Hierauf hat Hr Falckenberg Anordnung gemacht, daß noch gegen die Nacht ein Ausfall geschehen und die Kaiserlichen des Ortes vom Walle und aus dem Graben getrieben werden sollten, welches aber ganz verblieben und zu keinem Effect gekommen. Die Ursachen zwar sind unbewußt, jedoch so dieser Ausfall wäre zu Werke gerichtet worden, hätten dadurch die Kaiserlichen in ihrem Vorhaben — weil sie, wie man auch nach der Eroberung von ihnen vernommen, desselben Abends, die Sturmleitern angesetzt und Alles zum Anlauf fertig gemacht gehabt — ohne allen Zweifel große Confusion und Verhinderniß bekommen u. s. w. Sonst hat auch des gedachten Abends der von Falckenberg den regierenden Bürgermeister ersuchen lassen, daß in der Sache, die vorhabende Tractation und Accord betreffend, ohne sein Wissen nichts vorgenommen, sondern gegen den künftigen Morgen, früh zu 4 Uhr, der Rath zusammen erfordert werden möchte, alsdann wolle man conjunctim zu den Tractaten schreiten und sich darin vereinbaren, wie dann auch zu dem Ende der Rath, Ausschuß und (die) Viertelsherren an einem, der Hofmarschall Falckenberg, Ambassadeur Stalmann und des Administrators Räthe andern theils folgenden Tages, als den 1020 Mai zu bestimmter, früher Zeit auf dem Rathhause erschienen und zusammen gekommen sind. Der Rath hat aus seiner Mitte den Bürgermeister Georg Kühlewein, den Syndicus, item Hrn Conrad Gerhold und Autorem zu dem von Falckenberg — so nebst dem Stalmann und Hrn Administratoris Räthen in einer besondern Stube gewesen — diese Tractaten zu vollstrecken und alsofort mit dem Trompeter, Gesandten an den General Tilly zu schicken, deputirt und abgeordnet. Als man sich nun hierin unter einander bereden wollen, hat Hr Falckenberg angefangen, alle des Königs zu Schweden hochbetheuerte Zusagen und Versprechungen des so lang vertrösteten Entsatzes wegen länglich zu erzählen und denenselben nochmals festiglich inhäriret und vertrauet, mit fernerer Anzeigung, daß ja die Gefahr, wie etliche vermeinten, noch nicht so groß, und weil man sich nunmehr des Entsatzes stündlich, ja augenblicklich vermuthete, wäre keine Stunde, die man sich länger hielte, mit keiner Tonne Goldes zu bezahlen etc. Indem er aber also von diesem und dergleichen wohl bei einer Stunde lang geredet, ward indem der Secretarius aus dem Rathe geschickt, welcher berichtet, daß durch die beiden Männer, so auf dem Dom und Sct Jacobthurm Wacht zu halten bestellt, dem Rath angezeigt wäre, wie die Kaiserlichen aus allen Lagern sehr stark in die beiden Vorstädte Neustadt und Sudenburg ankommen und sich hinter die Approches, alte Mauern und Keller begeben thäten. Unlängst hernach kam ein Bürger vom Walle mit Anzeigung, daß es im Felde hinter allen Hügeln und Gründen voller Reiter hielte; so hätte man auch sehr viel Volkes in die Vorstädte marschiren gesehen. Hierauf der von Falckenberg geantwortet: er wollte, daß sich’s die Kaiserlichen unterstehen und stürmen möchten, sie sollten gewiß also empfangen werden, daß ihnen übel gefallen würde. Hat ferner in seinem Gespräch und Voto fortgefahren, bis der Wächter auf Sct Johannisthurm Sturm geblasen und die weiße Kriegesfahne ausgesteckt. Da denn Autor nicht länger sitzen, sondern hingehen und sehen wollen, was passirte. Und als er in die Fischergasse gekommen, hat er gesehen, daß die Croaten — so um das Rondel bei dem kleinen Wasser durchgeritten waren, wie davon besserhin wird gesagt werden — schon der Fischer Häuser stürmten und plünderten. Darauf Autor sich eilends zu Rathhause verfügt und mit kurzen Worten dem Rath angedeutet, daß es unvonnöthen, da zu sitzen, denn der Feind schon in der Stadt, welches Allen gar unglaublich vorgekommen. Und als indessen auch des Falckenberg’s eigene Pagen zu Rathhause kommen und berichteten, daß die Kaiserlichen schon auf dem Walle bei der Neustadt sein sollten, ist er aufgestanden, zu Pferde gesessen und hin, des Obristlieutenants Trost Regiment vom Marsch abzufordern, geritten. Da er aber mit dem Volke bei der Hohenpforte angekommen und die Kaiserlichen allbereits daherum in den Gassen der Stadt angetroffen, hat er zwar heftig in sie gesetzt und (sie) anfangs ziemlich zurückgetrieben. Weil sie aber je mehr und mehr Volk zu Hilfe bekommen, auch allbereits mit Reiterei in der Stadt gewesen, ist der von Falckenberg nebst dem Obristlieutenant Trost allda todt geblieben und ihr Volk zertrennt und geschlagen worden. Und obwohl der Obrist Uslar mit seiner Reiterei, und was sonst noch zur Reserve vorhanden gewesen, auch zusammen gekommen und Falckenbergen entsetzen wollen, ist es doch viel zu spät und vergebens gewesen. Der Rath ist mehrentheils auf dem Markte, in einem oder (dem) andern Ordre zu ertheilen — wie denn alsofort etliche Trommelschläger, um einen Accord anzuhalten, an die Orte, da die Kaiserlichen hereingekommen, zwar ausgeschickt, aber mit solcher Antwort, daß Keiner davon wieder zurückgekommen, versehen worden — bestehend geblieben, bis endlich, als die Feinde immermehr hereingedrungen, ein jeder gesehen, wohin er sein Refugium nehmen und sich aufs beste salviren mögen. etc.

