegesvolks, verwahret, desgleichen die kaiserl. Armee Ao. 1627 vor Havelberg proviantirt und die Victualien mit ganzen Schiffen zugefahren, auch über das alles — wegen abgebrochener Vorstädte 133,000 Thaler, die zur Unterhaltung kaiserl. Armee kommen, aufgebracht hätte, etc.: so sei doch, vor (für) alle solche treue Devotion, gemeine Stadt und Bürgerschaft, des h. röm. Reichs Satzungen, ja Ihro kaiserl. Maj. unterschiedlichen Befehligen und Versicherungen schnurstracks zuwider, sehr hart gedrückt und bedränget worden, dann 1) insgemein die evangelischen Stände große Bedrückung im Profan- und Religionsfrieden etliche Jahr hero ausgestanden. 2) Beide Stifter mit unerträglichen exactionibus (Erpressungen) ins sechste Jahr ausgesogen, dadurch der Stadt die Nahrung entgangen und sie um ihre Schulden gekommen. 3) Der Stadt die Commercia zu Wasser und Land gesperret und mit den Zöllen dermaßen übersetzet und die Nahrung dadurch gänzlich entzogen worden. 4) Hätte es mit dem Getreide in beiden Stiftern eben die Beschaffenheit, indem die freie Zufuhr aus denselben ins sechste Jahr hero abgeschnitten; auch zu dem Ende man die beiden Vorstädte mit Einquartirung belegt, damit die darin liegenden Soldaten die Straße desto bas (besser) belegen könnten. 5) Hätten sich etliche Officiere unterstanden, Korn- und Wollhändler (ab) zu geben. 6) Wären weder den Bürgern noch (den) Kirchen und Schulen die Kriegszeit über ihre Pächte abgegeben, sondern unter dem Schein der Contribution entzogen worden, also daß bei sothanen Pressuren die Stadt etliche Tonnen Goldes Schaden gelitten, dabei es 7) nicht geblieben, sondern man hätte die Stadt wider Ihro kaiserl. Maj. Befehl, Versprechung und Willen Ao. 1629 vom 12. Martii bis 26. September aufs härteste gesperrt und ihnen viel Beschwerden, Schmach und Schande zugezogen, wie die alle nach der Länge — nebst dem, was auch die Stadt in der Bloquirung vor Schaden gelitten — in der copeilichen Beilage können gelesen werden. 8) Sei nach aufgenommener Bloquirung die Stadt wiederum von neuem mit Sperrung der freien Zufuhr aus den Erz- und Stiftern Magdeburg und Halberstadt beschwert und geängstiget worden. Und ob sich wohl die Stadt auf I. kaiserl. Maj. sowohl gegen gesammte Hansastädte als auch in specie die Stadt Magdeburg allergnädigst beschehene vielfältige Erklärungen sub datis den 1121 July Ao. 1626, den 20. Octobris Ao. 1629, den 1727 February Ao. 1630 steif und fest gegründet und wider ihre habende Privilegia, auch den Religion- und Profenfrieden nichts präjudicirliches vorzunehmen, gewiß getröstet: so hätte man doch im Monat Aprili des 1630. Jahres vernehmen müssen, wie Hr Johann Reinhard von Metternich und Hans Ulrich Hemmerl an den Rath gesonnen, den neuen Domherren der Clerisei Häuser am Neuen Markt occupiren und einnehmen zu lassen; auch überdies Hr Hemmerl den 6. July Ao. 1630 bei der Nacht ein Mandat an die Domkirchen schlagen lassen, darin alle der augsburgischen Confession verwandte Canonici und Clerici cassiret und ihnen bei Pön der Acht auferlegt werden wollen, binnen 8 Tagen ihre Häuser und Höfe, auch Documenta, Register und dergleichen abzutreten und zu Händen des Martini Stricerii, Propsten zu U. L. Frauen, einzuliefern etc., wie solches alles in dem Beantwortungsschreiben, so die Stadt unter dem Dato den 10. November Ao. 1630 an die röm.-kaiserl. Maj. gethan, dessen Copie im offenen Druck zu befinden ist, mit mehren kann ersehen werden.
