Drittens hat der General Pappenheim die Stadt von der Nordseite, allda die Vorstadt Neustadt-Magdeburg gelegen, attaquirt und angegriffen, wozu ihm nicht allein die alten Mauern und Keller von solcher abgebrannten Stadt zum großen Vortheil gekommen, sondern vornehmlich des neuen Bollwerks wegen. Denn als bei angehendem Kriegeswesen in diesen Erz- und Stiftern die alte Stadt Magdeburg Ao. 1625 die Häuser der beiden oftgedachten Vorstädte Neustadt und Sudenburg um den Graben der alten Stadt herum abbrechen und, auf Anleitung des bestallten Baumeisters Michael Rudolff’s, drei neue große Bollwerke, als ein großes allhier und zwei in der Sudenburg erbauen ließ, ist die Bürgerschaft nicht allein wegen der Gefahr — daß man die alten, zu beiden Seiten hoch ausgemauerten, Graben ausgefüllt und eben in der Kriegeszeit dem Feinde gleichsam eine Bahn in die Stadt eröffnet habe — sondern auch des vielen Schanzens und Arbeitens halber sehr überdrüßig und schwierig geworden, daher auch die Werke unvollkommen und die Arbeit beliegen geblieben, vornehmlich aber an diesem Orte in der Neustadt, da der Graben um das neue Bollwerk nirgends zu rechter Tiefe gebracht, also daß man auch vorne auf der Spitze desselben mit Pferden bis auf und in die Fausse braye reiten können. Ueberdies war die Außenkante des Grabens mit der Epaule parallel und die Erde noch nicht ausgebracht, daher man in den Graben die Face entlang mit dem großen Geschütz nicht streichen können, und was dergleichen Fehler mehr, die auch zwar bei diesem Kriegeszustande noch wohl hätten können verbessert, aber wegen der andern Schanzen und Außenwerke, darin ein Theil der schwedischen Armee, wenn sie käme, liegen sollte, müssen unterlassen werden, welches alles nachmals dem Pappenheim zum großen Vortheil und sicherer Verfertigung einiger Gallerien und Approchen bis in die Fausse braye dieses Bollwerks gediehen. Denn nachdem er die ganze Neustadt zwerch durch, von der Elbe an bis an und um das Hornwerk vor dem Krökenthore, mit trefflichen vielen Laufgräben durchwühlet, und damit hin und wieder bis an die Contrescarpe der alten und neuen Gräben gekommen war, hat er

1) in dem Winkel, da, wie gemeldet, die Außenkante des Grabens mit der Epaule parallel gelaufen, durch die Contrescarpe zu sappiren und über den Graben eine, zu beiden Seiten mit Schanzkörben besetzte, Gallerie zu machen angefangen — dazu ihm denn zugleich die alte Futtermauer des Stadtgrabens nicht wenig Sicherung gegeben — und damit den Belagerten alle Flanquen und Defensiones entzogen würden, mußte von der Batterie gegenüber nicht allein der Wall über der Hohenpforte sammt dem Thurm, so dabei im Stadtgraben — darauf 2 Stein-Carthaunen — zur Breche geschossen, sondern auch noch der hohe Thurm hinter dem Wall herunter geschossen und also gefället werden, daß er den Wall entlang geschlagen und denen von der Stadt den Stand und Platz des ganzen Walles daselbst, und also der daher kommenden Flanque, beraubt hat. 2) Weil auf der Spitze dieses neuen Bollwerks der wenigste Theil des Erdreichs aus dem Graben gebracht gewesen, ist der General Pappenheim durch fünf unterschiedliche Approches über oder durch diesen Graben bis an und in die Spitze der Fausse braye gegangen, und hat also die ganze Face der Fausse braye, so im Anlegen auf 40 Ruthen lang zwischen die obgedachte Gallerie und diese Approches begriffen, die darin gelegten Sturmpfähle mit Spaten untergraben, ausheben, auch endlich etliche hundert Sturmleitern, die dann nicht über 4 Ellen lang sein durften, anlegen und also alles zum Sturm fertig machen lassen. 3) Ist auf der andern Seite dieses Bollwerks quer durch den Graben approchirt und zwischen die beiden Hörner in die Gordine (courtine) minirt worden. 4) Weil der Elbstrom den alten Stadtgraben vor dem Rondel allhier allezeit ums dritte oder vierte Jahr dergestalt vollgeschlämmt, daß man von der Elbseite nicht allein in den Graben gleiches Fußes, sondern auch sicher unter dem hohen Ufer bis an das Rondel, gehen können, als hat der General Pappenheim, nachdem er zuvor die Streitmauer herunter schießen lassen, einen Weg oder Appareille von Erde bis so hoch die Brustwehr der Fausse braye aufgeführt, und sich also auch an diesem Ort einen bequemen Eingang gemacht, durch welchen er nicht allein in der (die) Fausse braye, sondern rings um das Rondel bis unter das Fischerufer kommen können. 5) Wurde auch durch den von Pappenheim das Hornwerk vor dem Kröckenthor mit zweien Laufgräben, so durch die Contrescarpe sappirt und bis in die Berme des Walles getrieben waren, hart angegriffen. Er machte aber an diesem Orte wegen der Granaten und stätigen Musquetaden, auch daß der Ort konnte besser flanquirt werden, seinen rechten Eintritt nicht erlangen, welches denn um so viel desto weniger, weil dieses Werk nicht mit so vielen Laufgräben beschanzet, da hergegen vor dem ofterwähnten Bollwerk bei der Neustadt der Laufgräben viel hinter einander gemacht und alle so voll Musquetire gelegt waren, daß, wenn sich nur einer von den Belagerten hinter der Brustwehr ein wenig hervor blicken lassen, wohl 6 oder 8 Schüsse zugleich auf ihn geschahen; und ob man gleich solch des Pappenheim’s Vortheil mit dem Geschütz von der Stadt ziemlich hätte verhindern können, so war doch dieses, wegen obgedachten Mangels des Pulvers, ganz verboten.