Es ist aber, was die eigentliche Bestürm- und Eroberung der Stadt anlangt, damit in folgender Gestalt daher gegangen:

Als, wie obgedacht, der Graf von Pappenheim sich der Fausse braye des Bollwerks bei der Neustadt dergestalt bemächtigt gehabt, daß er 1) durch die Gallerie, 2) durch die bis auf die Spitzen des Bollwerks gemachten fünf Approchen nicht allein bis auf den Wall gekommen, die Sturmpfähle entlangs der ganzen Face ausgegraben und seine Sturmleitern in großer Menge den Abend zuvor nach allem Belieben anschlagen und also im Hui mit etlichen Hundert zugleich über die Brustwehr der Fausse braye herüber den Falckenberg’schen Knechten einfallen können, sondern auch 3) am Rondel bei der Elbe eine Appareille oder aufgeführten Weg von Erde — durch welchen man zugleich in diese Fausse braye steigen und auch hin um das Rondel bis unter das Fischerufer gehn mögen — aufwerfen und verfertigen lassen etc. Desgleichen als der Graf von Mansfeld auf seinem Posten bei der Sudenburg, sonderlich aber vor dem Heydeck mit Ausdämmung des Wassergrabens und Fällung der Stadtmauer daselbst auch fertig gewesen; demnach hat der General Tilly — wie solches die Relationen von diesem Handel besagen — mit seinen Generalen und Obristen Rath gehalten, wie man die Sachen angreifen solle; dabei er dann sehr gezweifelt, ob ein Sturm zu versuchen wäre, sintemal ihm nicht mag unwissend gewesen sein, was erstlich den Heydeck belangt, daß solcher ein sehr hohes Bollwerk und, wenn gleich die Streitmauer ersteigen und eingenommen, man doch noch nicht auf dem Bollwerke wäre. Fürs andere, obschon am Bollwerke bei der Neustadt der von Pappenheim sich der Fausse braye wohl bemächtigen könnte, so wären doch um den Fuß des Walles Pallisaden gesetzt, daß man auf das Bollwerk und den Wall, ohne durch ein enges Pförtlein, welches durch den Thurm zum Eingang in der Fausse braye gemacht, nicht kommen können. Jedoch als ein kaiserlicher Obrister stark dazu gerathen und das Exempel von Mastricht herbei gebracht, da die Wacht in der Morgenstunde geschlafen, hat man geschlossen, daß 1) der Graf von Pappenheim nebst seinem eigenen und dann den Gronsfeldischen, Wangler’schen, Savellischen etc. Regimentern das Bollwerk bei der Neustadt, 2) Herzog Adolph von Holstein das Hornwerk vor dem Krökenthor, 3) Graf Wolf von Mansfeld mit seinen Regimentern den Heydeck und (das) Ravelin bei der Sudenburg — welches Ravelin damals noch keinen Graben hatte, sondern allein auf der Brustwehr der Fausse braye mit Pallisaden besetzt war, sammt andern Werken allda: 4) Die Ligistischen das Kronwerk oder (den) Durchschnitt auf dem Marsch und 5) zwei kaiserliche Regimenter die beiden Halbmonde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer Thore anfallen sollten und sollte der Sturm also zugleich, wenn eine Losung mit dem Geschütz gegeben, geschehen. Aber der General Tilly hat denselbigen Morgen noch einmal Kriegsrath gehalten, wiewohl den vorigen Abend beschlossen und abgeredet gewesen, gleich mit dem Tage anzufallen, so gar hat man an gutem Effect gezweifelt, darauf es sich dann mit dem Anfall bis nach 6 Uhr verzögert. Da hat der Pappenheim den Anfang gemacht, ist in großer Furie — durch Hilfe der obbeschriebenen Bequemlichkeiten — von allen Enden um das Bollwerk zugleich herüber die Brustwehr in die Fausse braye zu den darin liegenden Falckenbergischen Soldaten gefallen, und weil denselben von der kaiserlichen starken Vergatterung in die Laufgräben, weniger von ihrem vorhabenden Sturm keine Advertissement und Wissenschaft beschehen, daher nur die Schildwachten allein ihre Lunten — weil bei der Stadt zu so langwierigem Kriege ein solcher Vorrath, daß so viel Volks ihre Lunten brennend halten können, nicht gewesen — entzündet gehabt, welche aber einen solchen mächtigen und plötzlichen Einfall des Feindes zu resistiren, viel zu ohnmächtig gewesen und, was etwa von den andern zum Gewehr gegriffen und seine Lunte zünden wollen, darauf ist stracks chargiret und geschossen worden, also daß die Falckenbergischen Officiere und Knechte bald in Confusion gerathen und sich mit großer Unordnung durch das obgemeldete enge Pförtlein retiriren und zurückwenden müssen.