Nachdem aber obgedachter Cavalier, Dietrich von Falckenberg, königl. Maj. zu Schweden Hofmarschall, Obrister und Ritter, in unbekannten Schiffmannskleidern durch die kaiserl. Soldatesque und also sicher in Magdeburg gekommen, hat er sich des Kriegeswesens alsofort angenommen, bessere Ordre unter die Soldaten gemacht, auch folgendes — als ihm die königl. Creditiven und Vollmächtigung nachkommen — selbst vor den Rath getreten und selbige gebührendermaße eingehändigt, mit dem Nebenandeuten, gleich wie man auch zugleich aus dem königl. Schreiben vernehmen würde, als sei es gewiß, daß I. Maj. sich mit allem Fleiß dahin bearbeiteten, die Stadt so ehest als möglich zu succuriren und zu entsetzen, wie dann I. Maj. mit hoch betheuerlichen Worten nicht allein solches gegen ihn bekräftiget, sondern auch zu allerletzt gesagt hätten, daß sie verhofften, die Stadt noch wohl eher, als er, Falckenberg, hinein kommen würde, zu succuriren und zu entsetzen. Daß es nun aber so bald noch nicht geschehen, wolle man nicht Ihrer königl. Maj., sondern vielmehr der Zeit Ungelegenheit zumessen, und unterdessen nicht Hände und Füße sinken lassen, zumalen ja es mit der Stadt annoch ein solcher Zustand, daß Ihre königl. Maj., Dero Armee zu hasardiren und in Gefahr zu stürzen, nicht nöthig hätten, welches dann auch die Stadt selbst zugleich mit treffen würde. Er, der von Falckenberg, wolle und erböte sich vor seine Person, so viel mensch- und möglich, das Wesen und Krieges-Etat ihm getreulich und fleißig angelegen sein, und an Mühe und Arbeit nichts ermangeln zu lassen, auch der Stadt in ihren Frei-(heiten) und Gerechtigkeiten nicht hinderlich, sondern vielmehr darin bei seinem Könige beförderlich zu erscheinen etc.
Worauf also der von Falckenberg, anstatt des Königs in Schweden, das Gebot und Commando über die Soldatesque — als die auch allbereits vor seiner Ankunft vor ihr gutes Theils geworben und vorangeschickt gewesen — angetreten, auch folgends die obgeschriebene Capitulationes, als ein von königl. Maj. zu Schweden Gevollmächtigter, ratificirt und mit Hand und Siegel bekräftiget hat. Ihr Fürstl. Gn. haben da alleine Dero Leibcompagnie von 250 Köpfen vor sich behalten, das übrige Volk aber alles unter des von Falckenberg Gewalt überlassen, und weil er die Werbungen im Churfürstenthum Sachsen, Brandenburg und andern Orten nach einander in geheim fortstellen, auch des Volkes — obgleich bisweilen eine Partei von den Kaiserlichen aufgefangen worden — je mehr und mehr zulaufen thäte, als hat er den Rath und gemeine Stadt ersuchet, ob nicht die Bürgerschaft die anlaufende Soldaten in ihre Häuser einnehmen und mit dem schlechten Servis versehen möchten, den Unterhalt oder Sold wolle er selbst verschaffen, auch sobald eine Anzahl Volks beisammen, damit hinaus aufs Land gehen und ein (den einen) oder andern Paß wieder einnehmen.
Es haben aber, obgleich eines Theils sehr dazu gerathen, die mehresten von der Stadt zu dem nicht verwilligen, noch dem Dinge trauen wollen, zumalen weil man gegen die Kaiserlichen ohne vier bis fünf Tausend Mann nichts mehr ausrichten können, und die Exempel, wie es in denen Vorstädten daher gegangen, vor Augen wären, derowegen die Bürgerschaft, um desto besserer Verwahrung und Besetzung der Stadtwälle, sie allein das Falckenberg’sche, unterm Obristen-Lieutenants Trosten Regiment, welches auf 800 Mann stark und das beste Volk war, noch zu ihren ohne das habenden zwei Compagnien einnehmen und auf jeden Knecht wöchentlich 21 Groschen oder den freien Tisch reichen thäten, jedoch müßten zu vorhero — vermöge der getroffenen Capitulation — sowohl Offiziere als gemeine Soldaten sich dem Rathe zugleich mit Eid und Pflicht verwandt machen; was die Offiziere und deren Unterhalt anlangt, ist ihnen durch den Marschall Falckenbergen — als der auf Wechsel von den Kaufleuten in der Stadt Geld haben könnte — gereicht worden.