Was J. F. Gn den Hrn Administrator anbelangt, ist derselbe unterweges auf der Straße, als sie an die Oerter hinreiten und den Kaiserlichen begegnen wollen, von ihnen angetroffen, mit Partisanen und Musketen übel geschlagen und in den Schenkel geschossen worden, bis endlich ein Lieutenant sich derselben angenommen und in des von Pappenheim Gezelt tragen lassen. Des folgenden Tages hat man J. F. Gn nach Wolmirstädt geführt und allda im Gefängnisse curirt. Der Hofmarschall Falckenberg ist, nachdem er geschossen und in eines Bürgers Haus bei Sct Jacob getragen worden, in der Feuersbrunst nebst andern Erschlagenen mit verbrannt und also geblieben. Dem Ambassadeur Stalmann aber hat es geglückt, daß er etliche Tage hernach im Lager bei Fermersleben, durch Hilfe eines ihm wohlbekannten Juden, die eisernen Bande an Händen und Füßen entzweifeilen und bei der, wie man sagt, erpracticirten Anzündung dieses Lagers ausreißen und zum Könige in Schweden flüchten können. Aus dem Rath sind der Bürgermeister Martin Brauns und die Rathsherren Dietrich Brewitz, Caspar Steinbeck und Martin Bauermeister umgekommen; die andern 3 Bürgermeister Georg Schmidt, Georg Kühlewein und Johann Westphal; nebst dem Rathsherrn Otto Gericken und vielen andern Leuten, haben sich mit den Ihrigen in Hrn Johann Alemann’s Haus begeben, allda sie endlich, nach vielfältiger ausgestandener Leib- und Lebensgefahr, durch den kaiserlichen General-Krieges-Commissarius Hrn von Walmerode — welcher eben des Johann Alemann’s Hausfrauen zu salviren dahin gekommen — errettet und hinaus nach Schönebeck in Sicherung gebracht worden. Herr Conrad Gerold und andere mehr, die so auf der schwedischen Seite gewesen, haben gesehen, daß sie sich stracks bei den kaiserlichen Soldaten ranzionirt, und sind durch und zum Könige aus Schweden gegangen. Dr Christianus Gilbertus, Hermannus Cummius und Heinrich Pöpping aber — als welcher auch droben gedacht worden — lange Zeit von den Kaiserlichen wegen dessen, daß sie mit unter dem schwedischen Wesen gesteckt haben sollten, gefänglich behalten und allererst, als die Kaiserlichen die Stadt wiederum verlassen müssen, liberirt worden, wiewohl Pöpping kurz vorher an der rothen Ruhr, mit großer Wehklagung und Betraurung dessen, daß er die Stadt Magdeburg hätte verführen helfen, soll gestorben sein, wie solches der Cummius und die Weiber, so ihn in der Krankheit gewartet, berichtet haben.
In der Domkirche sind wohl in die 4000 Menschen gewesen, die sich darin retiriret und verkrochen gehabt, und obwohl anfangs etwas von kaiserlichem Volke hinein gekommen, die etliche Leute niedergemacht und 2 Weibespersonen darin sollen geschändet haben; so ist doch bald Schildwacht vor die Thüren gesetzet und ferner Gewalt verhütet worden. Der Domprediger Reinhard Backe hat sich auch in diese Kirche salvirt, welchem zwar anfangs die Jesuiten und andere katholische Geistliche hart zugesetzt und übel angefahren; jedoch soll er seine Gegenantwort dergestalt gethan und so viel beigebracht haben, daß sie ihn als einen lutherischen Prediger — der seine Zuhörer zur Gottesfurcht, Ehrbarkeit und einem stillen, geruhigen Leben angemahnt, die Bosheit und Widersetzlichkeit gestraft gehabt — müssen passiren und gewähren lassen.
