Die erste Auflage dieses Werkes erschien unter dem Titel:
Abenteuer am Kilimanjaro
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
Copyright 1926 by Koehler & Amelang G.m.b.H. in Leipzig
Satz und Druck der Offizin Haag-Drugulin in Leipzig
Titeldruck Breitkopf & Härtel, Leipzig
Inhaltsverzeichnis
| Kriegsausbruch | [5] |
| Auf Posten Weber | [8] |
| Es wird Ernst | [16] |
| Der Geburtstag der Berittenen 9. Schützenkompanie | [18] |
| Kriegssafari zum Urwaldposten Olmolog | [19] |
| Alleinherrscher im Urwald | [24] |
| »Siafu!!!« | [32] |
| Auf Grenzwacht | [37] |
| Unsere Kavallerie braucht englische Reittiere | [42] |
| Ein Konkurrenzunternehmen | [50] |
| Mutter der Kompanie | [52] |
| Bilder und Typen aus dem Lagerleben | [55] |
| Die Kavalleriebrigade und die Zebraspuren | [78] |
| Große Kampfpatrouille zur englischen Magadbahn | [80] |
| Ausbildung im Garnisondienst | [104] |
| Als Fliegerersatz über dem englischen Bezillager | [107] |
| Durch den ostafrikanischen Großen Graben ins Winterhochland | [114] |
| Nach Engaruka verpumpt | [147] |
| Der Hunderttausend-Tonnen-Hammer fällt | [157] |
| Der Gewaltmarsch zur Mittellandbahn während der großen Regenzeit | [173] |
| An der Kondoa-Front | [183] |
| Der Todesritt der Berittenen 9. Schützenkompanie | [202] |
Kriegsausbruch
Mein Vater fing mich in Bremen ein, als ich im Jahre 1879 zum ersten Male nach Afrika auswanderte. Ich war damals elf Jahre alt und wollte in Afrika Löwen schießen. Für die Löwenjagd hatte ich eine alte Pistole aus Vaters Waffensammlung und sechs reine Taschentücher, als Reiseproviant ein Glas Eingemachtes aus Mutters Speisekammer mitgenommen. Für mich lief diese Sache tragisch aus.
Als ich 35 Jahre später zum fünften Male auswanderte – ich war inzwischen in Indien, Australien und in der Transvaal gewesen und hatte eben ein paar Monate zur Erholung in Deutschland verlebt; jetzt trieb mich die Abenteuerlust nach Ostafrika –, da fand ich auf der großen Viehfarm Olmolog, deren Leitung ich am 15. Juli 1914 übernahm, hoch oben am Nordwestabhang des Kilimandscharo, dicht am Urwald und unmittelbar an der englischen Grenze, in Fülle das, was ich mir in der Jugend gewünscht hatte. Allnächtlich umschlichen die Löwen, die aus der Steppe vom Amboseli-See und den höhlenreichen Löwenklippen heraufkamen, mein Haus. Sie holten mir die Hunde weg von der Baraza [Veranda] und das Jungvieh aus der Boma [Umzäunung]. Gleich bei einem meiner ersten Ausritte begegnete mir einer ganz in der Nähe des Gehöfts sogar am hellen lichten Tage.
Auf der Frommen Helene, so genannt, weil sie sich von dem störrischsten Maulesel der Welt im Laufe vieler Jahre in das faulste Exemplar ihrer Spezies hineingealtert hatte, ritt ich, natürlich in sausendem Schritt, den Weg zum Steinbruch der Farm. Plötzlich stand uns (ich meine Helena und mir) an einer Wegebiegung eine Löwin auf zehn Schritt gegenüber. Ich hatte kein Gewehr bei mir und war sehr erstaunt. Die Löwin schien auch erstaunt, aber noch erstaunter war die Fromme Helene. Sie löste die für alle Beteiligten peinliche Situation, machte kurz kehrt und jagte in einem solchen Tempo zum Gehöft zurück, daß ich schließlich doch am meisten staunte, und zwar über die Geschicklichkeit, mit der Helene bisher zu verheimlichen gewußt hatte, daß sie außer Schritt noch andere Gangarten kannte. Die Löwin machte ebenfalls kehrt und sockte ab. Menschenfresser ist in jener wildreichen Gegend der Löwe nicht.