Ob nun wohl diejenigen 700 Falckenbergischen Knechte sammt ihren drei Obristwachtmeistern Waudrich, Mackensee und Stauder — als denen das Bollwerk und (die) Fausse braye zu besetzen zugeordnet — und dann die Bürger, so das Rondel und den Wall bei der hohen Pforte bewachen sollen, damals nicht alle zur Stelle gewesen, denn theils in Bereitschaft auf Sct Jacobs-Kirchhof und der Orte liegen müssen, theils mögen auch wohl Pässe zu kaufen vergünstigt sein worden, so hält Autor, als der alle Tage sonst an diesen Ort, indem er Bauherr bei der Stadt gewesen, gekommen und gesehen, was etwa vorgelaufen und wie stark der Ort besetzt worden, nicht dafür, daß auf Seiten der Stadt der Mangel an wenigem Volke, wie etliche vermeint, gewesen und deswegen die Kaiserlichen so leicht, mit Verlust geringen Volkes, die Stadt an diesem Ort bestiegen und gewonnen hätten. Es ist auch nicht vermuthlich, daß der von Falckenberg unter seinen eigenen Soldaten, — welche ohne dies wegen Mangel an Unterhalt nicht herunter gehen durften, sintemal jeder Knecht vom 24. April an, ohne was die Bürger an Victualien zugeschossen, alle Tage 3 Groschen empfangen — so schlecht Ordre solle gehalten, und die mehrsten auf einmal herunter gehen lassen, sondern es müssen nachfolgende Umstände, und wie weit die Belagerer in ihrem Vortheil gediehen, vornehmlich betrachtet werden. 1) Daß, obgleich dem von Falckenberg dieser Bericht auf dem Rathhause zugekommen, wie nämlich der Feind aus allen Lagern in die Vorstädte und Approchen (sich) zusammenzöge etc., er dennoch den Officieren und Knechten auf den Wällen kein Avertissement geschehen, noch auch keine Piken oder Morgensterne und dergleichen in der Fausse braye beihanden gewesen. Daß also daher, wegen des unversehenen und starken Einfalls der Kaiserlichen, denen in der Fausse braye liegenden Falckenbergischen Soldaten zum Gewehr zu greifen, die Lunten anzuzünden und zugleich zu widerstehen unmöglich gewesen. 2) Als sich diese durch das enge Pförtlein retiriren müssen, ist Freund und Feind zugleich mit einander eingegangen, und haben die auf dem Bollwerk und Rondel liegenden Soldaten und Bürger nicht gewußt und wissen können, was dabei zu thun sei, denn sie den Falckenbergischen die Retirade nicht wehren dürfen. 3) Ist auch wohl etwas die Betstunde, so eben damals ein markgräfischer Feldprediger auf dem Bollwerk allhier gehalten, dem Feinde zu statten gekommen. Und dann 4) das Retranchement oder der Abschnitt — welches der von Falckenberg kurz zuvor auf diesem Bollwerk, weil er sich einer Minir- und Untergrabung besorgt, machen lassen — den durch das oftgemeldete Pförtlein herauf kommenden Kaiserlichen als eine gute Brustwehr zum Vortheil gediehen, dahinter sie sich stellen und desto besser auf die Falckenbergischen, so das Bollwerk besetzt und daselbst Predigt gehalten, Feuer geben können. 5) Sind durch die obgedachte Opereille viel kaiserliches Volks heraufgestiegen, die nicht allein in der Fausse braye, sondern zugleich um das Rondel hinter der Streitmauer herum gelaufen und unter das Fischerufer gekommen, wozu 6) der von Pappenheim zwei Kompagnien Croaten um dieses Bollwerk durchs Wasser, welches eben zu der Zeit sehr klein war, zu reiten commandirt, die dann, sobald sie durch das Thor, welches die Fischer vorher nicht zumachen lassen, sondern selbst verwahren wollen, unter dem Fischerufer hinein gekommen, alles dergestalt von Bürgern und Soldaten in Confusion gebracht, daß, eher und zuvor Falckenberg mit dem Succurs angelangt, die Kaiserlichen die Oberhand gekriegt und also die Stadt an diesem Ort mit wenigem Verlust ihres Volkes erobert und gewonnen haben.