Belangend die Anzahl der Erschlagenen und Umgekommenen in der Stadt, weil nicht allein das Schwert, sondern auch das Feuer viel Menschen aufgefressen, kann man dieselbe nicht eigentlich wissen, denn nicht allein bald nach dieser erbärmlichen Einäscherung der General Tilly die verbrannten Leichname und sonst Erschlagenen von den Gassen, Wällen und andern Plätzen auf Wagen laden und in’s Wasser der Elbe fahren lassen, sondern man hat auch fast ein ganzes Jahr lang nach der Zeit in den verfallenen Kellern viel todte Körper zu 5, 6, 8, 10 und mehr, die darin erstickt und befallen gewesen, gefunden und weil die, so auf den Gassen gelegen, sehr vom Feuer verzehrt und von den einfallenden Gebäuden zerschmettert gewesen, also daß man oft die Stücken mit Mistgabeln aufladen müssen, wird Niemand die eigentliche Summam benennen können. Insgemein aber hält man dafür, daß mit eingeschlossen die beiden Vorstädte und was von der kaiserlichen Soldatesque — als von denen nicht allein im Sturm hin und wieder viel geblieben, sondern sich auch mancher verspätet, im Keller oder Hause zu lange gesucht oder sonst verirrt gehabt — umgekommen und verbrannt, es auf 20,000 Menschen, klein und groß, gewesen, die bei solchem grausamen Zustande ihr Leben enden oder sonst am Leibe Schaden leiden müssen. Die abgestorbenen Leichname, so vor das Wasserthor hinaus in die Elbe geführt worden, haben, weil an dem Orte alle Wege ein Kräusel oder Wirbel ist, nicht bald hinwegfließen können oder wollen, also daß viele da lange herumgeschwommen, die theils die Köpfe aus dem Wasser gehabt, theils die Hände gleichsam gen Himmel gereckt und dem Anschauer ein fast grausam Spectakel gegeben haben, davon denn viel Geschwätzes gemacht worden, gleich als hätten solche todte Leute noch gebetet, gesungen und zu Gott um Rache geschrieen, wie denn ebenermaßen man von vielen Gesichtern, Gespenstern und dergleichen Dingen zwar sagen, aber von Niemand im Grunde der Wahrheit bejahet werden wollen.
In dieser erschrecklichen Feuersbrunst sind 1) alle Kirchen und Gotteshäuser der Alten Stadt bis auf das Mauerwerk gänzlich verbrannt und in die Asche gelegt, darunter vornehmlich gewesen Sct Johannis, die größte und höchste Kirche, deroselben zwei hohe Kirchspitzen mit Blei und das Dach über der Kirche ganz mit Kupfer gedeckt gewesen. Dann Sct Ulrich, die schönste, worin die herrlichsten Epitaphia und Gemälde gestanden, so Vornehme von Adel und aus den Geschlechtern der Stadt darin zum Gedächtniß setzen und sich oft manches von 1 bis in 2 und 3 tausend Thaler kosten lassen. Desgleichen Sct Catharinen, so in der Feuerbrunst 1613 auch abgebrannt, aber wenig Jahre zuvor ganz neu wieder mit Dach und hohen Thurmspitzen auferbauet gewesen. Sct Jacob, so zwar auch in der ersten Belagerung 1550 viel Schaden erlitten, hat nun, sammt der Kirche zu Sct Peter und der zum heiligen Geist, denen andern sämmtlichen gleich werden müssen. In welchen sechs Haupt- und Pfarrkirchen nicht allein alle Sonntage, sondern auch mehrentheils die Werkeltage über gepredigt und der Gottesdienst verrichtet worden, daher die Alten solche 6 Pfarren zu mehrern Unterschied in nachfolgende Reime begriffen:
zu S. Ulrich die Reichen — zu S. Johannis die Säuberlichen — zu S. Catharinen das Dunkelgut — zu S. Jacob die Armuth — zu S. Peter die Fischer — zum heiligen Geist die Tischer.
2) Sind die beiden Collegiatstiftskirchen S. Nicolai und Sebastiani, item die Kirche Petri und Pauli sammt andern Cellen und Klausen auf dem Neuen Markt wie nicht weniger in der Altenstadt die Klosterkirche der Augustiner, so das Geschlecht der Feuerhacken allhier gebauet und gestiftet, ingleichen das Barfüßerkloster, woraus nach der Reformation der Rath eine Schule angerichtet, dann das Jungfernkloster Marie Magdalene, die Kirche zu S. Gertraud, die zu S. Annen sammt allen Hospitalien, Armenhäusern, Capellen und dergleichen dem Feuer und Rauch zu Theil geworden.