Anlangend die vierte oder Westseite der Stadt, als vom Krökenthor bis zum Heydeck, die ist allein von Reitern — welche mit ganzen Regimentern in den Gründen und hinter den Misthaufen Wacht gehalten, und, wegen Mangel an Pulver, mit dem Geschütz nicht abgetrieben werden können — dergestalt beschlossen gewesen, daß auch an diesem Ort kein Mensch aus- und einkommen mögen.

Bei sothanem Zustande aber, und als die von der Stadt mit Verlangen erwarteten, daß der General Tilly, vermöge seines Schreibens de dato den 212 Mai, die 3 Trompeter, so der Stadt Gesandten zu beiden Churfürstl. D. D. Sachsen und Brandenburg und den Hansastädten begleiten sollten, anschicken würde, hat er den 919 Mai also an den Rath mit diesen Worten geantwortet:

P. P. Ob wier zward nicht ungemeinet gewesen, die begehrte päße uff die benante persohnen abermals zu übersenden, aldieweil Jedoch die sachen mit der Stadt nunmehr Zu solchen Extremiteten gerathen, daß dieselbe einige Verzögerung ohne die höheste gefahr nicht erleiden Können, wie Ihr selbsten vor augen sehet und spüret, als wird die bedeutete abschickung gar zu spät fallen, auch allerdings vergäblich geschehen; Nachdem dan Kein ander noch besser mittel ist, als das ihr bey so beschaffenen Dingen, hindan gesetzet aller anderen considerationen, Kurtze resolution faßet. So haben wier euch hiemit Zum vberfluß nochmals wolmeinendlich erinnern vndt treulich ermahnen wollen, daß Ihr euren Zustandt vndt in was augenscheinlicher leib vndt lebensgefahr, auch verlust aller wolfahrt Ihr vndt die eurigen vnfeilbar gerathen werdet, wohl vndt reiflich behertzigen vndt darauff Jetzo so bald Ihrer Röm. Kayserl. May., vnsern allergnädigsten Herrn vndt vorgesetzten höchsten Obrigkeit, vffligender schuldigkeit nach euch allergehorsambst submittiren, welches fals noch heilsame media beuorstehen, dadurch Ihr euch vndt die eurigen conserviren, auch eine solche capitulation treffen Könnet, worzu Ihr sonsten nimmermehr gelangen werdet. Doferne nuhn diese vnsere wolmeinende vndt treuhertzige ermahnung Ihr bey euch gelten laßet, gereichet solches zu angeregten euren eigenen besten, wo nicht, mußen wier es an seinen orth gestellet sein laßen; werden aber vor Gott vndt der welt woll entschuldiget, vndt in vnserm Christlichen gewißen gesichert sein, daß nicht wier, sondern Ihr selbsten vndt die Jenigen, so euch in eurer halstarrigkeit stercken, eures vnglücks vnd verderbens die eintzige vrsach seind, vndt deren verandwortung, so dannach bey dem allerhochsten, vndt dero werthen Posterität hernächst schwer fallen wird, allein vff sich laden werden, vns allerseits göttlicher Protection treulich befehlende.

Datum Westerhausen den 818 May Ao. 1631.