Der Graf von Mansfeld aber, so auch zur selbigen Zeit beides an dem Heydeck — allda der Graben ausgedämmt und die Streitmauer hernieder geschossen gewesen — und Ravelin vor dem Sudenburger Thore Leitern anwerfen und stürmen lassen, hat damit wenig ausrichten können, denn die Seinigen solchen Vortheil nicht gehabt; derowegen sie dieser Orten viel Volks einbüßen und den Kürzern ziehen müssen. Betreffend das Hornwerk vor dem Kröckenthore und die beiden Halbmonde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer-Thore, die sind zwar auch hart bestürmt, aber von außen her nicht genommen, noch übermeistert worden; sondern als die Kaiserlichen sich des ganzen Walles von der Neustadt und Elbe an bis hierher bemächtigt, ist alle ihre Gegenwehr unmöglich gewesen, als daß sie nur Gnade und um Quartier bitten müssen. Das Kronwerk auf dem Marsch und Ravelin vor der kurzen Elbbrücke hat der Hr Administrator unter währendem Sturm ganz zu verlassen, und von einem Joch dieser Brücke die Bohlen und Balken abzuwerfen, befohlen, und wiewohl, bei so eilfertiger Retirade, die Balken mehrentheils beliegend geblieben, haben dennoch sich die Kaiserlichen, wegen der im Brückthor und Möllnhofe bestellten Bürgerwacht, herüber zu gehen nicht unterstehn dürfen, bis endlich die Stadt ohne das ganz überwältigt gewesen, da denn auch viel Reiter, als sie auf jener Seite der Elbe solches gesehen, aus Begierde zur Beute durch die Elbe geritten und theils im Wasser ersoffen sind.

Als nun gedachter maßen durch den General Pappenheim eine ziemliche Anzahl Volkes auf den Wall bei der Neustadt und da herum in die Gassen der Stadt gebracht, auch der von Falckenberg erschossen und das Feuer an allen Enden eingelegt worden, da ist es mit der Stadt geschehen und alle Resistenz zu spät und vergebens gewesen. Denn ob sich gleich von Bürgern und Soldaten an etlichen Orten etwas wieder gesetzt und zur Wehr gestellt, haben doch die Kaiserlichen indessen immer mehr und mehr Volkes, auch Reiterei genug — weil der Graben auf der Spitze dieses Bollwerks noch nicht ausgearbeitet und der neue Wall sehr flach, also daß sie auch darüber in die Stadt reiten können — zu Hilfe gekriegt, endlich das Kröckenthor eröffnet und also die ganze Armee der kaiserlichen und katholischen Liga von Hungarn, Croaten, Polacken, Heyducken, Italianern, Hispaniarden, Franzosen, Wallonen, Nieder- und Oberdeutschen etc. hier eingelassen. Da ist es geschehen, daß die Stadt mit allen ihren Einwohnern in die Hände und Gewaltsamkeit ihrer Feinde gerathen — die denn alle heftig und grausam, theils aus gemeinem Haß gegen die augsburgischen Confessions-Verwandten, theils daß man mit Drathkugeln geschossen und sonst etwa von den Wällen, wie es zu gehen pflegt, geschmählet, erzürnt und erbittert gewesen. — Da ist nichts als Morden, Brennen, Plündern, Peinigen, Prügeln gewesen. Insonderheit hat ein Jeder von den Feinden nach vieler und großer Beute gefraget. Wenn dann eine solche Partei in ein Haus gekommen, und der Herr etwas zu geben vermocht gehabt, hat er sich und die Seinigen so lang salviren und erhalten können, bis eine andere, die auch was haben wollen, wieder angekommen. Endlich aber, wenn es alles hingegeben und nichts mehr vorhanden gewesen, alsdann ist die Noth erst angegangen. Da haben sie angefangen zu prügeln, ängstigen, gedrohet zu erschießen, spießen, henken etc., daß, wenn’s gleich unter die Erde vergraben oder in tausend Schlössern verschlossen gewesen, die Leute dennoch hervorsuchen und herausgeben müssen. Unter welcher währenden Wütherei dann, und da diese so herrliche, große Stadt, die gleichsam eine Fürstinn im ganzen Lande war, in voller brennender Gluth und solchem großen Jammer und unaussprechlicher Noth und Herzeleid gestanden, sind mit gräulichem ängstlichen Mord- und Zetergeschrei viel tausend unschuldige Menschen, Weiber und Kinder kläglich ermordet und auf vielerhand Weise erbärmlich hingerichtet worden, also daß es mit Worten nicht genugsam kann beschrieben und mit Thränen beweint werden.