3) Hat auch die Hitze des Feuers das schöne, wohlerbauete Rathhaus, woran viele alte Monumente, Bilder und Wappen in Stein gehauen und sonst gemalt gestanden, zusammt dem neuerbauten Zeughause, item die Thürme und Thore der Stadt mit ihren Zug- und andern Brücken — allein ausgenommen die Sudenburger Brücke — nicht vorbei gehen mögen, also daß noch des Nachmittags, als des Raths Pulvermühle und von derselben die andern Schiffmühlen angesteckt worden, auch die kurze Elbbrücke der Asche zu Theil werden müssen.
Endlich und 4) sind alle Wohnhäuser der Stadt, worunter manches schönes Gebäude zu befinden gewesen, als vornehmlich Thomas Mauritz Haus[27], nahe beim güldenen Arm, welches er, als der letzte von seinem Geschlechte, zum Gedächtnisse erbauet und über 20,000 Thlr. gekostet. Item der von Quitzow Haus am Neuen Markte, der Anhaltische Hof[28] und alle andere dergleichen adelige und bürgerliche stattliche Häuser gänzlich verbrannt und in Asche gelegt, also daß noch ein weniges von Häusern am Neuen Markt, zusammt der Domkirche und U. L. Frauenkloster sind bestehend geblieben, welches etwa von der katholischen Geistlichkeit, als die die Soldaten zum Löschen soll angetrieben haben, mag sein erhalten worden. Wie denn auch die Fischer unter dem Ufer ihre Häuser behalten haben.
Sobald sich aber die Hitze und Gluth in etwas gestillet, hat der kaiserliche General von der Artillerie, welcher ein Freiherr von Schönberg und bald nachmals in der Schlacht vor Leipzig geblieben, alle Braupfannen, Glocken und anderes Kupfergeschirr zusammen auf unterschiedliche große Haufen führen und für sich als seine Beute verwahren lassen. So hat sich auch überdies eine unglaubliche Anzahl von Eisenwerk, eisernen Oefen, messingenen Grapen, Becken, Leuchtern etc., auf den abgebrannten Stätten und, insonderheit noch in den Kellern, viel Zinnwerk und dergleichen befunden, so theils auch von der kaiserlichen Soldatesque zusammengebracht und hin und wieder distrahirt worden; nicht weniger haben auch bald hernach theils die Bürger selbsten, so der Zeit in der Stadt geblieben und vornehmlich die, welche sich des Wassers und Schiffens gebrauchet, diese Metalle zusammengelesen und von den Soldaten um ein ganz schnödes Geld an sich gebracht und heimlich nach Hamburg und andere Oerter verführet, also daß sie theils davon viel reicher, als zuvor, geworden sind. Den mehreren Theil aber von den Braupfannen, zerbrochenen Glocken und andern Metallen, so obgemeldeter General von der Artillerie und andere Kaiserliche sammeln lassen, haben sie nachmals zusammt mit der Stadt quittiren und den Schwedischen überlassen müssen.
Sonst ist über dieses alles viel herrlicher und unwiederbringlicher Hausrath und allerhand stattliches bewegliches Eigenthum von alten Büchern, Schriften, Monumenten, Gemälden und dergleichen, so theils Vornehme von Adel in die Stadt geflüchtet, theils auch den vornehmsten Bürgern zuständig und nicht mehr für Geld zu bekommen gewesen, mit verbrannt und also der Soldatesque an ihrer Beute abgegangen. Man hat auch in gar vielen Kellern im Bier und Wein bis an die Knie gehn mögen, weil der Uebermuth und Frevel des gemeinen Kriegsvolkes so groß gewesen, daß, wenn etwa ein Eimer Biers oder Weins aus einem Fasse gezapft worden, sie den Zapfen nicht wieder einstecken wollen, und also das Bier und (den) Wein hinlaufen lassen. Die stattlichsten Kleider, Decken, Seidenzeuge, goldene und silberne Passementen (Borten, Tressen), allerhand Leinen und anderes Hausgeräth haben die Marketender um ein ganz liederliches (Geld) an sich gebracht und ins ganze Erzstift Magdeburg, in das anhältische und braunschweigische Land mit ganzen Wagen voll verführt und verkauft. Man hat auch die goldenen Ketten, Ringe, Kleinodien und anderes Gold- und Silbergeschirr von den gemeinen Knechten mehr denn zehnmal wohlfeiler, als um den rechten Werth desselben, kaufen und erhandeln können.