Als nun der Rath diese abschlägige Antwort bekommen und zugleich gesehen, in was Gefährlichkeiten die Stadt gestanden, hat er den Trompeter verharren (warten), den folgenden Tag — war der 919 Mai — die ganze Bürgerschaft in ihrer Viertelsherren Häuser zusammen fordern und dieselbe sämmtlich befragen lassen, ob man nämlich zum General Tilly Gesandten schicken und sich mit ihm in Tractaten einlassen solle oder nicht, worauf sie dann in theils Vierteln durch die mehresten Stimmen geschlossen, daß man schicken und tractiren solle, theils Viertel haben Alles zu des Raths Willen und Gutachten gestellet; theils aber, und sonderlich die Personen, so von Anfang zu diesem Werke gerathen und Beförderung dazu geleistet, ganz keine Tractaten eingehen, sondern noch alle Stunden und Augenblicke des Königs in Schweden Succurs erwarten wollen, also daß auch theils, unter des Johann Ludwig’s Viertel begriffene, Bürger — weil sie in dieser Sache ihren Viertelsherrn verdächtig gehalten — etliche ihres Mittels zum präsidirenden Bürgermeister noch desselbigen Abends abgefertiget und ihm durch dieselben — dafern etwa ihr Votum der Viertelsherr nicht aufrichtig dem Rathe vorgetragen — diese Resolution, daß sie mit dem Tilly ganz nicht tractiren, sondern sich lieber bis auf den letzten Mann wehren wollten, berichten lassen. So waren auch dieser Tage kurz zuvor abermals die Prediger der Altstadt zu Rathhause gewesen — darunter Dr. Christianus Gilbertus, Prediger zu Sct Ulrich, das Wort und Directorium geführet — den Rath als ihre liebe Beicht- und Pfarrkinder zur Großmüthigkeit und Beständigkeit ermahnende, mit Vertröstung, daß Gott der Allmächtige die Stadt in so gerechter Sache, die allein zu Erhaltung dessen Ehre und Lehre gemeinet, gewißlich schützen und beschirmen werde, dafern man nur beständig bleiben und sich mit den Katholischen in keine Tractaten oder Bündnisse einlassen würde, und was dergleichen Worte mehr vorgelaufen, damit der Rath vom Accordiren abgemahnet worden. Ob aber die Prediger ingesammt alle einerlei Meinung hierin gewesen, oder ob nicht etliche auch die Gedanken dabei gehabt, weil gleichwohl noch (weder) der Kaiser noch auch der General Tilly die Reformation in der Religion bei der Stadt niemals gesucht, sondern nur die allerunterthänigste Devotion und Submission begehrt — daß man die Stadt und so viele tausend Menschen auf sogar augenscheinliche Extremitäten nicht setzen, die Religion lieber beim Accord vorbehalten und also Gott, der durch seine Allmächtigkeit, auch ohne so grausamen Ruin, die Stadt bei seinem Wort und (seiner) Lehre erhalten könne, trauen solle, zumal ja, auf den Fall solcher äußersten Drängniß und darauf erfolgenden Ueberwindung, es doch um so viel mehr mit der Religion würde gethan und verloren sein, solches ist aus allerhand Umständen wohl vermuthlich. Es hat aber ohne Zweifel, gleich wie auch bei den andern Ständen geschehen, einer dem andern folgen und, damit er nicht als ein ungetreuer Hirt, der in der Zeit der Anfechtung abtrünnig werden wollte, angesehen würde, mit in die Reihe treten müssen.

Der Rath ist des angeregten 919 Tages Mai zu Nachmittage, wiewohl in geringer Zahl, abermals wiederum zusammen gekommen, da dann unter andern vom Autore berichtet worden, daß nunmehro die Sturmpfähle aus dem Bollwerk bei der Neustadt entlangs der Face ganz ausgegraben und also die in der Fausse braye liegende Besatzung alle Stunde und Augenblick vom Feinde überfallen werden könnte; derowegen man eine Resolution fassen müsse, damit es nachmals nicht zu spät falle etc. Darauf der Syndicus Dr Johann Denhardt geantwortet: er wäre nicht allein des Raths, sondern der ganzen Stadt Syndicus und müsse nach seinem besten Verstande und wegen so vieler tausend hierunter Periclitirenden Wohlfahrt reden. Was dann gleichwohl die Stadt machen wolle, wenn sie kein Pulver mehr hätte, und sonst dem Gegentheil nicht widerstehen könnte, also daß man sie (den Feind), bis auf den Wall kommen lassen müsse. Der Rath solle es bedenken, und so viel Menschen nicht in den äußersten Ruin und in Gefahr stürzen etc. Also ist von denen damals beisammen gewesenen Rathspersonen wiederum votirt, und daß man zum Tilly schicken und tractiren wolle, geschlossen, auch Raths wegen Autori solches alles nebst dem, was er wegen des Feindes Avantagi gesehen, an den von Falckenberg zu hinterbringen, aufgetragen und anbefohlen worden.