Es hat aber diese trübselige Zeit nicht viel über zwei Stunden lang in der Stadt gewähret, indem durch den unversehens zustoßenden Wind das Feuer — so zwar anfangs der Graf von Pappenheim, den Bürgern und Einwohnern zur Perturbation und Schrecken einzulegen solle befohlen, nachmals aber die gemeine Soldatesque hierin keine Discretion und Aufhören gewußt haben — dergestalt überhand genommen, daß um 10 Uhr Vormittags alles im Feuer gestanden, und um 10 Uhr gegen die Nacht die ganze Stadt, zusammt dem schönen Rathhause und allen Kirchen und Klöstern, völlig in der Aschen und Steinhaufen gelegen. Daher denn das kaiserliche Kriegesvolk, wenn es nicht selbst verbrennen wollen, wiederum aus der Stadt entweichen und sich in ihre (seine) Feldlager retiriren müssen.

Also hat man diese weitberühmte, vornehme Stadt und Zierde des ganzen Landes in einem Tage in Feuer und Rauch aufgehen und ihre übrig gebliebenen Einwohner mit Weib und Kindern gefangen vor dem Feinde hintreiben gesehen, daß das Geschrei, Weinen und Heulen gar weit ist gehört und die Lohe und Asche von der Stadt bis in Wanzleben, Egeln und weitere Orte durch den Wind verführet worden.

So viel nun derer von Magdeburg vom Feuer und Schwert verschont geblieben, hat ein Jeder, zu Erhaltung seines und der Seinigen Lebens und Ehre, solches ranzioniren und, nach Advenant der Person, theils wohl mit 1000 und mehr Reichsthalern wieder kaufen und bezahlen müssen; und ob er gleich nicht gehabt, so ist er doch so lange, bis von andern fremden Leuten entweder auf Schuldforderung, Bitt oder Credit das Ranzionsgeld erlegt oder sonst genugsame Versicherung gemacht, angehalten und wohl gar gefänglich verwahrt worden. Betreffend die gemeinen Handwerksleute, Tagelöhner, Knechte und Jungen, wie auch Soldaten, so auf schwedischer und der Stadt Seiten gedient und nichts zu geben vermocht, haben entweder der Feinde Beute und Bündel eine Zeitlang nachtragen, allerhand Dienste thun, oder wohl gar selbige annehmen und sich unterhalten lassen müssen. Mit den Weibern, Jungfrauen, Töchtern und Mägden aber, die keine Männer, Eltern oder Verwandten gehabt, so ihrenthalber Ranzion erlegen, noch bei hohen Officieren Hilfe oder Rath suchen können, ist es mit vielen fast übel abgelaufen, sind theils genothzüchtigt und geschändet, theils zu Concubinen behalten worden, wiewohl dennoch auch viele, die dergleichen Freunde und Mittel nicht gehabt, wunderlich bei Ehren sind erhalten und von theils ehrliebenden Soldaten durch Redlichkeit dessen, der sie gefangen bekommen, ehrlich losgelassen oder wohl gar geheirathet worden. Die andern aber, sonderlich die zuvor sich schon leichtfertigen Handels gebraucht, wie denn hiervon die Feinde damals sehr fleißige Nachforschung gehalten, sind auch in solcher Unzüchtigen Hände gerathen und haben sich mit im Lande müssen herumführen lassen.