Wo der Stadt Archive, Briefe und Siegel, Privilegien, Register, Protocolle und andere Urkunden hingekommen, weiß man nicht, sintemal die Vornehmsten des Raths und der Bürgerschaft, so viel deren noch vom Feuer und Schwert übrig geblieben, in einem Jahre nicht wieder in die Stadt gekommen oder (in derselben) unterkommen können. Ob nun solche Documente, Briefe und Handfesten von Jemand aufgehoben, weil alles in Gewölben gelegen und schwerlich verbrannt ist, stehet dahin; gleichwohl ist der Stadt hierin auch ein unwiederbringlicher Schaden geschehen. Was in den Kellern noch gewesen, haben sich die Tillyschen Soldaten, die auf den wüsten Brandstellen Hütten gebauet, zu Nutze gemacht.

Es sind auch die vorlängst schon hierauf wartenden geistlichen Herren und andere der katholischen Religion zugethane Ordenspersonen, Mönche und dergleichen, den Dom — welcher auf dem weiten, geräumigen Platz des Neuen Marktes sammt etlichen Häusern allda unabgebrennt stehen geblieben — zu reformiren hineingekommen und haben sowohl in diesem, als andern (Kirchen) neue Anstalt zu machen, angefangen.

Der König in Schweden, indem er vermuthet, es würde über diesen traurigen Fall, daß die Stadt bei Zeiten nicht secundirt worden, ungleiche Gedanken abgeben, hat lassen ein Manifest ausgehen, darin er anfänglich der Magdeburger Verstoßen in ipso principio et limine angeführt, und dann, daß sie auf die neuen Werbungen und dergleichen Kriegsnothwendigkeiten keine erklecklichen Geldposten auszahlen wollen etc. die Ursache gelegt, wie dessen Chemnitius im ersten Theile seiner schwedischen Kriegesbeschreibung, Fol. 162 gedenkt.

Nachdem nun dieses unaussprechliche Unglück über diese Stadt, so vormals der ersten deutschen Kaiser Residenz gewesen, also ergangen, und die am Leben gebliebenen Magdeburger, so hier, so dahin zerstreuet worden, hat es von den Auswärtigen, zu welchen die vertriebenen Magdeburger gekommen, viel Nachfragens gegeben, wie es zugegangen, daß die Stadt in solchen Jammer und (solche) Noth gerathen sei, ob sie sich etwa nicht gewehrt oder den Soldaten nicht gehörigen Unterhalt gegeben, daß sie fechten können? oder ob die Bürger wären verzagt gewesen und vom Walle gelaufen? oder ob sie es verschlafen hätten? oder ob sie wären so gottlos gewesen, daß sie Gott so strafen müssen? oder wie es sonst so geschehen? etc. Da denn der Eine diese, der Andere eine andere Ursache vorgewendet. Insgemein aber, weil zwei Parteien in der Stadt waren — die eine, so die Conjuncturen mit dem Hrn Administrator rieth und beförderte, die andere, so solche widerrieth und das daraus zu besorgende große Unheil gleichsam verkündigte, legte ein Theil die Schuld auf den andern und waren also, vor wie nach der Eroberung, ganz heftig wider einander. Die, so das Unglück prophezeihet hatten, konnten es offenbar vor Augen stellen, daß es so erfolgt, wie sie gesagt; die andern aber, so das Werk angesponnen und durch Verführung des gemeinen Mannes so zu Wege gebracht, gaben es auf die, so nicht mit eingestimmt; die wären gut kaiserlich gewesen, hätten mit ihnen (den Kaiserlichen) unter einer Decke gelegen, ja gar den Zustand mit der Stadt dem Feinde verrathen, sonst wäre die Sache anders gelaufen etc.

Dieses ist also der rechte, wahre Verlauf mit der Eroberung dieser guten Stadt Magdeburg, welchen sich Niemand, da anders die Wahrheit soll berichtet werden, kann lassen zuwider sein.

Fußnoten:

[1] Zu Lübeck, 1629 den 12. Mai.

[2] „Darunter denn etliche des Raths, des Ministerii, vornehmlich aber der gemeine Mann begriffen gewesen.“ G.

[3] „Darunter die mehresten und vornehmsten des Rathes, weniger aber der Prediger und Bürger sich befanden.“ G.